Ärzte Zeitung, 23.04.2015

Lungenemphysem

Neue, aggressive Unterform der Elastase entdeckt

NEUHERBERG. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben eine neue Unterform der Enzymgruppe der Elastasen entdeckt, die an der Entstehung von Krankheiten wie dem Lungenemphysem beteiligt sein könnte und auch das Versagen einiger Therapieansätze erklären könnte (Nature Communications 2015; online 10. April).

Ein sensibles Gleichgewicht von Elastasen und Elastase-Inhibitoren sorgt im Körper für einen regulären Auf- und Abbau von Gewebe. Ist das Gleichgewicht gestört, kann es zu einer überschießenden Aktivität der Elastasen kommen - die Folge ist ein vermehrter Gewebeabbau. So auch beim Lungenemphysem.

Das Wissenschaftlerteam um Dr. Therese Dau, Dr. Ali Önder Yildirim und Privatdozent Dr. Dieter Jenne vom Comprehensive Pneumology Center (CPC) am Helmholtz Zentrum München hat nun eine neue Unterform der Elastase entdeckt und ihre Eigenschaften untersucht.

Die von neutrophilen Granulozyten produzierte Elastase kann in gespaltenem (2-kettigem) Zustand vorliegen und führt zu einem Gewebeabbau, gleichzeitig scheint sie vermindert auf Inhibitoren zu reagieren, heißt es in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrums München. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die gespaltene Elastase besonders aggressiv und widerstandsfähig ist", wird Studienleiter Dr. Dieter Jenne zitiert.

"Wir vermuten daher, dass sie zur Entstehung des Lungenemphysems beiträgt - insbesondere dann, wenn ein Inhibitoren-Mangel, wie etwa bei angeborenem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, als Krankheitsursache vorliegt."Inhibitoren der Elastase sind ja schon länger ein therapeutischer Ansatz, um dem Elastase-Überschuss beim Lungenemphysem entgegenzuwirken.

"Der verminderte Effekt von Inhibitoren auf gespaltene Elastase liefert uns eine Erklärung, warum einige Hemmstoffe wirkungslos bleiben", sagt Erstautorin Dau. "Auf der Grundlage unserer Untersuchungen könnten aber künftig neue inhibierende Substanzen entwickelt werden, die gegen die verschiedenen Elastaseformen ankommen und somit eine bessere Wirksamkeit erzielen." (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »