Geld und Vermögen

Arzt kritisiert Referentenhonorare in Westfalen-Lippe

Die Honorare an der Fortbildungsakademie richten sich nach der Entschädigung für Ehrenamtliche - ein Arzt ärgert sich über das niedrige Honorar.

Veröffentlicht: 11.04.2011, 14:48 Uhr
Bei wenig Geld ist Ärger vorprogrammiert: Ein Arzt aus Mönchengladbach erwartet von der Fortbildungsakademie höhere Honorare.

Bei wenig Geld ist Ärger vorprogrammiert: Ein Arzt aus Mönchengladbach erwartet von der Fortbildungsakademie höhere Honorare.

© Comugnero Silvana / fotolia.com

KÖLN (iss). In Zeiten, in denen Ärzte um eine angemessene Vergütung kämpfen, kann es nicht sein, dass sie von ihren eigenen Standesorganisationen mit viel zu niedrigen Honoraren abgespeist werden.

Das vertritt der Mönchengladbacher Gastroenterologe Dr. Arno Theilmeier. Er ärgert sich über die von den ärztlichen Fortbildungsakademien gezahlten Referentenhonorare.

Theilmeier hat für einen Vortrag über die Vorsorge-Koloskopie bei der Akademie der Ärztekammer Westfalen-Lippe ein Honorar von 127,83 Euro erhalten. "Das steht in keinem Verhältnis zu dem damit verbundenen Aufwand", sagt er der "Ärzte Zeitung".

Auf seine Rückfrage habe man ihm erklärt, dass die Akademie als Körperschaft öffentlichen Rechts keine Gewinne machen dürfe und die Gehälter der Mitarbeiter nur mit den Teilnehmergebühren von Veranstaltungen bestreite.

Er sehe sich nicht dafür zuständig, über deutlich zu niedrige Honorare die Akademie für ärztliche Fortbildung und deren Veranstaltungen indirekt zu finanzieren, hat Theilmeier dem Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) Dr. Theodor Windhorst geschrieben.

Die von der Akademie gezahlten Honorare richteten sich nach der Entschädigungsordnung für die Ehrenamtler in Westfalen-Lippe, sagt ÄKWL-Sprecher Volker Heiliger.

"Es geht schließlich um das Engagement von Kollegen für Kollegen." Die ÄKWL und die Akademie sähen deshalb keine Veranlassung, die Vergütung für Referenten zu verändern.

Wenn es nur um Ruhm um Ehre gehe, wäre es ehrlicher, gar keine Honorare zu bezahlen und das auch von Anfang an klar zu machen, meint Theilmeier. "Auf Dauer bekommt man so aber keine guten Referenten", erwartet er.

Die Akademie in Westfalen-Lippe sei mit ihrem Vorgehen kein Einzelfall. Auch die Akademie in Nordrhein zahle sehr schlecht, sagt der Gastroenterologe - selbst Mitglied der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo).

Seiner Meinung nach sind die Akademien personell überbesetzt. "Man kann nicht über billige Referenten einen Wasserkopf finanzieren."

Als Mitglied der Kammerversammlung könne Theilmeier die Verhältnisse in der Akademie vom Finanzausschuss der Ärztekammer Nordrhein prüfen lassen, sagt der Geschäftsführende Arzt der ÄKNo Dr. Robert Schäfer. Er kritisiert die "unsubstantiierten Behauptungen" des Arztes.

Es liege im Interesse der Kammermitglieder, dass die Kosten der Akademie möglichst niedrig gehalten werden, betont Schäfer. Das sei aber nicht möglich, wenn die Einrichtungen die auf dem freien Markt üblichen Preise zahlen würden.

"Es war bisher ein weitgehend unbestrittener Grundsatz, dass Ärzte, die der Körperschaft ihre Dienste zur Verfügung stellen, das nicht aus Gewinnstreben tun", sagt Schäfer.

Mehr zum Thema

Geldanlage

Anlagetipp für Ärzte: Per Sparplan hohe Renditen

Platow-Empfehlung

Hochtief ist wieder interessant

Schlagworte
Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Peter Mank

Honorare im Auftrag einer Körperschaft des öffenlichenrechtes in ehrenamtlicher Tätigkeit

Die entscheidente Frage ist, bin ich weitgehend für eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ehrenamtlich tätig, oder stelle ich mein(e) Tätigkeit/Wissen den freien marktwirtschaftlichen Unternehmen/Interessen zur Verfügung.

Sollte ich mich für die erste Variante entscheiden können die Gesetze des freien Marktes nicht gelten. Dies sollte ich akzeptieren. In der Regel ist man ja in der dankenswerten Positon, dass unter den beiden Alternativen eine Entscheidung getroffen werden kann.
Ich bin froh, dass nicht alles unter "rein marktwirtschaftlichen" ausgerichteten und angelegten Gesichtspunkten gesehen werden muss. Jedem bleibt ja die Wahlfreiheit erhalten, oder es lässt es.

Peter Mank
Beschwerdeausschuss Vorsitzender
der KV und der Krankenkassen
in Rheinland-Pfalz




Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Wider den Lockdown: Ein Pflegeheimbewohner und eine Angehörige unterhalten sich durch eine Fensterscheibe (Achivaufnahme vom Mai 2020). Fachleute schlagen ein Konzept spezifischer Prävention vor.

Neue Präventionsideen

Fachleute schlagen Corona-Testungen per Fahrdienst vor

Berichten von durchgehend positiven Erfahrungen nach der Niederlassung als Allgemeinmediziner: Dr. Laura Dalhaus und Dr. Tobias Samusch.

Zwei Ärzte berichten

Erfüllender Quereinstieg in die Allgemeinmedizin