Boehringer Ingelheim

Pharmaforschung drückt aufs Tempo

Boehringer Ingelheim will bis 2018 den Umsatzanteil relativ neuer Präparate drastisch erhöhen. Zu den kommenden Portfolio-Schwerpunkten zählen ZNS- und Autoimmunerkrankungen.

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Arzneimittel-Produktion in Ingelheim.

Arzneimittel-Produktion in Ingelheim.

© Boehringer Ingelheim

INGELHEIM. Gewohnt wachstumsstark präsentierte sich 2013 der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim. Weder generischer Wettbewerb für den Blutdrucksenker Micardis® (Telmisartan), eines der Hauptprodukte, noch Fertigungsprobleme in den USA sowie am Stammsitz Ingelheim konnten das Familienunternehmen vom Kurs abbringen.

Das Betriebsergebnis verbesserte sich um 14 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro und damit die operative Rendite um zwei Punkte auf 15 Prozent. Der Gewinn nach Steuern nahm um sieben Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Lediglich beim Umsatz hieß es Rückgang: Um vier Prozent auf rund 14 Milliarden Euro.

Hier machten sich Dollar- und Yen-Schwäche bemerkbar. Währungsbereinigt wären die Verkäufe um 1,4 Prozent gestiegen, erläuterte Finanzvorstand Hubertus von Baumbach am Dienstag in Ingelheim.

Rund 300 Millionen Euro musste das Unternehmen für die Schließung eines Produktionsstandortes in den USA aufwenden, dessen Modernisierung gescheitert war.

Weitere 200 Millionen Euro Einmaleffekte entfielen auf die Prozessoptimierung in der Ingelheimer Pharmafertigung, um eine erneute Zertifizierung der US-Oberbehörde FDA zu bestehen, sowie auf Rückstellungen für Schadenersatzklagen in den USA wegen unerwünschter Wirkungen des Gerinnungshemmers Pradaxa® (Dabigatran).

Mehr als zehn Neueinführungen in kommenden zwei Jahren geplant

Vorstandssprecher Andreas Barner betonte, man sei nach wie vor davon überzeugt, dass diese Ansprüche "nicht gerechtfertigt sind". Die Zulassungsbehörden in Europa und den USA hätten wiederholt das günstige Nutzen-Risiko-Profil von Dabigatran bestätigt.

Erst Anfang April wurde das Antikoagulanz von der FDA zur Prävention und Therapie tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien zugelassen.

Um die Vorteile gegenüber den Vitamin-K-Antagonisten zu erhärten, habe man jetzt ein internationales Registerprogramm (GLORIA?-AF) gestartet, in das Real-Life-Daten von bis zu 56.000 Patienten unter Pradaxa® beziehungsweise Cumarinen einfließen sollen.

Ein weiteres epidemiologisches Langzeit-Studienprogramm werde derzeit zusammen mit der Harvard Universität aufgesetzt.

Barner kündigte an, dass Boehringer in den kommenden zwei Jahren mehr als zehn Neueinführungen plane. Bis 2018 soll mehr als die Hälfte des Umsatzes mit Präparaten erwirtschaftet werden, die dann seit höchstens zehn Jahren im Markt sind.

Zum Vergleich: 2013 entfielen erst 16 Prozent der Erlöse verschreibungspflichtiger Medikamente auf solche jüngeren Innovationen.

Insgesamt arbeiteten Boehringer-Forscher derzeit an 90 Projekten. Fortschritte in der frühen klinischen Entwicklungsphase II will man dieses Jahr unter anderem mit Wirkstoffkandidaten gegen ZNS- und Autoimmunerkrankungen machen. Beide Gebiete stellen laut Barner künftige Portfolio-Schwerpunkte dar.

In Sachen ZNS fokussiere man Alzheimer, Parkinson und Schizophrenie, in der Immunologie auf monoklonale Antikörper gegen Psoriasis, Morbus Crohn und Spondylarthritis. Drei weitere immunologische Indikationen sollen, so Barner, "in naher Zukunft" hinzu kommen.(cw)

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