Anlage-Tipp

Nicht nur auf Hightech-Aktien setzen

Technologieaktien glänzen häufig mit starken Kursgewinnen. Doch ebenso schnell können die Notierungen wieder in den Keller rauschen. Experten raten deshalb, auch andere Werte mit ins Portfolio zu nehmen.

Von Richard Haimann Veröffentlicht: 28.06.2020, 10:45 Uhr
Nicht nur auf Hightech-Aktien setzen

Alles auf neue IT-Werte? Davon raten Analysten derzeit ab.

© dpa

Neu-Isenburg. Die Aktien von Hightech-Unternehmen zählten in den vergangenen Jahren zu den Papieren, mit denen sich sehr hohe Kursgewinne einfahren ließen. Doch allein auf solche Werte sollten Anleger nicht setzen, wie jüngste Entwicklungen an den Börsen zeigen.

„Technologiewerte sind sehr teuer“, sagt Wolfgang Juds, geschäftsführender Gesellschafter der Nürnberger Credo Vermögensmanagement. „Investoren sollten sich fragen, ob diese Titel es auf lange Sicht wert sind, so viel für sie zu bezahlen.“

Nokia und Apple als Beispiele

Dass Hightech-Aktien nicht nur kräftig steigen, sondern auch stark fallen können, hat sich in der Vergangenheit wiederholt gezeigt. Nokia dominierte einst den Handy-Markt. Doch als die Smartphones aufkamen, konnte der finnische Konzern nicht mehr mithalten. Die Aktie, die einst 63 Euro kostete, notiert heute unter vier Euro – ein Verlust von 93 Prozent.

Das Papier von Apple verbuchte zeitweise Kurseinbrüche von mehr als 50 Prozent, weil die Macintosh-Computer des US-Herstellers immer weniger Kunden fanden. Dann bescherte das iPhone, das erste Smartphone, dem Konzern einen Verkaufsschlager und ließ den Aktienkurs in den vergangenen zehn Jahren um rund 800 Prozent steigen.

Zwar produziert das Unternehmen weiterhin Computer und bietet Musik- und Speicher-Dienstleistungen über das Internet an. Das Wohl und Wehe Apples hängt jedoch nun an jeder neuen Generation des iPhones.

Facebook schlägt rauer Wind entgegen

Zuletzt ist die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard wegen eines Bilanzskandals binnen Tagen um mehr als 70 Prozent in die Tiefe gerauscht. Das Unternehmen musste vermelden, dass 1,9 Milliarden Euro, die es auf Treuhänderkonten verbucht hatte, wahrscheinlich gar nicht existieren.

„Das ist ein komplettes Desaster, das wir da sehen, und es ist eine Schande, dass so etwas passiert ist“, sagt der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Felix Hufeld.

Auch dem Sozialnetzwerk-Anbieter Facebook, der vor allem von Werbeeinnahmen lebt, schlägt rauer Wind entgegen. Dem US-Konzern wird vorgeworfen, rassistische und manipulative Mitteilungen nicht zu unterbinden.

Bürgerrechtsorganisationen rufen deshalb zum Boykott auf. Namhafte US-Unternehmen wie Patagonia und The North Face haben diese Woche ihre Werbung gestoppt. Mit dabei ist auch die Werbeagentur 360i, die Konzerne wie HBO und Unilever betreut.

Nicht nur auf Aktien von Hightech-Konzernen setzen

Ein weiteres Problem könnte nun noch für Hightech-Unternehmen wie den Google-Mutterkonzern Alphabet, Facebook und Amazon hinzukommen: „Die oligopolistischen Strukturen dieser Unternehmen sind den Regulierern ein Dorn im Auge“, sagt Thomas Wüst, Geschäftsführer der Stuttgarter Vermögensverwaltung Valorvest.

Weil sie durch ihre schiere Größe ganze Märkte kontrollieren, fordern US-Wettbewerbshüter ihre Zerschlagung – was in den Vereinigten Staaten zuvor bereits mit Öl- und Telekommunikationsgesellschaften geschehen ist. „Im Fall eines Erfolgs der Demokraten bei den US-Wahlen im November wird der Regulierungsdruck an Dynamik gewinnen“, sagt Wüst.

Experten raten Anlegern deshalb, nicht nur auf Aktien von Hightech-Konzernen zu setzen, sondern das Kapital breit über Papiere aus verschiedenen Sektoren zu streuen. „Aktuell gilt es, Werte zu identifizieren, die den Konjunktureinbruch durch die Corona-Krise gesund überstehen und langfristig für die Zukunft gut aufgestellt sind“, sagt Claus Walter, Geschäftsführer der Freiburger Vermögensmanagement.

Dazu zählen Unternehmen, die Produkte des täglichen Bedarfs wie Nahrungs- und Reinigungsmittel herstellen wie beispielsweise Colgate-Palmolive, Danone, Henkel, Nestlé, Procter & Gamble oder auch Unilever.

Tipp: Fokus auf Gesundheitsbranche richten

„Zudem sollten Anleger den Fokus auf die Gesundheitsbranche richten“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Kölner Vermögensverwaltung Albrech & Cie. Interessant sei dabei unter anderem Eli Lilly.

„Das 1876 gegründete US-Unternehmen hat neben dem eigenen Produktportfolio etliche Kooperationen mit Biotech-Unternehmen, unter anderem für die Entwicklung eines Covid-19-Medikaments“, sagt Albrech.

Auch losgelöst von der Coronavirus-Pandemie böten Gesundheits-Titel langfristig hohes Renditepotenzial, weil weltweit die Zahl der Angehörigen der Mittelschicht wächst und damit die der Patienten, die sich aufwändigere Therapien leisten können.

Aktien von Lieferdiensten kräftig zugelegt

Kräftig zugelegt haben in den vergangenen Monaten auch Aktien von Lieferdiensten wie dem Berliner Unternehmen Hello Fresh, das Essen nach Hause bringt, oder Zooplus, einem Online-Anbieter für Tierbedarf.

„Der Aktienkurs von Hello Fresh hat sich seit März verdoppelt“, sagt Albrech. „Zooplus erwartet für dieses Jahr starke Zuwächse bei Umsatz und Gewinn.“ In den vergangenen drei Monaten hat die Börsennotierung um mehr als 30 Prozent zugelegt.

Was derzeit niemand weiß: Werden solche Lieferdienste auch weiterhin stark gefragt sein, wenn die Coronavirus-Pandemie vorüber ist und sich Menschen wieder beim Einkauf sicher fühlen?

Mehr zum Thema

Geldanlage

„Am Gold scheiden sich zurecht die Geister“

Anlagenkolumne

COVID-19-Forschung – Längerer Atem gefragt

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
700 Millionen Euro aus eigener Tasche für Hilfsmittel

Einlagen, Hörgeräte & Co

700 Millionen Euro aus eigener Tasche für Hilfsmittel

Spahn will weiter über europäische Nutzenbewertung verhandeln

Ratspräsidentschaft

Spahn will weiter über europäische Nutzenbewertung verhandeln

Versorgungsforschung: „Unser Labor ist die Praxis“

Interview mit Ferdinand Gerlach

Versorgungsforschung: „Unser Labor ist die Praxis“

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden