Arzneiverordnungsreport

„Zeitbombe“ durch Kosten neuer Medikamente?

Die Veröffentlichung des Arzneiverordnungsreports führt in jedem Jahr zu gegenläufigen Interpretationen: Die Preispolitik für neue Medikamente steht abermals im Fokus.

Veröffentlicht: 24.09.2019, 12:55 Uhr
„Zeitbombe“ durch Kosten neuer Medikamente?

Die Preispolitik der Hersteller patentgeschützter Arzneimittel – eine finanzielle Zeitbombe?

© Mopic / Fotolia

BERLIN. Die Entwicklung der Arzneimittelausgaben im Vorjahr hat anlässlich der Veröffentlichung des Arzneiverordnungsreports (AVR) erwartungsgemäß unterschiedliche Interpretationen ausgelöst.

Die Ausgaben legten 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent oder 1,2 Milliarden Euro auf 41,2 Milliarden Euro zu, sagte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) am Dienstag in Berlin. Damit lag der Anstieg für Medikamente unter dem durchschnittlichen Ausgabenanstieg der GKV, der sich auf 3,9 Prozent belaufen hat.

Eine „Zeitbombe“ macht Klauber indes bei der Preispolitik der Hersteller patentgeschützter Arzneimittel aus. Auf patentgeschützte Präparate entfielen Ausgaben in Höhe von 19,8 Milliarden Euro, die für 6,4 Prozent der Arzneimittelpackungen aufgewendet wurden. Es zeige sich eine „immer stärkere Konzentration des Umsatzes auf kleine Verordnungsmengen und letztlich kleine Patientengruppen“, so Klauber.

Professor Ulrich Schwabe, Pharmakologe und einer der Herausgeber des AVR, verwies auf nach wie vor bestehende Einsparpotenziale in Höhe von 500 Millionen Euro bei umstrittenen Arzneimitteln, zum Beispiel Expektorantien, Antacida oder Homöopathika. Hier gelte, so Schwabe, dass die die Popularität der Homöopathie umso größer sei, „je verdünnter die Evidenz ist“.

Herstellerverbände erklärten anlässlich der AVR-Veröffentlichung, von ausufernden Arzneimittelausgaben zu Lasten der Solidargemeinschaft könne keine Rede sein, da die GKV-Ausgaben für Arzneimittel seit Jahren zwischen 16 und 17 Prozent lägen. (eb)

Lesen Sie dazu auch: Verordnungs-Report: Höhe der Ausgabenrisiken ist umstritten

Mehr zum Thema

Arzneimittelversorgung

Corona-Sorge trieb Verordnungsrate hoch

Pharmastandort Deutschland

Biotech wünscht sich „ATMP-welcome-Kultur“

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Geplante Diabetes-Strategie fällt bei Ärzten durch

Kritik

Geplante Diabetes-Strategie fällt bei Ärzten durch

Neue Hydroxychloroquin-Studie in Großbritannien

COVID-19-Prävention

Neue Hydroxychloroquin-Studie in Großbritannien

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden