Ärzte Zeitung online, 02.01.2018

Ski-Sportärzte

Homöopathika auch im Leistungssport im Einsatz

Homöopathie wird wissenschaftlich zwar kritisch betrachtet. Das hält aber selbst Leistungssportler nicht ab, auf entsprechende Präparate zurückzugreifen – wie derzeit bei der Tour de Ski. Mit dem Segen ihrer Ärzte.

Homöopathika auch im Leistungssport im Einsatz

Homöopathie im Ski-Leistungssport?Tom Kastner, Mannschaftsarzt der deutschen Langläufer, ist kein Fan davon. Aber er weiß, dass er damit einigen Sportlern helfen kann.

© Peter Schneider/Keystone/dpa

OBERSDORF. Alles nur Einbildung oder doch ein heilendes Mittel? An der Homöopathie scheiden sich die Geister. Doch ganz gleich, wie man zu ihr steht: Sie hat ihren Platz in der modernen Gesellschaft gefunden. Auch im Spitzensport. Immer mehr Sportmediziner arbeiten mit homöopathische Mittel, etwa im Deutschen Skiverband (DSV). Und so ist es nicht verwunderlich, dass Tom Kastner, Mannschaftsarzt der deutschen Langläufer, auch Homöopathika in seinem Koffer für die Tour de Ski, die von Dienstag bis Donnerstag Station in Oberstdorf macht, hat.

"Um es klar zu sagen: Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit von Homöopathika. Es widerspricht naturwissenschaftlichen Gesetzen, was einen Mediziner mit naturwissenschaftlicher Ausbildung in einen Konflikt bringt", sagt Kastner. Der Arzt am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig kennt die Bedeutung der Homöopathie für viele Menschen. Nicht von ungefähr stiegen zuletzt die Absatzzahlen entsprechender Präparate und haben sich mittlerweile auf einem hohen Niveau eingepegelt. "Das ist im Sport nicht anders als im normalen Leben. Die Frage ist, bei welchem Krankheitsbild ich homöopathische Präparate anbiete", erklärt Kastner. Vor allem Sportler, die damit gute Erfahrungen gemacht hätten, griffen gerne darauf zurück.

So auch Nicole Fessel. Die Langläuferin aus Oberstdorf hat seit jeher ein neurologisches Problem und ist permanent auf der Suche nach Hilfe. "Und da bin ich auch auf die Homöopathie gekommen. Ich schwöre nicht auf sie, aber ich verwende sie. Unsere Ärzte beraten mich da sehr gut", sagt die Allgäuerin.

Vor allem die psychologische Seite wird Kastners Meinung nach bei Homöopathie angesprochen – ähnlich dem Placebo-Effekt. Es gebe eine Wirkung zwischen Psyche und Körper, so der Sportmediziner. "Als Arzt musst du deine eigene Position in dieser Frage auch mal zurückstellen und einfach mit der positiven Einstellung des Patienten, in dem Fall des Sportlers, arbeiten. Es ist einfach ein Vertrauensbeweis." Der 33-jährige Arzt lehnt die Homöopathie daher nicht grundsätzlich ab. "Jeder muss seine eigenen Erfahrungen damit machen und für sich entscheiden, wie sehr er darauf vertraut. Insbesondere als behandelnder Arzt sollte man jedoch die Grenzen des Einsatzes von Homöopathika kennen."

Und noch etwas ist ihm wichtig: Sportmediziner wissen, dass die Präparate, die sie über zertifizierte Firmen beziehen, auch in punkto Doping sauber sind. "Ich würde jedem, auch dem Volkssportler, davon abraten, homöopathische Mittel aus den Tiefen des Internets zu beziehen. Man weiß nie, was wirklich drin ist", sagt Kastner. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

SPD will "Ende der Zwei-Klassen-Medizin"

14:10 Nach der knappen Abstimmung pro GroKo-Verhandlung geht es nun darum, die auf dem SPD-Parteitag angesprochenen "Nachbesserungen" in den Koalitionsvertrag reinzuverhandeln. KBV und Hartmannbund reagieren skeptisch. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »