Börse

Dividende sagt nichts über Qualität eines Unternehmens

Mit der Verlängerung der Nullzinsphase durch die Europäische Zentralbank geraten Aktien mit hoher Dividendenrendite noch stärker in den Anleger-Fokus. Doch hohe Ausschüttungen sind noch lange kein Garant für eine gute Performance.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Sinkender Kurs plus stabile Gewinnausschüttung ergibt immer eine hohe Dividendenrendite.

Sinkender Kurs plus stabile Gewinnausschüttung ergibt immer eine hohe Dividendenrendite.

© Bertold Werkmann / Fotolia

NEU-ISENBURG. Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins noch lange bei Null Prozent. Wegen der schwachen Konjunkturentwicklung würden die „Leitzinsen mindestens über das Ende 2019 hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben“, verkündete unlängst EZB-Präsident Mario Draghi.

Für Anleger bleiben damit Aktien mit hoher Dividendenrendite weiterhin besonders attraktiv. Denn Sparbücher, Tages- und Festgeldanlagen werden noch längere Zeit kaum Rendite abwerfen.

Mit der Absage der erhofften Zinswende erfährt aber auch ein 28 Jahre altes Investmenttheorem ein Revival, das zwischenzeitlich längst als widerlegt galt: Die Anlagestrategie der „Dogs of the Dow“, zu deutsch: Die Hunde des US-Leitindex‘ Dow Jones.

„Als Hunde werden im Englischen umgangssprachlich minderwertige Sachen bezeichnet“, erläutert Markus Richert, Finanzplaner bei Portfolio Concept Vermögensmanagement in Köln. „Bei dieser Investmentstrategie setzen Anleger im Prinzip auf die Verlierer-Aktien der Vergangenheit.“

Klappt nicht immer

Das sind jene Papiere, deren Kurse im vergangenen zwölf Monatszeitraum am stärksten gefallen sind. Dem Theorem zufolge sollen sie in den kommenden zwölf Monaten deshalb besonders stark steigen.

Um mit ihrem Kapital überdurchschnittliche Erträge zu erwirtschaften, müssten Anleger in diesem April also nur in jene fünf Aktien aus dem deutschen Leitindex Dax oder dem Dow Jones investieren, deren Kurse seit Mai 2018 am stärksten gefallen sind.

Was diese Strategie in der gegenwärtigen Tiefzinsphase scheinbar besonders attraktiv macht: Die Aktien mit den höchsten Kurseinbußen weisen in der Regel auch eine besonders hohe Dividendenrendite auf.

Zwar kann diese Strategie an jedem beliebigen Tag des Jahres implementiert werden. Eine Prüfung des Theorems lässt sich jedoch am leichtesten vornehmen, wenn die Performance der Hunde-Aktien in einzelnen Börsenjahren mit dem Index verglichen wird. Dabei zeigt sich, dass Anleger nur in manchen Jahren mit dieser Strategie gut gefahren wären. „Es gab auch immer wieder Phasen, in denen diese Methode nicht aufging“, warnt Richert.

So hatten die „Dog of the Dow“-Aktien 2002 zwar um 6,1 Prozent besser abgeschnitten als der US-Leitindex; 2003 hingegen lag die Performance der Hunde-Aktien aus Dividendenzahlungen und Kursentwicklung 0,4 Prozent hinter dem Index, 2004 betrug ihr Minus 0,9 Prozent und 2005 betrug der Rückstand auf den Dow Jones sogar 6,8 Prozent.

Beispiel BMW und Daimler

Dass die vermeintlich leichten Anlagestrategien nicht immer aufgehen, liegt in diesem Fall daran, dass Aktien häufig eben nur deshalb eine hohe Dividendenrendite aufweisen, weil ihr Kurs zuvor aus gutem Grund stark gefallen ist.

Ein aktuelles Beispiel dafür liefern deutsche Autowerte wie BMW und Daimler, deren Börsennotierungen in den vergangenen zwölf Monaten um je rund 20 Prozent gesunken sind.

„Die deutlichen Kursverluste sind dem Abgasskandal, den Handelsstreitigkeiten und den Versäumnissen bei der Entwicklung elektrisch angetriebener und autonom fahrender Modelle geschuldet“, weiß Ralph Rickassel, Stratege bei der Düsseldorfer PMP Vermögensmanagement.

Je tiefer die Aktienkurse der Autobauer sanken, desto höher fiel auf dem Papier zunächst deren Dividendenrendite aus. Denn der Wert ergibt sich aus der Dividendenzahlung des vergangenen Jahres geteilt durch ein Hundertstel des aktuellen Aktienkurses.

Der Traum von der scheinbar hohen Dividendenrendite endete jedoch, als beide Gesellschaften dieses Frühjahr verkündeten, ihre Dividende wegen deutlicher Gewinneinbrüche zu kürzen. BMW-Aktionäre erhalten pro Aktie für das Geschäftsjahr 2018 nur noch 3,50 Euro, nach vier Euro im Vorjahr. Daimler zahlt statt zuvor 3,65 Euro nur noch 3,25 Euro je Aktie.

„Eine hohe Dividendenrendite ist kein Garant für die Qualität einer Aktie“, so Rickassel.

Anleger, die in Aktien von Unternehmen investieren wollen, die langfristig attraktive Dividenden ausschütten, sollten deshalb auf aktiv gemanagte Dividendenfonds setzen, rät der Stratege. Deren Fondsmanager analysieren fortwährend die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen und können so frühzeitig potenzielle Risiken erkennen.

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