Ärzte Zeitung, 15.12.2005

Neue Ansätze zur frühen Therapie bei Morbus Alzheimer

Effekt von Enzymhemmern wird erforscht / Beta- und Gamma-Sekretasen initiieren Entstehung von toxischen Peptidfragmenten

FRANKFURT AM MAIN (KHS). Zelluläre Veränderungen bei der Alzheimer-Krankheit gehen der leichten kognitiven Beeinträchtigung und schließlich der manifesten Alzheimer-Demenz lange voraus. Deshalb wird daran geforscht, schon frühzeitig, etwa mit Enzymhemmern, einzugreifen.

Morbus Alzheimer beginnt mit der inzwischen gut analysierten Entstehung von veränderten Beta-Amyloid-Peptiden aus Amyloid-Vorläufer-Proteinen mit Hilfe von Enzymen, den Beta- und Gamma-Sekretasen. Durch die Enzymaktivität entstehen toxische Peptidfragmente, die verklumpen und sich in den Alzheimer-Plaques anhäufen.

Das hat Professor Jens Wiltfang von der Uniklinik Erlangen-Nürnberg auf einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veranstalteten Workshop in Frankfurt am Main berichtet.

    "Kompetenznetz Demenzen" fördert bessere Frühdiagnose.
   

Weitere pathophysiologische Vorgänge wie Entzündungsprozesse um die Plaques, die Bildung neurofibrillärer Bündel innerhalb der Neuronen und die Zerstörung nervaler Strukturen laufen nach Angaben von Wiltfang bereits massiv ab, ehe erste Symptome überhaupt auftreten. Das Gehirn kann offenbar den Zellverlust anfangs gut kompensieren.

Etwa 60 Prozent der dopaminergen Neuronen müssen zum Beispiel bei Morbus Parkison zerstört sein, ehe die Krankheit symptomatisch wird, wie Wiltfang sagte. Bei der Alzheimer-Demenz sei dies ähnlich. Deshalb gehörten Früherkennung und -behandlung bei Alzheimer zu den primären Maßnahmen gegen die Demenz.

Wichtigstes Vorstadium der Demenz sei die leichte kognitive Störung (mild cognitive impairment, MCI). Wie berichtet, sind bei MCI-Kranken die Kriterien für die Diagnose einer Demenz nicht erfüllt, da sie keine Einschränkungen im Alltag haben. Nach Angaben von Wiltfang gibt es in diesem Stadium keine Empfehlung für eine präventive Behandlung.

Von den Menschen mit MCI erkrankten nur etwa 50 Prozent an einer Demenz und davon wiederum weniger als 50 Prozent an einer Demenz vom Alzheimer-Typ. Die Hälfte der Betroffenen, bei denen die dementielle Entwicklung nicht fortschreite, litten oft nur unter Überlastung, Burn-out-Syndrom oder Angst, was auch zu kognitiven Störungen führen könne.

Um die Forschungsansätze zu Demenzerkrankungen systematisch zu verbessern und neue Therapien zu erproben, haben sich 14 Kliniken zum "Kompetenznetz Demenzen" zusammengeschlossen. Ein wesentliches Ziel des vom BMBF geförderten Kompetenznetzes ist die Verbesserung von Frühdiagnostik und -therapie.

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