Arzneimittelpolitik

Pharmaverband warnt: US-Bestpreisklausel behindert Neueinführungen in Deutschland

Alarmismus oder realistisches Krisenszenario? Weil die neue US-Bestpreisgarantie auch auf europäische Arzneimittelpreise referenziert, könnten Neueinführungen hierzulande ins Stocken geraten.

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Bonn. Gefährdet die Meistbegünstigungsklausel, mit der die Trump-Administration die heimischen Arzneimittelpreise für Geringverdiener spürbar zu senken beabsichtigt, den Innovationsnachschub in der EU? Eben das befürchtet der mittelständisch geprägte Industrieverband Pharma Deutschland und warnt, der größte europäische Absatzmarkt könnte „bei der Einführung neuer Arzneimittel zurückfallen oder ganz leer ausgehen“.

Mit dem Launch der Online-Plattform TrumpRx.gov in der Vorwoche, würden hiesige Unternehmen mit starkem US-Geschäft unter massiven Druck gesetzt. Da auch die Bundesrepublik den Angaben zufolge „explizit als Referenzland“ für Preisvergleiche herhalten müsse, sei damit zu rechnen, „dass innovative Arzneimittel später oder gar nicht in Deutschland oder Europa vermarktet werden, um niedrige Preisreferenzen zu vermeiden und den US-Preis zu schützen“.

Die Website TrumpRx.gov listet Präparate auf, deren Preise aufgrund der amtlichen Nachlassforderungen ganz erheblich von den Herstellern gesenkt wurden. So ist etwa Mercks Fruchtbarkeitshormon Gonal-F® mit 252 Dollar pro Pen ausgezeichnet – 100 Dollar unter Kanada (an dieser Stelle als Referenzland benannt) und fast 1.200 Dollar unter dem bisherigen US-Preis.

Bundesregierung soll Antworten geben

Drastisch auch das prominente Produktbeispiel Wegovy® (Semaglutid): Hersteller Novo Nordisk hat den Preis für den Standardpen seines als „Abnehmspritze“ bekannten GLP1-Agonisten ausweislich TrumpRx.gov um 1.150 Dollar auf 199 Dollar in den ersten zwei Anwendungsmonaten gekappt; anschließend zahlen US-Bürger 349 Dollar.

Etliche weitere Produkte haben sich infolge der Bestpreisgarantie ähnlich stark verbilligt. Derzeit finden sich 43 Produkte auf der Website. Mit der Zeit sollen es mehr werden, „this is just the beginning“, heißt es. Vorschläge, wie darauf zu reagieren sei, macht der Bonner Pharmaverband, ehedem als BAH bekannt, nicht. Die erhofft sich Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann aus Berlin: „Die Entwicklungen in den USA und ihre Auswirkungen auf den Pharmastandort Deutschland brauchen richtungsweisende und ressortübergreifende Antworten der Bundesregierung beim laufenden Pharmadialog.“ (cw)

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