Ärzte Zeitung, 20.02.2007

Einsame Alte haben erhöhtes Demenz-Risiko

Studie in Altenheimen / Je stärker Menschen sich einsam fühlen, desto höher ist später die Demenz-Rate

CHICAGO (eis). Fühlen sich alte Menschen einsam, dann haben sie ein erhöhtes Risiko, an Alzheimer-Demenz (AD) zu erkranken. Das hat jetzt eine US-Studie mit 823 alten Menschen ergeben.

Die im Mittel über 80-Jährigen aus Altenheimen hatten zu Beginn der Studie keine Demenz, wie Dr. Robert S. Wilson vom Rush University Medical Center in Chicago in den USA und seine Kollegen berichten (Arch Gen Psychiatry 64, 2007, 234).

Die von den Menschen gefühlte Einsamkeit wurde zu Beginn der vierjährigen Studie und dann einmal jährlich mit einer Fünf-Punkte-Skala ermittelt. Dazu wurden von den Teilnehmern etwa folgende Aussagen bewertet: "Ich fühle mich generell leer", "Ich vermisse Menschen um mich herum", "Ich habe zu wenige Freunde" oder "keinen guten Freund" oder "Ich fühle mich verlassen."

Im Verlauf der Untersuchung bekamen 76 der Probanden AD, diagnostiziert mit 20 kognitiven Tests einschließlich der Mini-Mental State Examination. Das Risiko für eine Demenz war dabei umso höher, je höher die Skalenwerte für Einsamkeit waren. Probanden mit einem Wert von 3,2 erkrankten doppelt so oft an Demenz wie Probanden mit einem Wert von 1,4.

90 Probanden der Studie sind gestorben. Pathologische Demenz-Zeichen wie Hirn-Infarkte oder Beta-Amyloid-Plaques fanden sich nicht gehäuft bei Menschen, die sich sehr einsam fühlten.Die Forscher vermuten, dass einsame Menschen besonders empfindlich auf schädliche neuropathologische Prozesse reagieren.

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