Ärzte Zeitung online, 13.09.2019

Kommentar zu CRISPR

Gentechnik nicht überstürzen!

Bei einem HIV-infizierten Leukämie-Patienten wurde an Blutstammzellen jetzt überprüft, ob sich mit der Genschere eine Resistenz gegen HIV erzeugen lässt.

Von Peter Leiner

In Sachen Gentechnik und Embryonenforschung sind chinesische Wissenschaftler längst Vorreiter, nicht zuletzt wegen der geringeren Bedenken gegenüber dieser Forschung. Kein Wunder also, dass jetzt der erste Bericht über die Anwendung der Genschere CRISPR bei einem Patienten vorliegt, die bereits vor zwei Jahren vorgenommen worden ist.

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Das, was mithilfe der mutmaßlichen Keimbahntherapie bei zwei chinesischen Mädchen gemacht wurde, also Resistenz gegen HIV mit der Genschere zu erzeugen, wurde bei einem Krebspatienten, der auch HIV-infiziert war, an Blutstammzellen überprüft. Von seiner Infektion heilen ließ sich der junge Mann nicht, aber zumindest habe gezeigt werden können, dass die Methode auch nach fast zwei Jahren keine Nebenwirkungen hat, so die Forscher.

Was aber in fünf oder zehn Jahren sein wird, können sie nicht vorhersagen. Dieser Therapieversuch war überstürzt. Denn eines ist klar: Die CRISPR-Technologie hat sich rasant weiterentwickelt und entsprechende Varianten der Technik sind heute sicherer als die „alte“ CRISPR-Cas9-Genschere. Das konnten die Forscher damals noch nicht wissen. Aber sie hätten mit ihrem Versuch warten können, bis die Sicherheit der Genschere zweifelsfrei geklärt ist. Es gibt keinen Grund, mit einer solchen Therapie vorzupreschen, schon gar nicht nur für ein „proof of concept“.

Lesen Sie dazu auch:
Gentherapie: Erster Bericht zu Anwendung von CRISPR bei Patienten

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