DKG

Versorgung mit KVen nicht mehr sicher

Menschen wollen rasche Entscheidungen, insbesondere im Notfall, und zwar ohne Sektorengrenzen, glaubt die DKG. Die KBV hingegen setzt auf Modelle, die sich der Region anpassen. Auszüge aus einem Streitgespräch.

Von Martina Merten Veröffentlicht:
Streit um Notfallversorgung zwischen DKG und KBV.

Streit um Notfallversorgung zwischen DKG und KBV.

© Holger Hollemann / dpa / picture-alliance

BERLIN. An der Entwicklung der Notfallversorgung zeigt sich nach Ansicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) eines ganz deutlich: "Die KVen können ihren Sicherstellungsauftrag nicht flächendeckend erfüllen", unterstrich DKG-Präsident Thomas Reumann bei einem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung organisierten Streitgespräch in Berlin.

11 Millionen Patienten in Deutschland nutzten die Möglichkeiten der ambulanten Notfallversorgung an Kliniken. Ein Drittel, so Reumann, müsste dort aber nicht sein. Offensichtlich finden diese Patienten keinen niedergelassenen Arzt oder würden sogar von einem solchen an die Klinik geschickt, betonte der DKG-Präsident während des Streitgesprächs mit dem stellvertretenden KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Stephan Hofmeister.

Hofmeister sah dies naturgemäß anders: "Der Gang dieser Menschen in ein Krankenhaus zeigt lediglich den Wandel der Inanspruchnahme bei Patienten." Viele gingen einfach los, ohne nachzudenken und seien keine wirklichen Notfälle. Noch immer würden zudem zwei Drittel der Notfälle ambulant versorgt – also die deutliche Mehrzahl. "Wir stellen sicher, und das zu einem moderaten Preis, auch wenn es immer Verbesserungsbedarf gibt", zeigte sich Hofmeister überzeugt. Grundsätzlich stehe außer Frage, dass es in Deutschland zu vielen Krankenhausbetten gebe. Dies zu ändern sei jedoch Aufgabe der Politik.

Am Gang ins Krankenhaus zeigt sich nach Ansicht von Reumann die Suche vieler Patienten nach Alternativen zu niedergelassenen Ärzten. Angebote der KVen wie vertragsärztliche Bereitschafts- oder Fahrdienste reichten offensichtlich nicht aus. Auch die Notrufnummer 116.117, über die Bürger Informationen zum ärztlichen Bereitschaftsdienst erhalten und über die sie gesteuert werden könnten, sei noch immer zu wenigen bekannt. Dabei gebe es diese Nummer bereits seit fünf Jahren, so Reumann. "Die Menschen heutzutage wollen rasche Entscheidungen ohne Sektorengrenzen", glaubt der DKG-Präsident. Auch sei ein stärkeres Denken in Netzwerken sinnvoll. Bei einem solchen Netzwerk-Denken, wandte allerdings KBV-Vize Hofmeister ein, müsse man beachten, wo die Substitution beginnt. "Der Patient hat am Ende noch immer einen Anspruch auf ärztliche Zuwendung."

Portalpraxen hält Reumann zur Lösung des Problemes der ambulanten Notfallversorgung zwar für sinnvoll, allerdings müssten diese richtig ausgestattet sein. "Ein HNO-Arzt wird Schwierigkeiten haben, einen Patient mit Schulterschmerzen zu behandeln." Daher machten Portalpraxen letztlich am meisten Sinn, wenn sie direkt an ein Krankenhaus angeschlossen seien. Die gezielte Einschätzung eines Notfalls gelinge schließlich am besten mit fachlichem Know-How, so Reumann.

Hofmeister sieht dies anders: Nicht an jedem Krankenhaus könnten Portalpraxen eingerichtet sein. Gerade in ländlichen Regionen sei dies schlicht unmöglich. Er sprach sich für an die jeweilige Region angepasste Modelle aus und verwies auf die anhaltenden Versuche der KBV, Ärzte für die Arbeit auf dem Land zu begeistern.

10 Millionen Patienten nutzen jährlich die ambulante Notfallversorgung an Kliniken.

Schlagworte:
Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Es gibt tierexperimentelle Studien, wonach Mikroplastik entzündungsverstärkend wirkt, wenn durch ein zusätzliches Agens die Tight junctions zwischen Darmzellen zerstört sind. Wenn also zu einer hohen Mikroplastik-Konzentration zusätzlich pathogene Faktoren hinzukommen, könnte dies entzündungsfördernd wirken, etwa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

© Rochu_2008 / stock.adobe.com

Forschung

Beeinflusst Mikroplastik chronische Erkrankungen?

Charlotte Kleen

© Babett Ehrt/ Lichtbildwerkstatt

Porträt

Wie Charlotte Kleen Medizin in ihrer ganzen Breite kennenlernt

Mädchen geht chemischen Experimenten in einem Klassenzimmer nach, die Haare stehen ihr zu Berge.

© Andrey Kiselev / stock.adobe.com

Inkretinmimetika

GLP-1: Wie aus dem kleinen Hormon ein Rockstar wird