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In der Praxis ohne Grenzen gibt es Medizin kostenfrei

Keine Praxisgebühr, keine Versichertenkarte: Dr. Uwe Denker will von Januar an in seiner Praxis ohne Grenzen Bedürftige unentgeltlich behandeln.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Dr. Uwe Denker plant eine Praxis für Mittellose.

Dr. Uwe Denker plant eine Praxis für Mittellose.

© Foto: di

BAD SEGEBERG. Freitagmittags in Bad Segeberg: Am Busbahnhof wartet eine lange Schlange von Menschen geduldig, bis sie an der Reihe sind. Sie warten auf keinen Bus und stehen nicht für Fahrkarten an, sondern für kostenlose Lebensmittel.

Die Segeberger Tafel, mit rund 700 Mitgliedern die größte Organisation dieser Art in ganz Deutschland, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Menschen zu verköstigen. Die Lebensmittel stammen aus Spenden.

Zu den Unterstützern der Organisation zählt auch der frühere Hausarzt Dr. Uwe Denker, der sich zugleich im Segeberger Gesundheitsforum engagiert. Dort entstand die Idee, eine Praxis ohne Grenzen für mittellose Menschen einzurichten. Die Tafel hat nicht nur die große Zahl von bedürftigen Menschen in der Kreisstadt deutlich gemacht, sondern wird künftig neben den Lebensmitteln für das Mittagessen auch Medikamente für die Praxis ohne Grenze als Spenden einwerben.

Für das Projekt hat Dr. Uwe Denker seine Arzttasche wieder hervorgeholt. Vor drei Jahren gab der 71-jährige seine Praxis ab. Zunächst einmal pro Woche wird er eine Sprechstunde in einem Gebäude der Arbeiterwohlfahrt abhalten. Die Organisation stellt dort kostenlos einen Raum zur Verfügung.

Wenn sich zeigt, dass der Andrang mit dieser einen wöchentlichen Sprechstunde nicht zu bewältigen ist, stehen mehr Ärzte aus dem Ort bereit, um ihn zu unterstützen. Denker selbst ist überzeugt, dass immer mehr Menschen den Weg in die Praxis scheuen, weil sie die Praxisgebühr nicht zahlen können oder wollen. Diesen Menschen will er helfen, ohne von den Patienten einen Nachweis über ihre Mittellosigkeit zu verlangen.

"Keiner muss ein Armutszeugnis ablegen", stellt Denker klar. Die Patienten müssten aber schon glaubhaft darlegen, weshalb sie sich den Besuch in der Arztpraxis nicht leisten können. Denker nimmt dabei in Kauf, dass es auch Trittbrettfahrer geben wird. Dies hindert ihn aber nicht daran, das Angebot für die Not leidenden Menschen zu etablieren.

Um in der Praxis ohne Grenzen nicht nur auf seine Arzttasche angewiesen zu sein, benötigt Denker noch verschiedene Geräte. Ihm fehlen etwa eine Untersuchungsstandleuchte, ein Audiometer, ein Reflotron, ein Lungenfunktionsmessgerät, ein Ohrspülgerät. Aber auch elektrische Schreibmaschine, Zentrifuge, Sehprobentafel, Instrumentenschale, chirurgische Instrumente, Kühlschrank, Pult, Verbandmaterial, Einmalhandschuhe und viele andere alltägliche Dinge aus einer hausärztlichen Praxis werden noch benötigt. Denker hofft, dass viel Material als Spende den Weg in die Praxis ohne Grenzen findet. Mitte Januar will er die Praxis eröffnen. Viele Menschen, die für Lebensmittel der Tafel anstehen, wird er dann vermutlich wieder treffen.

Info für Sachspenden: Telefon 04551/83677. Geldspenden: Sparkasse Südholstein (BLZ 230 510 30), Kontonr. 90190 (Stichwort "Praxis ohne Grenzen")

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