Gießen/Marburg

Private Uniklinik in der Verlustzone

Keine Ruhe für das Uniklinikum Gießen/Marburg: Für das vergangene Jahr droht ein Millionen-Minus. Klinikdirektoren und Betriebsrat sind alarmiert.

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MARBURG/GIEßEN. Dass das privatisierte Uniklinikum Gießen und Marburg seit geraumer Zeit rote Zahlen schreibt, ist bekannt. Nun hatte die Geschäftsführung erstmals konkrete Zahlen für das vergangene Jahr 2012 genannt: Demnach rechnet man mit einem Minus von knapp 17 Millionen Euro.

Entsprechende Zahlen wurden jüngst in der Lokalpresse genannt. Demnach beläuft sich der erwartete Verlust in Gießen auf rund elf und in Marburg auf knapp sechs Millionen Euro. Das grundlegende Problem sei, dass die Erlöse zwar zunähmen, die Kosten allerdings noch schneller stiegen.

Der Sprecher des von Rhön übernommenen Großkrankenhauses wollte zu den Zahlen auf Anfrage keine näheren Angaben machen. Das Klinikum teilte lediglich mit, dass sich Geschäftsführung und Chefärzte auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt hätten, um zu einer "nachhaltigen wirtschaftlichen Ergebnisverbesserung" zu kommen.

Zugleich wollen sie gemeinsam mit den Direktoren der 80 Kliniken und Institute die Krankenversorgung auf höchstem universitärem Niveau erhalten sowie die Freiheit der Forschung sichern.

Dazu sollen kompetente Ärzte und Pflegekräfte gehalten, die Abläufe in beiden Häusern optimiert und ein "Sollstellenplan" umgesetzt werden. Die beiden Sprecher der Klinikdirektoren, die Professoren Hans-Peter Howaldt und Hinnerk Wulf, sprachen von einer "schwierigen wirtschaftlichen Situation".

"Jetzt hat die Konzernzentrale wohl begriffen, dass man hier keine Gewinne machen kann", kommentierte der Gießener Betriebsratsvorsitzende Klaus Hanschur.

Der Rhön-Konzern habe bei der Übernahme völlig unterschätzt, dass ein Universitätsklinikum nicht mit kommunalen Krankenhäusern vergleichbar sei, sagte er. Bis heute handelt es sich um die bundesweit einzige Privatisierung eines Universitätsklinikums.

Das Marburger Uniklinikum schrieb beim Verkauf 2006 eine schwarze Null. In Gießen gab es damals ein jährliches Defizit von etwa zehn Millionen Euro. Schon 2007 verzeichneten die fusionierten mittelhessischen Uni-Kliniken ein Plus von einer Million Euro, 2011 erwirtschafteten sie einen Rekordgewinn von 15 Millionen Euro.

Auch deshalb reagierten die Beschäftigten mit Demonstrationen und Protestaktionen, nachdem Anfang des Jahres bekannt wurde, dass Rhön Personal abbauen will.

Nach Betriebsratsangaben gingen bereits mehr als 100 Mitarbeiter durch Fluktuation verloren. Im Juni kündigte der Krankenhausbetreiber an, dass 236 Stellen vor allem in patientenfernen Bereichen wegfallen sollen. Aktuell arbeiten nach Angaben von Rhön rund 9700 Beschäftigte im Klinikum.

Ärger gibt es derzeit auch um etwa 150 Mitarbeiter, die zum Jahreswechsel in den Landesdienst zurückkehren. Ihnen hat Rhön das "Weihnachtsgeld" - es handelt sich dabei um eine Ergebnisbeteilung - bislang vorenthalten. (coo)

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