Ärzte Zeitung online, 03.12.2018

Infektionsgefahr?

Welche Keime unsere Brillen besiedeln – und wie wir sie loswerden

Wissenschaftler haben Studenten und Altersheimbewohnern die Brillen abgenommen – und auf Bakterien untersucht. Sie wurden reichlich fündig. Doch um die Infektionsgefahr zu senken, gibt es einen einfachen Trick.

Welche Keime unsere Brillen besiedeln – und wie wir sie loswerden

Was befindet sich auf Brillen? Forscher haben sich die Keimbelastung der Sehhilfen angeschaut.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

FURTWANGEN. Forscher der Hochschule Furtwangen haben auf Brillen vor allem typische Haut- und Schleimhautbakterien identifiziert, vor allem der Gattung Staphylococcus (PLOS One 2018, online 28. November). Der Anteil an potenziell pathogenen Bakterienarten lag bei rund 60 Prozent. Diese Bakterien können ja vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem Krankheiten auslösen.

Es wurden auch Auslöser von Augenkrankheiten wie Konjunktivitis oder Endophthalmitis gefunden, etwa Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus hominis und Staphylococcus aureus. Von diesen Arten sind auch Antibiotika-resistente Varianten bekannt, erinnert die Hochschule in einer Mitteilung.

Brillenputztücher helfen

Durch Abreiben von Gläsern und kompletten Brillen mit feuchten Brillen-Reinigungstüchern wurde eine Keimreduktion um 94 bis 99 Prozent erzielt. Dabei wurden auch Reinigungstücher mit alkoholfreier Reinigungslösung getestet, die ja schonender zu Gestellen aus Kunststoff ist. Eine trockene Reinigung erzielte eine 85- bis 90-prozentige Reduktion.

„Für gesunde Menschen stellt ihre Brille sicher kein besonderes Infektionsrisiko dar“, wird der Mikrobiologe Professor Markus Egert von der Hochschule Furtwangen zitiert. „Bei häufig wiederkehrenden Augeninfekten oder einer nötigen MRSA-Sanierung sollte aber auch an eine Desinfektion der Brille gedacht werden.“

In weiteren Studien soll geklärt werden, ob Zusammenhänge zwischen der Brillenflora und wiederkehrenden Augeninfektionen bestehen können, teilt die Hochschule Furtwangen mit. Weiterhin soll geklärt werden, ob Brillen auch Verstecke für Antibiotika-resistente Keime wie MRSA sein können, besonders im klinischen Umfeld.

Bügel und Nasenpolster am meisten besiedelt

Für die Studie wurden 31 Brillen an je sieben Stellen (Rahmen, Nasenpolster, Gläser) mit Tupfern beprobt und nach der Anzucht auf Nährmedien die vorhandenen Bakterien untersucht. 21 Brillen stammten von Studierenden und Mitarbeitern der Hochschule Furtwangen, zehn von Bewohnern eines Altenheims.

„Alle untersuchten Brillen waren bakteriell besiedelt“, so Egert in der Mitteilung. „Am stärksten an Stellen mit direktem Hautkontakt wie Ohrbügel und Nasenpolster. Die geringste Keimdichte fand sich auf den Gläsern.“

Im Mittel über alle Stellen waren die Hochschul-Brillen nicht stärker besiedelt als die Altenheim-Brillen. Auf den Gläsern der Altenheim-Brillen wurden aber deutlich mehr Bakterien als auf den Hochschul-Brillen nachgewiesen. Eine mögliche Erklärung dafür: Die altersbedingte Sehschwäche der Seniorenheimbewohner fördert die Verkeimung der Gläser, weil sie diese seltener reinigen, denn Fingerabdrücke oder ähnliche Verschmutzungen auf den Gläsern fallen ihnen weniger auf.

Auf den Altenheim-Brillen sei zudem eine höhere Vielfalt an Bakterien (zehn Gattungen im Gegensatz zu zwei Gattungen auf den Hochschul-Brillen) gefunden worden, heißt es in der Mitteilung der Hochschule. Dazu passt: Auch die Hautflora wird mit zunehmendem Alter vielfältiger. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[14.12.2018, 11:21:57]
Dr. Herbert Rendl 
Bakterien an Brillen
Noch eine Untersuchung/Studie, die wir nicht gebraucht hätten. Zeit und Geld für die medizinische/ pflegerische Versorgung dieser Patientenwäre sicher besser angelegt gewesen. zum Beitrag »
[03.12.2018, 18:30:19]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Oh heiliger St. Florian, erst war's der Haushaltsschwamm, jetzt kommt die Brille dran!"
Eine Studie unter dem Titel "Contamination of Stethoscopes and Physicians' Hands After a Physical Examination" in den Mayo Clinic Proceedings (2014; 89(3):277-280) wollte nicht mehr und nicht weniger belegen, dass der Kontaminationsgrad des Stethoskops nach der klinischen Untersuchung eines Patienten substanziell vergleichbar ist mit der Kontamination von Teilen der führenden Hand beim Arzt.

Seltsam, sind es nicht die Ärzte/-innen s e l b s t, die ihr eigenes Stethoskop anfassen, um es manuell den Patientenkörpern zu nähern? In einem Editorial meldete sich umgehend Dennis G. Maki, MD, Infektiologe an der "University of Wisconsin in Madison"(WI/USA) mit dem Titel "Stethoscopes and Health Care-Associated Infection" dramatisierend zu Wort.

Doch würde ein professionell agierender Mediziner sein frisch gereinigtes Stethoskop in infizierte Wunden hineinhängen, um es danach bei weiteren Patienten über deren Körperöffnungen infektiös auspendeln zu lassen?

Eine intakte Hautbarriere des Brustkorbs wäre doch stabil gegenüber aggressiven Keimattacken, die eher nur theoretisch von angreifenden, kontaminierten Stethoskopen ausgeführt werden könnten? Potenziell kontaminierte Stethoskope sollten nicht unnötig angefasst und nach Hautekzem- und Wundkontakt gereinigt bzw. mit alkoholfreiem Octenisept® desinfiziert werden. Keinen Alkohol nehmen! Der greift die Membranen und Kunststoff- bzw. Gummiringe an.

Aber gibt es nicht weit wichtigere Hygieneprobleme? Verschmutzte, selten gewechselte, ungewaschene oder nicht desinfizierbare Arztkittel bzw. die nicht abwaschbare Krawatte, die zu größten infektiologischen Bedenken Anlass geben könnten?
www.sueddeutsche.de/leben/arztkittel-vor-dem-aus-dreckschleudern-in-weiss-1.890152
www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/hygiene-gefaehrliche-schlipse-556433.html
www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/krankenhaus-hygiene-schlips-am-aerztehals-kann-toedlich-sein-a-402255.html

Auch wenn sich eine schottische Infektiologin wieder f ü r das Krawattentragen ausgesprochen hatte: "Put your ties back on: scruffy doctors damage our reputation and indicate a decline in hygiene" BMJ 2013;346:f3211, könnten sich dann insbesondere nach dem BREXIT die angelsächsischen NHS-Baumängel-, Leistungs-, Wartezeiten- und Hygienekrisen nicht bis zu einem Krawattenkrieg mit unabsehbaren Folgen für die Rest-EU ausweiten?

Auch PC-Tastaturen, Tablets, Smartphones und Touchscreens sind für Praxis- und Klinik- Hygiene-Beauftragte bzw. Infektiologen ein "gefundenes Fressen". www.springermedizin.de/so-wird-die-tastatur-nicht-zur- keimschleuder/4938140.html
"Der Tod lauert nicht in der Tastatur, sagte eine Infektionsexpertin, sondern direkt davor. Trotzdem sollte das PC-Zubehör im Hygieneplan von Klinik und Praxis seinen Platz haben. Denn Computer-Tastaturen hätten ständigen Kontakt mit Händen.

Ist es da nicht mehr weit zu obligatorischen täglichen Rachenabstrichen, Blutkulturen, Abklatschproben der Hände bzw. Fragebögen, um potenziell infektiöse Lebensgewohnheiten, moralisch-ethisch einwandfreien Lebenswandel und psychische Verhaltensauffälligkeiten beim gesamten medizinischen Personal zu detektieren? Verwaltungs- und Administrations-Bereiche selbstverständlich ausgenommen.

Aber was ist eigentlich mit den Besuchern? Krankenhäuser, Reha-Kliniken, Arztpraxen und medizinische Versorgungszentren werden von Heerscharen keimtragender Besucherinnen und Besucher bzw. Patienten heimgesucht, die oft nicht mal elementare Hygiene-Regeln beherzigen ("nach dem Klo und vor dem Essen - Händewaschen nicht vergessen"). Ungeduscht und ungewaschen bzw. n i c h t auf gewaschene oder ungewaschene Kleidung, kurz geschnittene Finger- bzw. Fußnägel untersucht, bevölkern sie die Klinikflure, die Cafeteria, das "Büdchen" am Klinikeingang und die Anmeldetresen der Praxen, um dann in die Kernzonen nosokomialer Infektionsrisiken vorzudringen: In die Krankenzimmer zu ihren kranken Angehörigen, in die Räume der Stationsmitarbeiter, in die Funktionsbereiche und Nasszellen auf der Suche nach Blumenvasen und in die Besuchertoiletten bzw. in die Behandlungszimmer der Haus- und Fachärzte.

Gewöhnlich gut informierte Patienten- und Besucherkreise werden erst n a c h Abschluss ihres Arzt- oder Klinikbesuches sich umfänglich mit kostenlos zur Verfügung gestellten Desinfektionsmitteln allseits bestäuben und imprägnieren. Weil sie die viel beschworene Gefahr ahnen, erst i n n e r h a l b der Klinik- und Praxismauern wirklich gefährliche Keime zu erwerben. Sie würden sich vermutlich n i e m a l s fragen, ob sie nicht s e l b s t durch Hundekot und Straßendreck unter ihren Schuhsohlen, eigene Hygienemängel oder überlang gestylte Fingernägel, die beim Händewaschen ja nur abblättern würden, zur Problematik nosokomialer Krankenhaus- und Praxisinfektionen beitragen?

Quelle:"Contamination of Stethoscopes and Physicians' Hands After a Physical Examination" in den Mayo Clinic Proceedings 2014; 89(3):277-280 http://www.mayoclinicproceedings.org/article/S0025-6196(13)01084-7/abstract strong>

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. St. Moritz/CH)  zum Beitrag »
[03.12.2018, 15:44:10]
Peter Böhm 
Junk science
Nein, da finde ich doch tatsächlich Bakterien auf der Brille, wenn die jemand auf der Nase hatte.
Was wäre wohl passiert, wenn man direkt auf der Nase und hinter den Ohren geschaut hätte, wären da womöglich die selben Bakterien?
POTENZIELL PATHOGEN!!

Studenten putzen ihre ihre Brillen besser als Senioren mit Sehschwäche? Ich bin sprachlos.. zum Beitrag »
[03.12.2018, 10:50:51]
Dr. Karlheinz Bayer 
sind das pathogene Keime?
Es dürfte kaum einen Gegenstand geben, der dauerhafter am Körper eines Menschen ist, als eine Brille. Es dürfte ebenso einleuchtend sei, daß auf Brillen sich alle die Keime befinden, welche die des Brillenträgers sind. Pathologisch oder potentiell krankheitserregend trifft wohl eher nicht zu. Würde man keine Brille, sondern die Unterhosen der Heimbewohner untersuchen, man würde nur und ausschließlich Erreger von hohem Krankheitspotential finden, darunder sogar E.coli - aber das wissen wir doch ... zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Diabetischer Fuß – Behandlung nicht kostendeckend?

Fußamputationen werden im DRG besser vergütet als deren Verhinderung. Und die Honorierung von Fußambulanzen in der Regelversorgung reicht hinten und vorne nicht. mehr »

Das bringt die Bürokratie-Reform den Ärzten

Bürokratie abbauen: Dieses Ziel will die Bundesregierung vorantreiben. Ein aktueller Gesetzentwurf enthält aber auch steuerliche Elemente, die für Ärzte interessant sind. mehr »

Wenn das Zittern mit 14 beginnt

Parkinson mit 14 Jahren? Da kam kein Arzt drauf. Und so begann für die heute 37 Jahre alte Nadine Mattes eine 15 Jahre währende Odyssee, bis die Diagnose feststand. mehr »