Ärzte Zeitung, 23.09.2011

Der Standpunkt

Mehr Prävention von Adipositas!

Weltweit werden die Menschen immer dicker und kränker, und nirgendwo hat sich dieser Trend bisher aufhalten lassen. Gesund bleibt nur, wer sich Tag für Tag gegen die Versuchungen an fetter und zuckriger Kost sowie den Bewegungsmangel stemmt, meint Wolfgang Geissel. Vor allem Kinder müssen das lernen.

Mehr Prävention von Adipositas!

Der Autor ist Redakteur im Ressort Medizin der "Ärzte Zeitung". Schreiben Sie ihm: wolfgang.geissel@springer.com

In dieser Woche hat sich die UN-Vollversammlung zum zweiten Mal in ihrer Geschichte einem dringenden gesundheitspolitischen Thema zugewandt: Nach HIV vor zehn Jahren ist jetzt die weltweite Epidemie von Zivilisationskrankheiten Anlass zu großer Sorge.

Gemeint sind damit Krebs- und Herzkreislaufleiden sowie Diabetes und chronische Atemwegprobleme. 63 Prozent aller Todesfälle weltweit gehen nach WHO-Angaben auf das Konto solcher Erkrankungen, in Europa sind es bereits 86 Prozent; bei weiter steigender Tendenz.

Ursache dieser neuen Epidemie ist ungesunder Lebensstil mit Fehlernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkoholmissbrauch. Deutliches Ergebnis sind weltweit hohe Adipositas-Raten, bei denen auch Deutschland einen Spitzenplatz belegt.

Mehr als jede zweite Frau und zwei von drei Männern sind bei uns übergewichtig. Die Folgen: Etwa sieben Millionen Menschen bundesweit haben bereits Diabetes, und jedes Jahr kommen mehrere hunderttausend neue Betroffene hinzu.

Abgesehen vom Leid wird die Versorgung der Patienten künftig immer weitere Milliardenbeträge erfordern. Die Reparaturmedizin ist hier am Ende mit ihrem Latein; eine wirksame Prävention ist nicht in Sicht, wie bei der UN-Konferenz deutlich wurde.

Einfache Lösungen gegen Adipositas im Spannungsfeld zwischen Lebensstil, seelischen Faktoren und genetischem Hang zu Körperfülle gibt es nicht. Die Welle chronischer Krankheiten hat sich in keinem Land der Welt bisher bremsen lassen.

Wer sich heute in einer Wohlstandsgesellschaft normal verhält, wird offenbar übergewichtig und krank. Um gesund zu bleiben, muss man sich täglich gegen die Versuchungen aus fetter und zuckriger Kost sowie körperlicher Inaktivität stemmen.

Wie das geht, muss vor allem den Kindern beigebracht werden. Tägliche Sportstunden in der Schule und Ernährungsunterricht werden seit langem gefordert. Adipositas-fördernde Faktoren im Umfeld der Menschen sind gezielt zu erschweren. Dazu gehört auch, ungesunde Lebensmittel als solche zu kennzeichnen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »