Ärzte Zeitung online, 29.08.2017
 

Übergewicht

Leber-Enzym begünstigt Fettzunahme

Einen weiteren Faktor, der über das Körpergewicht bestimmt, haben Forscher jetzt entdeckt.

NUTHETAL. Bildet die Leber das Enzym Dipeptidyl peptidase 4 (DPP4) verstärkt, führt das bei einer fettreichen Ernährung zu vermehrter Körperfettzunahme, Leberverfettung und einer Insulin-Unempfindlichkeit der Leberzellen. Das haben Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) in Mausversuchen nachgewiesen.

"Diese von uns veröffentlichten Ergebnisse legen in Kombination mit unseren Beobachtungen aus Human- und Zellstudien nahe, dass eine erhöhte DPP4-Produktion in der Leber deren Verfettung sowie eine Insulinresistenz verursacht und nicht eine Folge der Leberverfettung ist", wird Studienleiterin Annette Schürmann vom (DIfE) in einer Pressemitteilung zitiert.

DPP4 ist ein Enzym, das zu einem großen Teil in der Leber gebildet wird und unter anderem die Inkretine Glucagon-like peptide-1 (GLP-1) und Gastric inhibitory polypeptide (GIP) spaltet, die hierdurch ihre Wirkung verlieren. Dies begünstigt hohe Blutzuckerwerte, ebenso wird die Funktion der insulinproduzieren Zellen der Bauchspeicheldrüse negativ beeinflusst, heißt es in der Mitteilung. Ebenso hätten Menschen, die unter einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung leiden, erhöhte DPP4-Spiegel im Blut. Bislang sei jedoch unklar gewesen, ob die erhöhten Enzym-Werte auf die Verfettung der Leber zurückzuführen sind oder diese erst auslösen.

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, verglichen die Wissenschaftler um Schürmann zwei unterschiedliche Mausgruppen miteinander. Während die eine Mausgruppe aufgrund einer genetischen Veränderung generell verstärkt DPP4 in ihrer Leber bildet, weist die Kontrollgruppe nur geringe Mengen des Enzyms auf. Beide Gruppen erhielten für circa ein halbes Jahr dasselbe fettreiche Futter. Die Tiere, die verstärkt DPP4 in ihrer Leber produzierten, legten im Vergleich zur Kontrollgruppe etwa ein Drittel mehr an Körperfett zu und hatten etwa doppelt so viel Leberfett. Ebenso reagierten sie unempfindlicher auf Insulin (Molecular Metabolism 2017; online 4. August).

Zusätzliche Untersuchungen an einer humanen Leberzelllinie sowie an isolierten Leberzellen der Mäuse ergab zudem, dass bereits normale DPP4-Mengen (500 ng/ml) ausreichen, um die Zellen unabhängig von ihrem Fettgehalt insulinunempfindlicher zu machen. Darüber hinaus beobachteten die Wissenschaftler, dass bei Menschen, die sowohl unter einer Insulinresistenz als auch einer nicht-alkoholischen Fettleber leiden, im Vergleich zu Gesunden die Menge an aktivem DPP4 im Blut erhöht ist. (eb)

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