Ärzte Zeitung, 22.01.2010

Zu hoher Erwartungsdruck schadet der Compliance

Bei Typ-2-Diabetikern bringen Teilziele oft mehr als umfassende Vorgaben

NEU-ISENBURG (run). Diabetologen und Psychologen sind sich einig: Druck machen und überreden wollen - das nutzt wenig, wenn es darum geht, Diabetiker zu einer guten Therapietreue zu bewegen.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt nur jeder zweite Patient mit einer chronischen Krankheit seine Medikamente wie vorgesehen ein. Gerade frisch diagnostizierte Diabetiker unterlassen gerne die regelmäßige Arzneieinahme, da sie durch die Krankheit noch keine Beschwerden verspüren, wohl aber durch die neu verordneten Medikamente, wie Dr. Wolfgang Wörner berichtet.

Der Apotheker, der Diabetikern eine intensive Betreuung anbietet, hält es daher für notwendig, Vor- und Nachteile antidiabetischer Medikamente oder einer Insulintherapie realistisch zu erklären, um betroffene Patienten von Anfang an bei der Stange zu halten. Die Apothekensoftware erleichtere dabei die Medikationsüberwachung und die Kontrolle von Arzneimittelinteraktionen.

Für die Psychologin Eva Küstner vom Diabeteszentrum Offenbach ist noch ein weiterer Punkt wichtig. Ärzte sollten ein Verständnis dafür entwickeln, dass Diabetes in viele Belange des Alltags eingreift und dass damit verbundene Änderungen nicht sofort und vollständig umsetzbar sind. Es gelte, den Patienten mit Therapievorgaben nicht zu überfordern, sondern erreichbare Ziele für einen überschaubaren Zeitraum zu vereinbaren, etwa Sport zweimal die Woche. "Es gibt keinen Diabetiker, der immer vollständig therapieadhärent ist - auch keinen diabeteskranken Arzt oder Psychologen. Das darf man nicht erwarten", betont Küster.

Für Fachkreise:
Ein weites Feld für Pharmazeuten
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