Unternehmen

Bionorica bleibt auf Expansionskurs

Mit evidenzbasierter Naturmedizin bleibt der Phytotherapeutika-Hersteller Bionorica weiter auf Wachstumskurs. Der Verkauf der jungen Cannabissparte wurde umsatzseitig bereits fast kompensiert.

Von Hauke GerlofHauke Gerlof Veröffentlicht:
Bionorica-Inhaber Professor Michael Popp ist mit der Geschäftsentwicklung zufrieden.

Bionorica-Inhaber Professor Michael Popp ist mit der Geschäftsentwicklung zufrieden.

© Jan Voth, Bionorica

Düsseldorf. Beim Phytotherapeutika-Hersteller Bionorica stehen die Zeichen auch nach dem Verkauf der Cannabis-Sparte auf Expansion. In einem teilweise schrumpfenden Phytomarkt konnte das weggefallene Geschäft mit Dronabinol (2018: 27,2 Millionen Euro) bereits fast nahezu wieder ausgeglichen werden.

Im Kerngeschäft ist Bionorica gegen den Trend deutlich gewachsen. „Was uns immer wieder hilft, ist unsere forschungsbasierte Kommunikation“, so Bionorica-Chef und -Inhaber Professor Michael Popp bei der Bilanzpressekonferenz am Freitag in Düsseldorf.

Der Gesamtumsatz nahm 2019 um 7,3 Prozent auf 333,5 Millionen Euro zu. Im Ausland wuchs Bionorica sogar um 10,8 Prozent auf 206 Millionen Euro. Auch durch den Verkauf des Cannabis-Geschäfts an Canopy Growth stieg die Eigenkapitalquote von 74,7 auf 83,8 Prozent. Gewinnzahlen legt das Familienunternehmen traditionell nicht vor.

Die hohe Eigenkapitalquote gebe dem Unternehmen Spielraum für hohe Investitionen – in neue Gebäude sowie in den Eintritt in neue Märkte. Insgesamt 48,4 Millionen Euro will Bionorica in diesem Jahr investieren, nach 38,4 Millionen Euro (plus 4,9 Prozent im Vorjahresvergleich) im vergangenen Jahr.

Forschung zu Glukosetoleranz und Metabolisches Syndrom

So entsteht gerade in Neumarkt ein neues Verwaltungsgebäude für 200 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigt Bionorica mehr als 1800 Mitarbeiter (plus 3,4 Prozent), davon gut die Hälfte in Deutschland. In Deutschland war die Mitarbeiterzahl zuletzt leicht rückläufig.

Auch in der Forschung gibt Bionorica laut Popp aktuell Gas: So habe man „echte Kandidaten in der Pipeline“, um mit pflanzlichen Wirkstoffen auf die Glukosetoleranz einzuwirken. Auch Präparate für ganz neue Indikationen wie das metabolische Syndrom und für Lebererkrankungen seien stehen auf der Agenda. „Für diese Vorhaben tut uns das Finanzpolster gut“, sagte Popp in Düsseldorf.

Zugewinn in allen Märkten

In allen Märkten hat Bionorica laut Popp und Dr. Uwe Baumann, Vorstand Global Business, Marktanteile gewonnen. In Deutschland sei Bionorica das dynamischste und am schnellsten wachsende Unternehmen unter den Top 10 der OTC-Anbieter. „Jede sechste Packung mit Phytotherapeutika kommt von Bionorica“, erläuterte Popp.

In einem um 2,6 Prozent geschrumpften Phytomarkt sei Bionorica um 2,6 Prozent gewachsen. Hauptprodukte in Deutschland sind Sinupret®extract, Bronchipret®, Imupret® und Canephron®. Erstmals sei Bionorica auch nach Umsatz Marktführer im bundesweiten Phytomarkt.

An Dronabinol wird weiter geforscht

Auch nach dem Verkauf des Cannabis-Geschäfts bleibe Bionorica der Forschung mit Dronabinol verbunden – nun im Auftrag von Canopy Growth, berichtete Popp. Es gebe Studien zur Zulassung des Extrakts als Fertigarzneimittel. „Das läuft auch gut“, so Popp. Bei der Erforschung von Cannabidiol will Bionorica den Angaben zufolge ebenfalls am Ball bleiben.

Das nationale und internationale Wachstum im Kerngeschäft mit Phytotherapeutika sehen Popp und Baumann vor allem durch die eigene Forschung getriggert. So habe eine international publizierte klinische Studie zu Canephron® bei unkomplizierten Harnwegsinfekten gezeigt, dass die Naturarznei einem Antibiotikum nicht unterlegen ist. „Wir leisten mit evidenzbasierten pflanzlichen Arzneimitteln einen Beitrag gegen Antibiotika-Resistenzen“, so Popp.

Demnächst auch in Frankreich und Spanien

International will man weiter stark wachsen, auch durch den Eintritt in neue Märkte. In Russland stehe das eigene Werk in Woronesch kurz vor der Eröffnung.

Begonnen sei bereits der Markteintritt in der Türkei, schon bald sollen Spanien und Frankreich folgen. In beiden Märkten war es lange das Problem gewesen, dass Phytotherapeutika generell nicht als Arzneimittel anerkannt worden waren, das habe sich nun geändert. Allein in der Türkei hofft Baumann auf lange Sicht auf Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe.

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