Direkt zum Inhaltsbereich

AKUTTHERAPIE DES SCHLAGANFALLS

So wird auf Spezialstationen therapiert

Bei der "Akuttherapie des Schlaganfalls" - so lautet der Titel des audiovisuellen Fortbildungsvortrages von Professor Günter Seidel - sind zwei Dinge besonders wichtig: Die Patienten müssen so schnell wie möglich ins Krankenhaus gebracht, und sie sollten auf einer Schlaganfall-Spezialstation behandelt werden.

Veröffentlicht:

Lassen Sie sich von dem Neurologen der Universitätsklinik Lübeck anhand von neuen Studienergebnissen zu Sterberaten und bleibenden Einschränkungen von Schlaganfall-Patienten erklären, warum beides so wichtig ist! Denn das Ziel der Akuttherapie ist, daß mehr Patienten überleben und langfristig möglichst wenig eingeschränkt sein sollen. Erreicht werden beide Ziele bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall durch eine Lyse mit rt-PA, also der exogenen Zufuhr von Plasminogen-Aktivator.

Von dieser Behandlung können Patienten innerhalb der ersten drei Stunden nach Symptombeginn profitieren. Danach geht der Vorteil rasch verloren. Seidel stellt audiovisuell dazu die Zulassungsstudie für das Lyse-Präparat vor. Nach dieser Studie haben von den innerhalb von drei Stunden damit behandelten Patienten nach einem Jahr 41 Prozent keine oder leichte Einschränkungen, von den mit Placebo Behandelten nur 28 Prozent.

Wieviele Patienten für die Lyse in Frage kommen, erläutert der Neurologe anhand der Kriterien der Zulassung. Danach darf unter anderen der Symptombeginn maximal drei Stunden zurückliegen, das Alter muß unter 80 Jahren liegen und eine Blutung durch ein bildgebendes Verfahren ausgeschlossen sein. Seidel weist auf die Realität in Deutschland hin: Die Thrombolyseraten liegen zwischen drei und fünf Prozent. Ein Hauptgrund: Viele Patienten kommen zu spät in eine Klinik.

Warum sollte jeder Schlaganfall-Patient auf einer Schlaganfall-Spezialstation behandelt werden? Der Neurologe hat gute Argumente und Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Bei Patienten, die in einer Schlaganfall-Spezialstation behandelt werden, sind im Vergleich zu Patienten mit herkömmlicher Therapie die Sterberate um 53 Prozent und die Rate der Abhängigkeit von Hilfe um 56 Prozent niedriger!

Eine Grundlage des Erfolgs der Schlaganfall-Spezialstationen ist die Basistherapie. Wie diese Therapie aussieht, erläutert der Neurologe in seinem audiovisuellen Fortbildungsvortrag. Es geht um sechs Punkte: Einstellung auf hoch normale Blutdruckwerte, Einhalten normaler Blutzuckerwerte, Normothermie und optimale Sauerstoffversorgung. Dazu kommen Thrombose-Prophylaxe und Aspirations-Prophylaxe.

Seidel erläutert - wiederum mit Studiendaten - warum eine drastische Senkung des bei Schlaganfall-Patienten meist stark erhöhten Blutdrucks zu vermeiden ist. Und er erklärt die Blutdruck-Zielwerte. Der Blutdruck sollte bei Schlaganfall-Patienten, die Hypertoniker waren, 180 / 100 bis 105 mmHg betragen. Und bei Menschen, die vorher einen normalen Blutdruck hatten, 160 bis 180 / 90 bis 100 mmHg. Auch die Einstellung der Blutglukosewerte ist wichtig.

Warum, begründet Seidel in seinem Vortrag. Es gilt: sowohl zu wenig als zu viel Blutglukose ist ungünstig für die Prognose. Deshalb sollte erhöhte Blutglukose unter 180 mg/dl gesenkt werden und eine Hypoglykämie sollte sofort mit 10- bis 20prozentiger Glukoselösung korrigiert werden. Seidel betont ausdrücklich, daß auch die Körpertemperatur auf maximal 37,5 Grad Celsius gesenkt werden sollte. Denn mit jedem Grad Körpertemperatur mehr steigt das Risiko für eine schlechte Prognose um den Faktor 2,2.

Auch für die Zukunft der Therapie beim Schlaganfall bietet der Neurologe interessante Informationen, etwa zu Desmoteplase. Dieses neue Thrombolytikum kann bis zu neun Stunden nach Symptombeginn eingesetzt werden. Zudem stellt Seidel drei neue Ansätze zur Verbesserung der Revaskularisation vor: Die intraarterielle Thrombolyse, die Thrombozytolyse, bei der der GPIIbIIIa-Hemmer etwa in Kombination mit lokaler oder systemischer Lyse verwendet wird und die Thrombolyse in Kombination mit Ultraschall. Bereits vier Studien haben belegt, daß dabei die Rekanalisationsrate erhöht wird. (Rö)

Den Vortrag, für den es nach bestandener Prüfung CME-Punkte gibt, findet man unter www.qaef-akademie.de, "Aktuelle Vorträge" - "Medizinische Themen" - "Schlaganfall (3)".

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update der S3-Leitlinie

Neue Empfehlung in der Sepsis-Therapie

Lesetipps
Apixaban, ein orales Antikoagulans zur Behandlung und Vorbeugung von Blutgerinnseln sowie zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern.

© Soni's / stock.adobe.com

Vergleich bei dreimonatiger Therapie-Zeit

Apixaban vs. Rivaroxaban: Welches DOAK hat das geringere Blutungsrisiko?