Ärzte Zeitung online, 08.03.2019

Zusammenarbeit

Geteilte Macht, Offenheit, Wertschätzung

Junge Ärzte, Medizinstudenten und Pflegeschüler haben ganz konkrete Vorstellungen von interprofessioneller Teamarbeit.

Wie sieht eine neue Kultur der Zusammenarbeit aus? Darüber diskutieren beim Pflegetag junge Pflegekräfte und Mediziner, Studierende und Auszubildende. Wir haben vorab gefragt:

Matthias J. Witti aus München schreibt derzeit an seiner Dissertation über „Auswirkungen interprofessioneller Patienten-Entlassungsgespräche auf die klinische Versorgung“. Er meint: „Interprofessionelle Zusammenarbeit bedeutet für mich, dass sich alle Beteiligten auf gleicher Ebene begegnen, eine kooperative Atmosphäre unterstützen und Hand in Hand ein gemeinsames Ziel verfolgen. Zugleich erfordert eine effektive Zusammenarbeit eine geteilte Macht und Autorität – basierend auf Erfahrung und Wissen sowie einer persönlichen Interaktion, die von Offenheit, Vertrauen, Neugier und gegenseitigem Respekt gegenüber dem anderen Berufsfeld geprägt ist.“

Carolin von Streit, Kinderkrankenpflegeschülerin aus Freiburg, sagt: „Es ist wichtig, der anderen Berufsgruppe mit Offenheit und Interesse zu begegnen und ihr Respekt und Akzeptanz entgegenzubringen. Keiner sollte sich über- oder unterlegen fühlen.“ Sie kritisiert: „Leider fehlt es im Berufsalltag oft an Zeit und Personal, um interprofessionelle Zusammenarbeit so zu leben, wie man es gerne möchte.“

Daniel Hartmann studiert im neunten Semester Medizin in München. Er ist überzeugt: Augenhöhe zwischen Medizin und Pflege funktioniere wie jede zwischenmenschliche Arbeitsbeziehung: „Durch Wertschätzung, Respekt und Verständnis für andere Sichtweisen. Und damit muss ICH anfangen.“ Einbußen, die der Patient erleide, „weil wir nicht als Team arbeiten, sind unverantwortlich“.Jonas Schüle, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeschüler aus Freiburg, betont, Augenhöhe gelinge dann, „wenn Pflege und Medizin vollends einsehen, dass sie einander brauchen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.“ Für Sebastian Friedrich, Assistenzarzt aus Freiburg, sieht Teamarbeit so aus: „Anderen Teammitgliedern immer wieder freundlich begegnen, eigene Wünsche und Anliegen formulieren und aktiv nach Unterstützungsbedarf seitens der anderen Profession fragen. Sich bedanken, wenn eine Situation für einen selbst durch die Zusammenarbeit mit dem anderen besser gelaufen ist als erwartet. Sich klar machen, was eigene Handlungen für Konsequenzen für die andere Berufsgruppe haben – bei Überwachung, Pausenzeiten oder Pflegemaßnahmen.“ (hom)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der gesundheitspolitische Parteien-Check Teil II

Wie viel Europa verträgt unser Gesundheitssystem? Im zweiten Teil unseres Parteienchecks vor der Europawahl am Sonntag zeigt sich: Die Bundestagsfraktionen sind sich uneinig. mehr »

Wenn Babys an Leukämie erkranken

Leukämie ist die häufigste Krebsart bei Kindern. Für viele ist eine Stammzelltransplantation die letzte Chance auf Leben. Doch bei Levin Gebhardt reichte eine einzige nicht aus. mehr »

Der Königsweg für den richtigen Datenschutz ist noch umstritten

Das Inkrafttreten der DSGVO jährt sich zum ersten Mal. Doch noch immer ist vielen Ärzten einiges unklar. Die Datenschützer aus Bayern tun sich mit strikten Ansichten hervor – stehen damit aber nicht allein. mehr »