Kapitalanlage

Dunkle Wolken am Börsenhimmel

Sorgen um die Folgen der aggressiven US-Handelspolitik und die weiterhin unsicheren Modalitäten für den Austritt Großbritanniens aus der EU lasten auf den Aktienmärkten. Einige Experten warnen deshalb gar vor einem Crash. Andere rechnen schon bald mit neuen Kursanstiegen.

Von Richard Haimann Veröffentlicht:
Kommt nach der langen Hausse jetzt der tiefe Fall? Börsenexperten sind durchaus geteilter Meinung: Die einen raten zu nüchterner Analyse, die anderen liebäugeln schon mit der Krisenwährung Gold. imageteam / stock.adobe.com

Kommt nach der langen Hausse jetzt der tiefe Fall? Börsenexperten sind durchaus geteilter Meinung: Die einen raten zu nüchterner Analyse, die anderen liebäugeln schon mit der Krisenwährung Gold. imageteam / stock.adobe.com

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NEU-ISENBURG. 2018 war bislang kein gutes Aktienjahr. Der deutsche Leitindex Dax hat seit Ende Januar 16 Prozent verloren, der Eurostoxx 50, das Börsenbarometer der 50 größten europäischen Konzerne, fiel in dieser Zeit um 14 Prozent.

Und nach der jüngsten Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 200 Volkswirten, Fondsmanagern und Analysten könnten die bisherigen Verluste an den Aktienmärkten erst der Beginn einer länger anhaltenden Talfahrt an den Börsen sein.

Denn die Mehrheit der befragten Finanzexperten blickt pessimistisch in die Zukunft, wie der ZEW-Indikator mit einem negativen Saldo von minus 24,1 Zählern zeigt.

„Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone notieren auf dem schwächsten Niveau seit Sommer 2012“, sagt Jens Kramer, Analyst der Norddeutschen Landesbank.

Das sei nicht überraschend angesichts des ungewissen Ausgangs der Brexit-Verhandlungen sowie der aggressiven protektionistischen Politik des US-Präsident Donald Trump.

„Wer mag schon optimistisch in die Zukunft blicken, wenn der Himmel voller Damoklesschwerter hängt?“ fragt Kramer.

US-Konsumenten hoch verschuldet

Der Auslöser für einen rapiden Absturz der Börsen könnte aus den USA kommen, warnt Rolf Ehlhardt, Anlageexperte bei der Mannheimer Vermögensverwaltung ICM Independent Capital Management. „Die Kreditkarten-, Auto- und Immobilienfinanzierungen in den Vereinigten Staaten erreichen neue Rekordhochs.“

Da das Wachstum der dortigen Wirtschaft zu 70 Prozent vom Binnenkonsum abhänge, könne die US-Konjunktur schnell auf Talfahrt gehen, sobald sich die Verbraucher wegen ihrer starken Verschuldung mit dem Kauf weiterer Güter einschränken müssen. Dies könnte „die Welt in die nächste Finanzkrise stürzen“, sagt Ehlhardt.

Allerdings sollten Anleger aus Angst vor einem Crash jetzt nicht alle Aktien verkaufen, sagt Gottfried Urban, Vorstand der Bayerischen Vermögen in München. Denn die größten Verluste dürfte der Dax durch die seit nunmehr acht Monaten währenden Kursrückgänge bereits hinter sich haben.

„Ausgehend von historischen Mustern sollte der Dax bei einem Einbruch nicht mehr als ein Fünftel seines letzten Höchststands verlieren“, sagt Urban. „Das würde einem Kursniveau von leicht unter 11.000 Punkten entsprechen.“ Vergangene Woche notierte der Index nur noch knapp über dieser Marke. Damit sei das Verlustpotenzial begrenzt.

Anleger sollten sich nicht von Schwankungen an den Börsen irritieren lassen, sagt Urban und verweist auf das Beispiel des US-Investors Warren Buffett.

„Der erfolgreichste Anleger des 20. Jahrhunderts verkauft Aktien in großem Stil nicht wegen einer eingetrübten Konjunktur oder politischer Unsicherheiten, sondern stellt die Investmententscheidung alleine auf die Unternehmen und deren Perspektiven ab.“

Auch dem Ausgang der Brexit-Verhandlungen sollten private Investoren nicht allzuviel Gewicht beimessen, rät Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Kölner Vermögensberatung Fundamental Capital. „Zwar sind die Briten wichtige Abnehmer von Gütern vom europäischen Festland.“ Die Nachfrage von der Insel sei aber nicht entscheidend für die Wirtschaft im Rest Europas.

Dividenden fließen

„Die Briten werden weiterhin Autos vom Festland kaufen, französischen Käse importieren und italienischen Wein“, sagt Zimmer.

Gegen einen Panikverkauf von Aktien spricht auch, dass sich mit den Papieren weiterhin Geld verdienen lässt, weil die Unternehmen Dividenden ausschütten. Anleger, die sich gegen weitere Einbrüche an den Börsen absichern wollen, könnten jedoch einen Teil ihrer Barreserven in Gold investieren.

„Der Aktienmarkt und Gold sind beinahe Gegenspieler“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie.

Der Preis des Edelmetalls steige häufig, wenn es an den Börsen abwärts geht. Dass es in nächster Zeit zu einem Crash kommt, glaubt Albrech selbst nicht: „Die Aktienmärkte dürften sich über den Winter erholen“.

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