Anlagen-Kolumne

Hellas-Krise: Finanz-Odyssee unbekannter Dimension

Griechenland hält Europa - und hier vor allem Deutschland - mit einem fatalen Schuldenmanagement in Atem. Die deutsche Börse könnte aber von der Krise profitieren.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht: 03.05.2010, 05:00 Uhr

Griechenland - einst Wiege der Demokratie und heute Wiege des gesamtdeutschen Steuerzahlerzorns - macht für viele im Kleinen deutlich, was sich weltweit zum Problem aufgebaut hat: Die Verschuldung ist überall zu hoch und wenn man das Problem durch eine nachhaltige Rückführung der Schulden anginge, würde dies in einer Konjunkturkrise bisher nie gekannten Ausmaßes enden.

An dieser Stelle wurde in der Vergangenheit wiederholt davor gewarnt, dass die Südländer Europas auf eine Finanzkrise zusteuern. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die einflussreichen Rating-Agenturen nun - endlich - auch ihre bisher viel zu positiven Einschätzungen zu den öffentlichen Finanzen in den südeuropäischen Ländern Spanien und Portugal verwerfen. Man muss sich vor Augen führen, dass Spanien bis vor wenigen Tagen noch Höchstnoten von Rating-Agenturen genoss.

Was den angesprochenen Volkswirtschaften fehlt, ist die Möglichkeit einer Währungsabwertung insbesondere auch gegenüber den anderen europäischen Volkswirtschaften. Auf diese Weise könnte man einerseits die Exportwirtschaft beleben, zum zweiten die Schulden gegenüber dem Ausland entwerten.

Diese Flexibilität hat man allerdings mit der Einführung des Euro geopfert. Der Euro wird zwar durch die Südländer unter Druck geraten, wobei allerdings vor allem deutsche Export orientierte Unternehmen profitieren werden, die auch außerhalb der Euro-Währungszone mit ihren Produkten präsent sind. Hierunter zählen vor allem Vertreter der Automobilindustrie oder auch des Maschinenbaus.

Griechenland, Spanien und Portugal hingegen verfügen nicht im entferntesten über eine ausreichend große Bandbreite und Anzahl von Produkten, um sich im Wettbewerb in anderen Währungsräumen durchzusetzen.

Die deutsche Börse sollte damit im relativen Vergleich zunächst überdurchschnittlich abschneiden. Nach und nach dürften sich dann allerdings die oft vergessenen Nachteile einer Währungs-Abwertung durchsetzen. Zum einen gilt es zu bedenken, dass die Exportwirtschaft zwar Profiteur einer Abwertung ist, die Binnenwirtschaft allerdings unter währungsbedingt tendenziell höheren Import- und insbesondere Rohstoffpreisen leiden wird.

Zudem ist absehbar, dass die Bundesrepublik Deutschland einen großen Teil der Schuldenprobleme der Südländer übernehmen wird, mit auch hierzulande entsprechend negativen Auswirkungen auf die ohnehin desolaten Staatsfinanzen.

Zur Person: Dr. Jens Ehrhardt  Der unabhängige Fondsmanager erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

Mehr zum Thema
Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Parkhausdeck flugs zur Corona-Praxis umfunktioniert

Kreativität in Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie

Parkhausdeck flugs zur Corona-Praxis umfunktioniert

Was wir jetzt zu COVID-19 erforschen müssen

„CoronaUpdate“-Podcast

Was wir jetzt zu COVID-19 erforschen müssen

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden