Berufspolitik

Was unverzichtbar in der GKV ist, soll Vorrang haben

Händeringend sucht die Koalition nach Reformkonzepten, um auch künftig innovative Therapien in der GKV finanzieren zu können. Das geht nur, wenn in der Versorgung zwischen unverzichtbaren und weniger wichtigen Leistungen unterschieden wird, fordert Professor Fritz Beske.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht: 25.03.2010, 05:00 Uhr
Was unverzichtbar in der GKV ist, soll Vorrang haben

Moderne Medizin soll auch in Zukunft in der GKV finanzierbar bleiben - doch die Mittel sind begrenzt. © Sutyagin / fotolia

© Sutyagin / fotolia

BERLIN. Die Mittel in der medizinischen Versorgung sind knapp. Allerdings würden reine Kostendämpfungsmaßnahmen nicht reichen, um auch in Zukunft eine gute medizinische Versorgung sicherzustellen. Das betonte Professor Fritz Beske vom Institut für Gesundheits-System-Forschung (IGSF) in Berlin.

Eine neue Studie des IGSF "Bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung bei begrenzten Mitteln" habe ergeben, dass nur die Priorisierung die Leistungen langfristig die Probleme in der gesetzlichen Krankenversicherung lösen könne. "Keine andere Maßnahme wird ausreichen, die künftigen Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen zu finanzieren", betonte Beske. Selbst die derzeit von der Politik geplanten Steuerzuschüsse würden in Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Politik müsse der Realität ins Auge sehen. "Die Diskussion um eine Priorisierung wird aber von der Regierung völlig ignoriert", so Beske.

In anderen Industrienationen wie Schweden oder Norwegen werde bereits seit Jahren nach Wegen gesucht, welche medizinischen Leistungen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels noch von der Solidargemeinschaft finanziert werden können. "Wir werden in Deutschland nicht umhinkommen, ähnliche Schritte zu gehen", prognostizierte Beske.

Die Bundesärztekammer (BÄK) sollte beauftragt werden, in Deutschland angemessene Wege zu finden. um einen Katalog mit vorrangigen Leistungen zu formulieren. "Ein universelles Leistungssystem ist nicht mehr zu verantworten", ergänzte Professor Christoph Fuchs, Hauptgeschäftsführer der BÄK.

Es sei sinnvoll zu überlegen, nach welchen Verfahren begrenzte Mittel Patienten zugeteilt werden könnten. "Es ist kein Problem, Versorgungsfelder nach Prioritäten zu ordnen", so Fuchs. Die BÄK habe vor zwei Jahren in ihrem "Ulmer Papier" die Diskussion um eine Priorisierung angeregt, erinnerte Fuchs. Auch Versicherte sehen die Zukunft der ambulanten Versorgung skeptisch, betonte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler.

Noch sei die Mehrheit zufrieden mit den Leistungen. Aber dieses "noch" sei das Problem. "Ärzte und andere Leistungserbringer spüren schon heute die Situation schmerzhaft", sagte Köhler. Sie würden durch Budgets und bürokratische Vorschriften geknebelt und könnten ihren Patienten nicht in jedem Fall eine leitliniengerechte Behandlung zukommen lassen. Die Studie vom IGSF sei daher ein Schritt in die richtige Richtung, so Köhler.

Die Studie ist in einer Kurzfassung abrufbar unter: www.igsf.de/html/pm98-100.HTM

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