Anlagenkolumne

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht: 23.06.2018, 13:13 Uhr

Im Moment kann man die Anfang Juni ausgesprochene Empfehlung nur bekräftigen: Wer als Anleger hoch in Aktien investiert hat, sollte über Gewinnmitnahmen nachdenken. Wer an der Seitenlinie steht, kann auf eindeutigere markttechnische Einstiegssignale warten.

Eine defensivere Aufstellung ist aus heutiger Sicht keine schlechte Idee. Internationale Diversifizierung macht in schwierigen Phasen um so mehr Sinn, denn der deutsche Aktienmarkt ist bei Korrekturen immer besonders stark betroffen – leider.

Der von Trump ausgerufene Handelskrieg gegen China wird nicht nur die Weltkonjunktur, sondern auch das chinesische Finanzsystem durch Kapitalflucht und Leistungsbilanzdefizit aufwirbeln.

In der Vergangenheit hat die US-Notenbank bei Problemen im internationalen Finanzsystem sofort reagiert und von Bremsen auf Ankurbeln umgeschaltet. Solche Verantwortung fehlt inzwischen in einer auch von der Notenbank vertretenen "America First"-Politik.

Die Weltkonjunktur wurde zuletzt nur künstlich stabilisiert, durch von den Notenbanken extrem gesenkte Zinsen und eine Rekord-Neuverschuldung. Trump und US-Notenbank könnten dieses labile Gleichgewicht empfindlich stören. Deutschland mit seiner Exportabhängigkeit bekommt Gegenwind zu spüren.

Selbst wenn sich die direkten Auswirkungen einer Wachstumsverlangsamung noch kaum zeigen – die Stimmung in der deutschen Wirtschaft kühlt ab. Dafür ist der ifo-Index ein guter Indikator. Der fällt inzwischen seit mehreren Monaten und hat sein euphorisches Niveau vom Jahresanfang hinter sich gelassen.

Fazit: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Derzeit ist es noch zu früh für ambitionierte antizyklische Käufe. Deutsche Aktien sind zwar im Schnitt günstig, allerdings sind sie auch sehr zyklisch. Defensive Branchen und ausgewählte US-Titel dürften sich in schwierigen Phasen besser halten.

Der unabhängige Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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