Ärzte Zeitung, 04.07.2017
 

Augenärzte

Leitlinie "Retinaler Arterienverschluss"

DÜSSELDORF. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, die Retinologische Gesellschaft und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands haben vor Kurzem das verfügbare Wissen über Diagnostik und Therapie des retinalen Arterienverschlusses (RAV) in einer Leitlinie zusammengefasst. Das berichtet der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Beim RAV handelt es sich um eine zwar seltene, aber gravierende Erkrankung. Wenn eine die Netzhaut versorgende Arterie verschlossen wird, tritt schon nach wenigen Stunden ein irreparabler Schaden ein. Deshalb sollten die Betroffenen so schnell wie möglich einen Augenarzt aufsuchen, so Professor Dr. Nicolas Feltgen vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. Stichwort RAV

Von 10.000 Patienten in augenärztlicher Behandlung sind circa fünf bis zehn Menschen von einem RAV betroffen. Am häufigsten tritt er im Alter zwischen 65 und 70 Jahren auf. In den allermeisten Fällen ist – wie bei einem ischämischen Schlaganfall – eine Embolie die Ursache des Gefäßverschlusses. Nur in etwa fünf Prozent der Fälle ist eine Entzündung der Schläfenarterie Grund dafür.

Zeitkritische Therapie

Leider wissen nur wenige Menschen von dieser Krankheit. Dabei besteht – wenn überhaupt – nur in den ersten Stunden nach dem Verschluss die Chance für eine erfolgreiche Behandlung. Dafür müssten Betroffenen sofort bei den ersten Anzeichen zum Augenarzt gehen, erinnert der Berufsverband.

Eine etablierte Therapie für den RAV gibt es indes nicht. Den meisten Patienten müssten die Augenärzte mitteilen, dass sie den entstandenen Sehverlust nicht mehr rückgängig machen können, so der Berufsverband. Es gibt lediglich eine geringe Hoffnung, dass in den ersten Tagen nach dem Ereignis eine gewisse spontane Besserung eintritt.

Kommt es zu einem RAV aufgrund einer Entzündung der Schläfenarterie, sollte diese mit hoch dosiertem Kortison behandelt werden – ansonsten könnte innerhalb kurzer Zeit auch das zweite Auge erblinden.

Vorbote eines weiteren Schlaganfalls?

Löst eine Embolie den RAV aus, kann das aber Vorbote eines weiteren, möglicherweise noch gravierenderen Schlaganfalls sein. Deshalb ist eine gründliche und schnelle Diagnostik von größter Bedeutung. Es kann daher sinnvoll sein, dass der Patient für einige Tage stationär aufgenommen und gründlich untersucht wird – idealer Weise in einer spezialisierten Station wie einer Stroke Unit.(eb)

Der Link zur Leitlinie: www.awmf.org > Retinale arterielle Verschlüsse

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