Innovationsfonds-Studie

Warum kommt die ASV nicht in die Gänge?

Eigentlich sollte die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) helfen, eine bessere, sektorenübergreifende Versorgung bei bestimmten Erkrankungen zu realisieren. Warum die ASV bis heute nur schleppend funktioniert, wird jetzt in einem Projekt untersucht.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 19.03.2020, 17:25 Uhr
Warum kommt die ASV nicht in die Gänge?

In der ASV werden Patienten sektorenübergreifend betreut. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© M.Dörr & M.Frommherz /Stock.adobe.com

Berlin. Von einem Erfolgsmodell kann bisher bei der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) keine Rede sein. Die Umsetzung verläuft bislang nur schleppend, viele Protagonisten sind enttäuscht. „Wir wollen die Gründe herausfinden, warum das so ist“, sagt Professor Robert Dengler vom Institut für Gesundheit & Soziales der FOM Hochschule für Oekonomie und Management in München.

Dengler ist der wissenschaftliche Leiter des Versorgungsforschungsprojektes GOAL-ASV, das steht für „Generelle, alle ASV-Indikationen übergreifende Evaluation und Weiterentwicklung der ASV-Richtlinie“. Das Projekt läuft vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember 2021 und wird mit 823.000 Euro aus dem Innovationsfonds gefördert. Konsortialpartner der FOM sind der Bundesverband spezialfachärztliche Versorgung, das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS sowie das Wissenschaftliche Institut der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen. Zudem gibt es zwölf Kooperationspartner aus Berufsverbänden und Selbsthilfegruppen, die das Projekt unterstützen, berichtet Dengler.

Bundesweit 360 ASV-Teams

Seit 2012 haben Ärzte in Praxis und Klinik die Möglichkeit, Patienten mit bestimmten komplexen oder seltenen Erkrankungen sektorübergreifend zu versorgen. Dazu bilden sie ASV-Teams. Die Einzelheiten regelt eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Zurzeit sind bundesweit rund 360 ASV-Teams aktiv.

„Ich halte die ASV weiterhin für innovativ“, sagt Dengler der „Ärzte Zeitung“. Sie schaffe erstmals einen einheitlichen Ordnungsrahmen für die ambulante und die stationäre Versorgung und eine Vergütung außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung. „Das fordern wir seit Jahren“, betont der Onkologe, der seit vielen Jahren im Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen ist. Er selbst hat die ASV von Anfang an begleitet, sie gehört zu seinen Forschungsschwerpunkten.

Was schreckt von der ASV ab?

Mit GOAL-ASV wollen die Wissenschaftler herausfinden, wo die Zugangshürden liegen, welche Faktoren die Umsetzung behindern und was potenzielle Teilnehmer abschreckt. „Wir wollen aber nicht nur den Ist-Zustand evaluieren, sondern auch Optimierungsmöglichkeiten und Chancen zur Weiterentwicklung aufzeigen“, erläutert Dengler.

Ich halte die ASV weiterhin für innovativ.

Professor Robert Dengler, Wissenschaftlicher Leiter des Forschungsprojektes GOAL-ASV

Vorstellbar seien etwa Vorschläge, wie sich das Anzeigeverfahren und die Bereinigung der Vergütung vereinfachen lassen. Auch die Auswirkungen der ASV auf die Patientenversorgung nimmt das Projekt in den Blick: Welchen Zusatznutzen hat sie im Vergleich zur Regelversorgung, und welche anderen oder zusätzlichen Leistungen werden in der ASV erbracht?

„Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Umsetzungspraxis der ASV-Richtlinie für alle Indikationen zu evaluieren“, sagt er. Das sind ausgewählte seltene Lebererkrankungen, gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle, gynäkologische Tumoren, Hämophilie, Hauttumoren, Marfan-Syndrom, Morbus Wilson, Mukoviszidose, pulmonale Hypertonie, rheumatologische Erkrankungen bei Erwachsenen, rheumatologische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, urologische Tumoren sowie Tuberkulose und atypische Mykobakteriose.

Auch Patientenperspektive wird einbezogen

In die Untersuchung soll die Perspektive von vier Gruppen einbezogen werden: Ärzte und Kliniken, die an der ASV teilnehmen, Ärzte und Kliniken, die das nicht tun, Kliniken mit einer Berechtigung nach Paragraf 116b alt zur ambulanten Behandlung im Krankenhaus sowie die Patienten. Es handelt sich um eine empirische multiperspektivische Mixed-Methods-Studie, erläutert der Projektleiter. Sie umfasst qualitative Interviews mit ASV-Teamleitern, quantitative Analysen durch die Befragung von Ärzten, Kliniken und Patienten, Expertenworkshops sowie die Auswertung von GKV-Routinedaten aus der deutschen pharmakoepidemiologischen Forschungsdatenbank GePaRD.

„Wir wollen die ASV gesamtumfänglich beurteilen“, sagt Dengler. Die Wissenschaftler werden Zwischenergebnisse aus dem Projekt publizieren, kündigt er an.

Ärzte, die sich für eine Teilnahme an dem Projekt interessieren, können sich unter robert.dengler@fom.de melden.

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