Ärzte Zeitung online, 26.08.2015

Alzheimer-Bericht zeigt

Weltweit immer mehr Demenzkranke

Der medizinische Fortschritt beschert der Menschheit längere Lebenszeiten, aber auch ein großes Problem: Demenz. Die Zahl der Betroffenen steigt dramatisch, wie der Welt-Alzheimer-Bericht zeigt.

LONDON. Die Volkskrankheit Demenz breitet sich dramatisch aus und verschlingt enorme Summen. Schon heute erkrankt daran alle 3,2 Sekunden irgendwo auf der Erde ein Mensch.

Die Zahl der Betroffenen werde sich bis zum Jahr 2050 fast verdreifachen, teilten Wissenschaftler am Dienstag in London bei der Vorstellung des Welt-Alzheimer-Berichtes 2015 mit. Sie riefen Regierung und Arbeitgeber auf, auch mehr in die Vorbeugung zu investieren.

Derzeit leben weltweit 46,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. 2030 werden es 74,1 Millionen sein, 2050 schon 131,5 Millionen - rund 60 Prozent in ärmeren Ländern.

Kosten von jährlich 818 Milliarden Dollar

Experten beziffern die gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten auf jährlich 818 Milliarden US-Dollar (etwa 711 Milliarden Euro). In drei Jahren werde die Grenze zu einer Billion überschritten.

Der Bericht der Organisation Alzheimer Disease International (ADI) wurde maßgeblich von Forschern des Londoner King's College verfasst.

ADI-Chef Marc Wortmann erklärte, die Regierungen in aller Welt seien aufgerufen, den Menschen mit Demenz bessere Lebensbedingungen bereitzustellen.

"Die steigenden Kosten von Demenz werden eine ernsthafte Herausforderung für die Gesundheits- und Sozialsystem in aller Welt darstellen", sagte er.

Die Kosten steigen den Wissenschaftlern zufolge viel schneller als die Zahl der Betroffenen. "Wir glauben jetzt, dass wir das derzeitige und künftige Ausmaß der Krankheit in unserem Welt-Alzheimer-Bericht im Jahr 2009 um 12 bis 13 Prozent unterschätzt haben", sagte Mitautor Martin Prince vom King's College.

In Deutschland 1,5 Millionen Betroffene

Deutschlandweit gibt es derzeit rund 1,5 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen, die meisten haben Alzheimer.

Demenz ist ein Sammelbegriff für viele Krankheiten, die in der Regel bei älteren Menschen auftreten.

Gemeinsam ist ihnen der fortschreitende Untergang von Nervenzellen im Gehirn. Geistige Fähigkeiten, Sprache und Motorik lassen nach, die Betroffenen können den Alltag bald nicht mehr bewältigen. Die Ursachen sind noch weitgehend unbekannt. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Morphin bei Herzinfarkt – unverzichtbar aber umstritten

Morphin bei Herzinfarkt-Patienten: Die Sicherheit des Schmerzmittels hat sich in einer aktuellen Studie bewährt. Zweifel über ein mögliches Risiko bleiben aber vorerst. mehr »

Zu viele Hausbesuche = Regress!

Zwei hessische Landärzte wurden in Regress genommen, weil sie deutlich mehr Hausbesuche als ihre Kollegen absolviert haben. Über 50.000 Euro sollen sie zurückzahlen. Die Ärzte verstehen die Welt nicht mehr - und wehren sich. mehr »

Tot oder nicht tot – das ist hier die Frage

Särge mit Ausgängen und Glöckchen um die Arme: Schon seit Jahrhunderten ziehen Wissenschaftler die Eindeutigkeit des Todes in Zweifel. Eine neue Ausstellung in Berlin zeigt Exponate, die dem Scheintod ein Schnippchen schlagen sollten. mehr »