Direkt zum Inhaltsbereich

Leserumfrage

Wettbewerb gibt Arztpraxen Investitionsanreize

Das Investitionsklima in deutschen Praxen hat sich in diesem Jahr insgesamt deutlich verbessert. Das zeigt das Investitionsbarometer von Deutsche Bank und Springer Medizin. Ganz oben auf dem Wunschzettel stehen neue Geräte.

Veröffentlicht:
Wettbewerb gibt Arztpraxen Investitionsanreize

© Mathias Ernert, Deutsches Herzzentrum Berlin

FRANKFURT/MAIN. Über die Hälfte der niedergelassenen Ärzte planen in den kommenden drei Jahren Investitionen in ihre Praxis. Das zeigen die Ergebnisse der Herbstumfrage 2016, die von der Verlagsgruppe Springer Medizin, zu der auch die "Ärzte Zeitung" gehört, und der Deutschen Bank initiiert worden ist. 422 Ärzte haben sich an der Umfrage beteiligt, in der auch nach den Reaktionen der Ärzte auf das neue Korruptionsstrafrecht gefragt worden ist (wir berichteten am Mittwoch).

Nach den Ergebnissen des Investitionsbarometers wollen rund 53 Prozent der Umfrageteilnehmer in den kommenden drei Jahren in ihre Praxis investieren, fast jeder fünfte hat sogar eine aktuelle Investition, die er kurzfristig realisieren will. Im Vergleich zum Herbst 2015 (41 Prozent) ist die Investitionsbereitschaft damit um zwölf Prozentpunkte gestiegen.

Wettbewerb gibt Arztpraxen Investitionsanreize

© ÄrzteZeitung

Insgesamt hat sich das Investitionsklima in diesem Jahr im Vergleich zu 2015 deutlich aufgehellt. "Die Ergebnisse unserer Herbstumfrage decken sich mit den Erfahrungen, die wir täglich in der Beratung von Heilberuflern machen", stellt Nina Dabringhausen fest. Viele Praxisinhaber investierten nicht mehr nur, um die Zufriedenheit von Patienten und deren Bindung an die Praxis zu steigern oder den medizinischen Nutzen zu erhöhen. "Vielmehr gilt es, sich durch sein Leistungsangebot im Wettbewerb um den Patienten von anderen Praxen zu differenzieren", so die Expertin im Zielgruppenmanagement Heilberufe der Deutschen Bank. Praxisinhaber verfolgten mit ihrer Praxisstrategie häufig mehrere Ziele gleichzeitig und könnten neben der Steigerung von Arbeitszufriedenheit höhere Praxisumsätze und eine höhere Rentabilität erreichen.

Große Praxen investieren kräftig

Wettbewerb gibt Arztpraxen Investitionsanreize

© ÄrzteZeitung

Ein Blick in die Details bestätigt diese Erfahrungen: So ist der Anteil der Ärzte, die in den kommenden drei Jahren eine Investition planen, auf dem Land mit 38 Prozent deutlich geringer als in wettbewerbsintensiveren Großstädten (58 Prozent) oder Mittelstädten (65 Prozent). Einzelpraxen haben eine leicht unterdurchschnittliche Investitionsplanung (47 Prozent), während Praxen mit vier bis sechs Ärzten – die häufig stärker wettbewerblich orientiert sind – mit einer Quote von 82 Prozent besonders investitionsfreudig sind. Unter den Fachgruppen liegen die Hausärzte mit 47 Prozent wiederum leicht unter dem Durchschnitt, Internisten mit 54 Prozent ziemlich genau im Schnitt, Orthopäden mit einer Quote von 60 Prozent der Ärzte, die Investitionen planen, deutlich über dem Durchschnitt aller Ärzte.

Von den Praxisinhabern, die keine Investitionen planen, tun sich viele schwer, die Amortisation eines Vorhabens zu beurteilen. 41 Prozent der Umfrageteilnehmer führen diese Unsicherheit als Hemmnis an. Dabringhausen empfiehlt Praxisinhabern, die besser einschätzen wollen, wann und ob sich eine geplante Investition rechnet, ein Online-Analyse-Tool für die Amortisationsrechnung von Investitionen. "Eine erste Indikation können Praxisinhaber zum Beispiel über den InvestitionsCheck auf dem neuen HeilberufePortal der Deutschen Bank erlangen", erläutert die Expertin.

