Ärzte Zeitung online, 02.01.2018

Transplantationsmedizin

Über 80 Kliniken in offenem Netzwerk für Gewebespende

2322 Gewebespender verzeichnet die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) für das Jahr 2017 (Stand 29. Dezember) – Tendenz leicht steigend.

HANNOVER. 4726 Menschen hätten im vergangenen Jahr zeitnah ein Gewebetransplantat bekommen, so die DGFG. "Nicht jedes Krankenhaus verfügt über eine eigene Gewebebank und ist in der Lage, Gewebespenden zu realisieren. Wir freuen uns, dass sich immer mehr Kliniken in der Gewebespende und im Netzwerk der DGFG engagieren", wird Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG, in der Mitteilung zitiert. Im offenen Netzwerk der DGFG kooperieren viele Universitätskliniken, kommunale und konfessionelle Krankenhäuser, aber auch große Klinikverbünde.

Insgesamt mehr als 80 Kliniken unterstützen die Gewebespende durch die Meldung möglicher Gewebespender. Das Netzwerk kümmert sich um alle gesetzlichen Belange und behördlichen Auflagen zur Gewebespende und ermöglicht so vielen Krankenhäusern die Umsetzung der Gewebespende.

Knapp 300 Hornhautlamellen erfolgreich vermittelt

3135 Patienten erhielten im letzten Jahr ein Hornhauttransplantat von der DGFG. Im Durchschnitt werden pro Jahr rund 6000 Hornhauttransplantationen in Deutschland durchgeführt. "Mehr als jede zweite Hornhaut kommt von der DGFG. Wir können mittlerweile bei der Hornhauttransplantation die meisten Anfragen innerhalb weniger Wochen erfüllen", so Börgel in der Mitteilung der DFGF. Auch 55 Herzklappen wurden zur Transplantation vermittelt. Der Bedarf dieser Gewebe in der Transplantationsmedizin ist nach wie vor sehr hoch. Herzklappen und Blutgefäße stammten bisher aus der Organspende, erinnert die DGFG. Die DGFG habe im vergangenen Jahr ein Programm zur Spende kardiovaskulärer Gewebe (KVG) von Herz-Kreislauf-Verstorbenen erfolgreich etablieren können.

Insgesamt sechs KVG-Spenden von Herz-Kreislauf-Verstorbenen konnten 2017 realisiert werden. "Für 2018 ist der Ausbau dieses Spendeprogrammes geplant. Wir sind zuversichtlich, dass wir diese Spenderanzahl steigern und im kommenden Jahr noch mehr Patienten mit einer Herzklappe versorgen können", so Börgel. Herzklappen und Blutgefäße können noch bis zu 36 Stunden nach Todeseintritt entnommen werden.

Gewebespenden von Organspendern leicht gestiegen

229 Organspender waren im vergangenen Jahr Gewebespender, teilt die DGFG mit. Im Vorjahr 2016 hätten 208 Organspender auch Gewebe gespendet. "Wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation an dieser Schnittstelle von der Organ- zur Gewebespende", betont Börgel. Dennoch sei der Anteil an Organspendern, die Gewebespender sind, insgesamt sehr gering. Die Hirntoddiagnostik spiele bei der Gewebespende keine Rolle.

Gewebe, die nach dem Tod gespendet werden können, sind neben Augenhornhäuten, Herzklappen und Blutgefäßen auch Knochen, Sehnen, Bänder und Haut.

Aus der Lebend-Gewebespende kommt die Amnionmembran, die bisher in der Ophthalmologie zur Behandlung von Erkrankungen der Augenoberfläche verwendet wird. Die Amnionmembran verfügt über hervorragende, wundheilungsfördernde Eigenschaften. Im letzten Jahr haben 15 Mütter ihre Plazenta gespendet. (mal)

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