Voodoo-Glaube erschwert Ärzten Arbeit in Togo

FRANKFURT/MAIN (Smi). Malaria, Aids, Unterernährung - elf Tage lang haben sechs deutsche Ärzte und eine Schweizer Kollegin im Auftrag der Hilfsorganisation humedica insgesamt 2200 Menschen in Togo behandelt. Dabei mussten sie sich auch mit Voodoo beschäftigen, wie der Internist Dr. Gunter Müller aus Ilmenau nach seiner Rückkehr berichtet.

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Togo ist neben Benin und Ghana die Wiege des Voodoo. "Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung glauben an Naturreligionen", so Müller, "viele praktizieren Voodoo." Das hat auch Implikationen für die medizinische Versorgung.

Denn dem Voodooglauben gemäß entsteht Krankheit aus einem Missverhältnis mit den eigenen Ahnen, wobei es nur den Voodoopriestern oder Zauberern möglich ist, die Ursache zu klären und ein Heilmittel zu verordnen. "Meistens müssen die Nachkommen bestraft werden, ins Voodookloster gehen, Gnade kennen die Ahnen nicht." Da mussten Müller und seine Kollegen einiges an Überzeugungsarbeit leisten.

Der Voodoopriester hat das Recht, Heilmittel zu verordnen.

Elf Tage reisten die deutschen Ärzte durchs Land, behandelten Patienten in einem Gefängnis der Hauptstadt Lomé, in einem Zentrum für Straßenkinder, in einem Krankenhaus in Afagnan und dessen Außenstationen auf dem Land. Am häufigsten mussten sie Menschen mit Malaria versorgen, wobei die mitgebrachten Medikamente nur für eine Woche reichten. Auch die Unterernährung vieler Kinder und die Immunschwäche Aids stellen in Togo große Probleme dar.

Helfen konnten die deutschen Ärzte aus Ilmenau, Seeg, Braunschweig, Kiel und Friedberg sowie ihre Schweizer Kollegin aus Wynigen vielen Patienten mit Wurmerkrankungen, Sichelzellanämie, Tuberkulose und Typhus. Unter anderen operierten sie Patienten mit Spontanperforation des Magens. Zwei unterernährte, schon völlig apathische vier Jahre alte Kinder sowie deren Mütter transportierten die Ärzte mit ihrem Auto in das Krankenhaus von Afagnan, wodurch sie ihnen das Leben retteten. Der Friedberger Zahnarzt Tobias Lutz musste zudem mehr als 400 Zähne ziehen.

Der Einsatz in Togo sei in jeder Hinsicht eine "echte Herausforderung" gewesen, so Gunter Müller. Es wird wohl nicht der letzte gewesen sein, die Partnerorganisation PiT Togohilfe hat bereits eine Einladung für einen weiteren Einsatz ausgesprochen. Müllers Fazit: "Arbeit, die ankommt und dringend benötigt wird, gibt es genug."

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