Insolvenzverwalter

Berliner Atriomed warf nie Gewinne ab

BERLIN (ami). Das inzwischen insolvente Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin hat zu keiner Zeit Gewinne erwirtschaftet. Das geht aus dem Insolvenzplan hervor, der der "Ärzte Zeitung" vorliegt.

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"Vor allem aufgrund des hohen Personalaufwands zeigt sich deutlich, dass die Umsatzerlöse weit hinter den Fixkosten zurückbleiben", heißt es darin.

Als erste Ursache für die Insolvenz wird in dem Plan die Beendigung des Kooperationsvertrags mit der Techniker Krankenkasse genannt. Das MVZ am Rosa-Luxemburg-Platz war eines von bundesweit neun Atriomed-Zentren, in denen die TK ihren Versicherten besonderen Service bieten wollte. Die TK kündigte den Kooperationsvertrag teilweise zum Dezember 2009.

Diese Teilkündigung erfolgte "im Zuge des Zulassungsentzuges" gegen das MVZ am Rosa-Luxemburg-Platz, den die KV Berlin 2009 ausgesprochen hat. Bis zur Entziehung gab es laut Insolvenzplan zwölf Facharztsitze. Davon seien 6,25 unbesetzt gewesen.

Umsatz auf 150.000 Euro abgesackt

Durch die Kündigung des Kooperationsvertrages sei eine wesentliche Säule der Geschäftsplanung der HCM-Gruppe (Health Care Managers) entfallen, heißt es in dem Insolvenzplan weiter. "Infolgedessen waren die Patientenzahlen und einhergehend die Umsätze rückläufig. Hinzu kamen Kündigungen von Ärzten, was in dem Bemühen, den Geschäftsbetrieb zu restrukturieren, zu weiteren Umsatzrückgängen führte", so der Insolvenzverwalter.

Die Umsatzerlöse rutschten von knapp zwei Millionen Euro im Jahr 2009 auf 150.000 Euro im Jahr 2010 ab.

Am 31. Dezember 2011 ergab sich laut Analyse des Insolvenzverwalters ein Minus von 1,442 Millionen Euro. Mit E-Mail vom 18. Januar 2012 habe die DKB-Bank alle Kredite fällig gestellt, wodurch der Insolvenzantrag unausweichlich geworden sei.

Vorangegangen waren offenbar einige vergebliche Versuche, das Berliner MVZ oder andere ehemalige Atriomed-Zentren zu verkaufen.

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Kommentare
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Dr. Hans-Peter Stotz

Konkurrenz mit Kliniklöhnen

Angesichts der aktuellen Honorardiskussion im Bereich der niedergelassenen Ärzte finde ich den Hinweis auf die hohen Personalkosten und die Fluktuation der Ärzte interessant. Ein MVZ in der Größe und Organisationsform wie Atriomed konkurriert mit den Gehaltsverträgen, Urlaubsansprüchen, Lohnfortzahlung bei Krankheit, etc., der Kliniken. Wenn die Bedingungen schlechter werden, wandern die Ärzte (und sicherlich auch das übrige Fachpersonal) einfach ab. Für die Patienten eines dieser Groß-MVZ ist dies nicht unproblematisch, da diese nicht mehr über Jahre den gleichen Hausarzt oder bei chronischen Erkrankungen den gleichen Facharzt haben.
Vielleicht zeigt dies auch, dass die Entlohnung der niedergelassenen Ärzte zu niedrig ist, insbesondere wenn man die Sozialleistungen bei Krankheit, Zuschüsse zu Krankenkasse und Altersversorgung, unternehmerisches Risiko berücksichtigt. Vielleicht funktionieren die Praxen der niedergelassenen Ärzte nur, weil diese sich selbst ausbeuten?


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