Ärzte Zeitung, 11.03.2004

Neue Schweregrad-Einteilung bei Kindern mit Asthma geplant

Häufigkeit von Krankheitsepisoden in einer definierten Zeit soll künftig entscheidend sein / Nationale Versorgungsleitlinie wird erarbeitet

BERCHTESGADEN (grue). In der geplanten nationalen Versorgungs-Leitlinie Asthma bronchiale sollen die Therapieempfehlungen verschiedener Fachgesellschaften vereint werden und mit einem DMP Asthma harmonieren. In der Leitlinie wird es etwa eine neue Schweregrad-Einteilung des Asthmas bei Kindern geben.

Sieben deutsche Organisationen sind am Konsensversuch beteiligt, darunter die Deutschen Gesellschaften für Pneumologie, für pädiatrische Pneumologie, für Innere Medizin und für Allgemeinmedizin. Die gemeinsamen Empfehlungen sollen nach Angaben von Professor Carl P. Bauer von der Kinderklinik Schwabing bis zum Sommer dieses Jahres verabschiedet und publiziert werden.

Das ebenfalls geplante DMP Asthma soll damit inhaltlich übereinstimmen, so Professor Dieter Kiosz aus Kiel. Ein entsprechender DMP-Entwurf vom November 2003 werde aber wegen der unklaren rechtlichen Vorgaben wohl erst gegen Ende dieses Jahres verabschiedet.

Ein wichtiger Aspekt in der nationalen Leitlinie wird etwa sein, daß Asthma bei Kindern künftig in vier Schweregrade unterteilt wird. Das hat Bauer bei einer Veranstaltung von Aventis in Berchtesgaden gesagt. Dabei sei für die Asthma-Einstufung nicht mehr die Zahl der Tage mit Symptomen ausschlaggebend, sondern die Häufigkeit von Krankheitsepisoden in einer definierten Zeit.

Das intermittierende Asthma (Stufe 1) ist demnach gekennzeichnet durch gelegentliches Husten und leichte Atemnot mit krankheitsfreien Intervallen von über zwei Monaten. Auf Stufe 2 liegen zwischen zwei Asthma-Episoden weniger als zwei Monate. Beim mittelgradigen Asthma (Stufe 3) treten die Beschwerden anhaltend und an mehreren Tagen der Woche sowie nachts auf, beim schweren Asthma (Stufe 4) haben Kinder jeden Tag, meist auch nachts, Asthma-Symptome.

Die Therapie bei asthmakranken Kindern folgt dem Step-Down-Prinzip, das heißt, sie richtet sich zunächst nach der akuten Symptomatik und wird nach Besserung reduziert. Wie Bauer berichtet hat, sind bei Kindern Kombinationspräparate vorteilhaft, etwa die Fixkombination aus Reproterol und DNCG (vom Unternehmen als Aarane® N angeboten).

Das kurzwirksame Betamimetikum Reproterol erweitert die Bronchien, und der Mastzell-Stabilisator DNCG wirkt antientzündlich. Diese Kombination ist nach Angaben des Kinderarztes bei Pollen- und Infektasthma der Schweregrade 1 bis 2 sowie bei Anstrengungsasthma sinnvoll.

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