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Risiko nahezu halbiert

Viel weniger Diabetiker erblinden

Das Erblindungsrisiko von Diabetikern ist deutlich gesunken, zeigt eine Studie aus Süddeutschland. Forscher führen das auf verbesserte Früherkennung und Versorgung zurück.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Jeder Patient mit Diabetes sollte einmal im Jahr vom Augenarzt untersucht werden.

Jeder Patient mit Diabetes sollte einmal im Jahr vom Augenarzt untersucht werden.

© MMPhoto/stock adobe.com

DÜSSELDORF. Erstmals sind jetzt in einem Teil von Deutschland belastbare Zahlen zu Neuerblindungen bei Menschen mit und ohne Diabetes aus den vergangenen Jahren zusammengestellt worden.

Forscher am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf haben dazu Daten von neu anerkannten Blindengeldempfängern aus etwa 50 Prozent aller Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg analysiert, berichtet das DDZ in einer Mitteilung.

Die Forscher konzentrierten sich dabei auf die Jahre von 2008 bis 2012. In dieser Zeit waren in den Regionen 1897 Patienten neu als Blindengeldempfänger registriert worden. Knapp ein Viertel davon (23,7 Prozent) hatte Diabetes.

Die Rate der neuen Blindengeldempfänger unter den Diabetikern ging dabei in den vier Jahren deutlich zurück: 2008 waren es etwa 17 pro 100.000 Diabetes-Patienten, 2012 nur noch rund 9 neue Blindengeldempfänger pro 100.000 Diabetiker (Diab Care 2018; online 9. Januar).

Vorsorge von Retinopathie

Generell sollte jeder Patient mit Diabetes einmal im Jahr vom Augenarzt untersucht werden.

Kürzere Zeitabstände sind nötig, wenn es bereits Anzeichen einer diabetischen Retinopathie gibt. Ophthalmologische Untersuchungen werden dann alle drei bis sechs Monate empfohlen.

Akute Verschlechterungen des Sehvermögens, neu auftretende Probleme beim Lesen, der Farbwahrnehmung oder Erscheinungen wie Rußregen sollte ein Augenarzt unmittelbar abklären.

Auch bei Menschen ohne Diabetes ging in dieser Zeit die Rate neuer Blindengeldempfänger zurück: von 9 pro 100.000 Nicht-Diabetikern im Jahr 2008 auf 7 pro 100.000 im Jahr 2012. Dabei gab es keine geschlechterspezifischen Unterschiede – für Männer und Frauen wurden ähnliche Ergebnisse abgeleitet.

Rückgang unabhängig von Alterung der Bevölkerung

Bestimmt wurde aus den Daten zudem das relative Risiko von einem Diabetiker im Vergleich zu einem Nicht-Diabetiker zu erblinden. Dieses war im Jahr 2008 zweifach erhöht, im Jahr 2012 nur noch 1,4-fach.

"Die Reduktion verlief somit deutlich stärker bei Personen mit Diabetes – besonders in der letzten Dekade", wird Professor Andrea Icks, Direktorin des Instituts für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung am DDZ in Düsseldorf, in der Mitteilung zitiert.

Fazit: Das Erblindungsrisiko in Baden-Württemberg hat in den vergangenen Jahren sowohl bei Diabetikern als auch bei Nicht-Diabetikern deutlich abgenommen, und zwar unabhängig von der Alterung der Bevölkerung.

Die Studien-Autoren vermuten, dass der Rückgang auf die Verbesserung der Versorgung bei diabetischer Retinopathie sowie auf das frühere Identifizieren und Behandeln anderer Augenerkrankungen wie Katarakt, Glaukom und der senilen Makula-Degeneration zurückzuführen ist.

Ein Vergleich mit der Situation in anderen Ländern ist schwierig, da sich die Definitionen und Erfassung von Erblindungen stark voneinander unterscheiden. In Deutschland ist Erblindung als Sehfähigkeit von weniger als einem Fünfzigstel der normalen Sehkraft sehr streng definiert.

Die Forscher analysieren jetzt ähnliche Daten aus Sachsen von 2008 bis 2016, um Ergebnisse aus anderen deutschen Regionen zu erhalten.

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