Ärzte Zeitung online, 20.12.2018

Ernährung

Weihnachtsmann geht, Osterhase kommt

Alle Jahre wieder: Ärzte warnen vor zu viel süßen Leckereien, aber in Schokoladenfabriken brummt das Geschäft: Noch dominiert der Weihnachtsmann, doch es lauert schon der Osterhase.

Nikolaus geht, Osterhase kommt

Während zuhause noch der Weihnachtsmann vergnüglich vernascht wird, ist die Produktion in den Fabriken schon auf das langohrige Schokomodell umgestellt worden.

© Dron / stock.adobe.com

PIRMASENS. Kurz vor Weihnachten, wenn es in deutschen Wohnstuben heimelig nach Lebkuchen und Adventskranz duftet, könnte in einer Schokoladenfabrik in der Pfalz der Kontrast nicht schärfer sein. Während sich im Verkaufsraum süße Nikoläuse in den Regalen drängeln, laufen nur ein Stockwerk tiefer bereits bunt verpackte Schokohasen vom Band – vier Monate vor Ostern. „Wir haben sehr viele Exportkunden und müssen die Ware früh ausliefern“, sagt Richard Müller, Vorstand des Schokoartikelherstellers Wawi in Pirmasens. „Auch unsere deutschen Kunden möchten die Ware rechtzeitig.“

Die antizyklische Produktion ist längst Routine – auch wenn mancher klagt, dass etwa Osterhasen immer früher in Geschäften zu finden seien. Mit Feiertagen habe das nichts zu tun, schimpft etwa die Kirche.

Immer höhere Ansprüche

Dies liege aber auch am gestiegenen Wohlstand, der Anspruch und Nachfrage stark erhöht habe, meint Müller. „Der Konsument von heute möchte sich nicht auf einen Osterhasen und Oster-Mischbeutel beschränken, sondern möchte noch eine ausgefallene Geschenktafel, welche er Freunden mitbringt. Und auch die Pralinen für die Großmutter müssen im Osterdesign sein.“

Zwischen Industrie und Konsumenten stehe der Handel, betont Müller. Am Ende entscheide dieser, wann er die Produkte ins Regal stellt. Rund zehn Millionen Osterhasen und knapp 60 Millionen Ostereier produziert das Traditionsunternehmen jährlich -–plus zehn Millionen Nikoläuse. „Das macht insgesamt 17.000 Tonnen Schokoladenprodukte“, erzählt Müller.

Die vier Werke in Deutschland und die insgesamt vier Fabriken in Australien, China, Kanada und Rumänien würden alle Kontinente beliefern. „Darauf sind wir sehr stolz.“

An diesem Dezembertag steht der Produktionsraum in Pirmasens voller Kisten mit Schokohasen und „Ulk-Enten mit Hut“ aus extraheller Edelvollmilch-Schokolade. Angestellte mit weißen Kitteln, blauen Handschuhen und Haarnetzen nehmen die Leckereien vom Band und sortieren sie ein. Eine spezielle Maschine schneidet seitliche Überlappungen an der Alufolie ab – an dieser Stelle kann der Falz messerscharf sein. „Die Osterproduktion beginnt in der Regel Ende Oktober oder Anfang November“, sagt Firmensprecher Tapani Braun. „Ende März und Anfang April startet meist die Weihnachtsproduktion.“

145 Millionen Schoko-Nikoläuse

Die deutsche Süßwarenindustrie habe in diesem Jahr rund 145 Millionen Schokoladen-Nikoläuse und Weihnachtsmänner hergestellt, teilt Solveig Schneider vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie mit Verweis auf eine Umfrage bei Mitgliedsunternehmen mit. Im Vergleich mit dem Vorjahr sei das eine leichte Steigerung um plus 0,9 Prozent.

Wie andere Nationen feiern auch die Deutschen religiöse Feste gerne mit Naschwerk: zum Beispiel an Nikolaus und an Karneval, aber erst recht an Weihnachten und Ostern. Rund 200 Millionen Schoko-Hasen produziert die Industrie jährlich, hinzu kommen tonnenweise Eier, Krokant, Marzipan, Nougat – vielerlei wird in eierförmige Hüllen gegossen. Ärzte warnen: Jeder soll die Leckereien genießen, aber in Maßen. Viel Schokolade bedeute leider oft auch ungesund viel Zucker.

Wawi verarbeitet „normale“ Schokolade und – hauptsächlich auf Kundenwunsch bei Eigenmarken – Schokolade mit UTZ-Zertifikat, einem internationalen Gütesiegel für nachhaltigen Anbau. „Dieser trägt maßgeblich zum Schutz der Natur und zur Verbesserung der Lebensumstände von Kakaobauern und deren Familien bei“, sagt Braun.

Das Pfälzer Unternehmen liegt damit im Trend: Dem Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie zufolge enthalten immer mehr süße Hohlfiguren Kakao, der nachhaltig hergestellt wurde. Im vergangenen Jahr belief sich der Anteil an nachhaltig erzeugtem Kakao in den in Deutschland verkauften Süßwaren laut Mitgliederbefragung auf 55 Prozent. Bei der ersten Erhebung 2011 waren es rund drei Prozent.„Wir arbeiten vorwiegend ab der Produktionsstufe Flüssigschokolade. Diese gießen wir in Formen und verfeinern sie mit weiteren Zutaten, etwa Puffreis oder Nüssen“, sagt Vorstand Müller.

Bei Hohlfiguren werden die Formen nach dem Gießvorgang etwa 20 Minuten geschleudert und gekühlt, so dass die Schokolade an den Rand läuft - wodurch die „Hohl“-Figur entsteht.„Sowohl Tafeln als auch Hohlfiguren werden nach dem Kühlen meist automatisch verpackt und in Kartons gesetzt. Verpackungsmaterial wie Kartonage oder Folie kaufen wir zu.“.

Und die Legende, dass nicht verkaufte Weihnachtsmänner zu Osterhasen umgepackt werden? Firmensprecher Braun lacht. „Völlig absurd. Das wäre viel zu aufwändig. Außerdem ist unsere Ware frisch.“ (dpa/eb)

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