Ärzte Zeitung, 09.02.2005

Mit Diclofenac-Gel gegen flache aktinische Keratosen

Kombination mit Hyaluronsäure läßt Läsionen bei 50 Prozent abheilen / Patienten tragen Gel selbst auf / Unerwünschte Wirkungen sind selten

HAMBURG (nke). Zur Behandlung von Patienten mit aktinischen Keratosen, die auch als In-situ- Plattenepithelkarzinome bezeichnet werden, setzen sich schonende topische Therapien als Alternativen zu Exzision oder Kryotherapie immer mehr durch. Vor allem bei flächenhaften aktinischen Keratosen, sogenannten Krebsfeldern, sind lokale Verfahren vorteilhaft.

Eigens für die Behandlung bei aktinischen Keratosen entwickelt und für diese Indikation zugelassen wurde das Gel Solaraz® mit 3 Prozent Diclofenac in 2,5 Prozent Hyaluronsäure. "Diese Substanz sollte man bei flachen Läsionen einsetzen", sagt Professor Axel Hauschild von der Kieler Universitäts-Hautklinik.

    Bei aktinischen Keratosen ist Therapie grundsätzlich indiziert.
   

"Knotige Veränderungen muß man herausschneiden. Hier ist die Operation nach wie vor Standard." Bei klar begrenzten einzelnen aktinischen Keratosen stehe ebenfalls die Behandlung mit dem scharfen Löffel sowie die Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff im Vordergrund.

Grundsätzlich bestehe eine Behandlungsindikation für aktinische Keratosen, da es keinen prädiktiven Marker für den Übergang in invasiv wachsende Plattenepithelkarzinome gebe, so Hauschild bei einer Veranstaltung des Unternehmens Shire Deutschland in Hamburg.

Die klinische Wirksamkeit des Gels wurde in drei randomisierten Studien im Vergleich zu Hyaluronsäure allein nachgewiesen. Nach 90 Tagen Therapie konnte bei 50 Prozent der Patienten mit dem Gel und bei 20 Prozent mit Hyaluronsäure allein eine komplette Heilung der Läsionen erreicht werden. Bei 80 Prozent der mit dem Gel behandelten Patienten gab es einen deutlichen Rückgang der Läsionen.

Das Gel hat den großen Vorteil, so Hauschild, daß Patienten es selbst auf die betroffenen Areale auftragen können und keine nennenswerten unerwünschten Wirkungen mit der Behandlung verbunden sind. Der optimale Effekt trete 30 Tage nach Therapieende auf. Bekannt ist Diclofenac in erster Linie wegen seiner antientzündlichen und schmerzstillenden Wirkung.

Der Wirkstoff hat aber auch einen antikanzerogenen Effekt, der durch die Reduktion der Prostaglandin-E2-Synthese vermittelt wird. Das heiße aber nicht, daß jede Diclofenac-Creme gegen aktinische Keratosen verwendet werden könne. Denn das Gel enthält als Triggerstoff Hyaluronsäure, die das Aufweichen der Hornschicht erleichtert. Dadurch gelangt der Wirkstoff besser in die Haut.

Eine weitere innovative topische Therapie für aktinische Keratosen ist Imiquimod-Creme, die in Deutschland derzeit aber nicht für diese Indikation zugelassen ist. Imiquimod wirkt über eine zellvermittelte Immunreaktion, die zur Zerstörung der Tumorzellen führt. Diese und weitere Therapieoptionen werden in den Leitlinien zur Therapie der aktinischen Keratosen gegenüber gestellt. Hauschild ist Mitglied der Expertenkommission, die diese derzeit erarbeitet. Sie sollen im Frühjahr vorliegen.

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