Zusammen mit spezialisierten Heilberufe-Betreuern können sie dann die Auswirkungen von Investitionen auf die Praxis simulieren und so Investitionsmöglichkeiten in unterschiedliche Medizingeräte miteinander vergleichen.

Die Umfrage

Titel der Umfrage: Antikorruptionsgesetz: Einfluss auf den Kooperationstrend?

Initiatoren: Springer Medizin und Deutsche Bank (www.deutsche-bank.de/heilberufe)

Befragungszeitraum: Ende Oktober bis Mitte November 2016

Teilnehmer: 422 Haus- und Fachärzte

Die komplette Auswertung der Umfrage im Netz: www.aerztezeitung.de/extras/herbstumfrage16/?results=1

Lesen Sie in der (App-)Ausgabe vom vergangenen Mittwoch, Seite 23, einen weiteren Bericht zur Herbstumfrage: Die Auswirkungen des Antikorruptionsgesetzes

Hoher Beratungsbedarf ergibt sich laut Dabringhausen aus den Antworten auf weitere Fragen: So fühlen sich 46 Prozent der Umfrageteilnehmer nicht gut über Fördermöglichkeiten für Investitionen, etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder die Landesförderbanken informiert. Auf Heilberufler spezialisierte Bankberater könnten hier mit ihrer Beratung einen echten Mehrwert bieten, weiß die Bankexpertin aus Erfahrung.

Ähnlich sieht es bei der Finanzierung der Investitionen aus: 54 Prozent der Teilnehmer planen eine Finanzierung aus Eigenmitteln. Dabringhausen: "Aus steuerlicher Sicht muss dies nicht immer die beste Lösung sein!" Wer das vorhandene Eigenkapital zum Beispiel in eine private Immobilie investiere und ein Medizingerät zur Erweiterung des Leistungsspektrums der Praxis durch Kredit finanziert, könne günstigstenfalls einiges an Steuern sparen. Entscheidend sei die richtige Finanzierung, die auf das Vorhaben zugeschnitten ist und alle Möglichkeiten ausschöpft.

Es geht um mehr als Modernisierung

Neue Geräte stehen nach den Umfrageergebnissen ohnehin am häufigsten auf der Wunschliste für Investitionen: 51 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen neue Geräte anschaffen – 34 Prozent als Neuinvestitionen und 17 Prozent als Ersatzinvestitionen. Mit 26 bis 28 Prozent in etwa gleichauf liegen dahinter Investitionen in Gebäude und Einrichtung, in die eigene Fortbildung und die des Praxisteams sowie in die Modernisierung der Praxis-EDV und der IT-Vernetzung.

Unter den Zielen der Investitionen liegen die Steigerung der Arbeitszufriedenheit bei Praxisinhaber und Mitarbeitern, eine höhere Patientenzufriedenheit, die Steigerung des medizinischen Nutzens und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit mit etwa einem Drittel der Umfrageteilnehmer vorne. Die Steigerung der Praxisrentabilität liegt mit 27,5 Prozent der Umfrageteilnehmer als Investitionsziel leicht dahinter, die Vorbereitung der Praxisübergabe sowie die Verbesserung der Work-Life- Balance verfolgt immer noch ein Fünftel der Teilnehmer als Ziel. (ger)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo Cardisio

© oxyven

Oxyven

Intravenöse Sauerstofftherapie mit Applimed-O2 1000

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Esteban Roman Garcia hat einen modernen OP eingerichtet, mit allen erforderlichen Geräten, um effizientes Arbeiten zu ermöglichen.

© privat

Praxismanagement

Arzt und Unternehmer: Chirurg in Ostwestfalen auf Expansionskurs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: dem Finanzdienstleister MLP SE, Wiesloch
Logo vom ÄrzteTag extra der Ärzte Zeitung mit dem Porträt des Podcast-Gesprächspartners Reinhard Pfingsten von der apoBank

© apoBank

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wie können Ärztinnen und Ärzte das neue Altersvorsorgedepot für den Ruhestand nutzen, Herr Pfingsten?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deutscher Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfahrungsberichte aus ärztlicher Perspektive

DiGADocs: Hausärzte testen Digitale Gesundheitsanwendungen für Kollegen

Klassifikation von Herztönen nach Auskultation

Zusammenarbeit Mensch und KI: Das Vertrauen kann täuschen

Lesetipps
Richterhammer und Klemmbrett

© Andrii / Stock.adobe.com

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

© iLexx / Getty images / iStock

Vergleich der Kreise

Wo MRSA-Infektionen besonders häufig sind

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram