Ärzte Zeitung, 15.05.2007

Reanimationen sind bei Alten und Jungen gleich erfolgreich

Organfunktionen sind bei Alten oft eingeschränkt / Alte Patienten können Wiederbelebung bei schneller Ersthilfe gut kompensieren

DÜSSELDORF (ner). Allein aufgrund des Alters von Wiederbelebungsmaßnahmen abzusehen, ist nicht gerechtfertigt, betont Professor Peter Sefrin aus Würzburg. "Die Ergebnisse der Reanimation bei älteren Menschen sind nicht schlechter als bei jungen!"

Immer mehr Menschen werden immer älter. Notärzte und Rettungsdienste treffen bei Einsätzen deshalb häufiger auf Menschen, die zusätzlich zum akuten Notfall altersbedingt veränderte Körperfunktionen und Organ-Schäden haben. So ist die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung etwa von Herz, Hirn und Nieren deutlich geringer als bei jungen Menschen. Die Fähigkeit eines gealterten Körpers, bei einem Notfall die verminderte Sauerstoffversorgung der Organe zu kompensieren, ist vergleichsweise niedrig.

Das bedeutet aber keinesfalls, dass Wiederbelebungsversuche bei alten Menschen mit Herzkreislauf-Stillstand vergeblich sind. "Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind die Erfolgsaussichten bei der Reanimation von alten Menschen nicht geringer als bei jungen", sagte Sefrin, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte, bei einer Veranstaltung in Düsseldorf. Im Gegenteil: Reanimationen sind bei 13 Prozent der über 60-jährigen langfristig erfolgreich, aber nur bei 9 Prozent der unter 30-Jährigen.

Der Grund: Wenn junge Menschen einen Herzkreislauf-Stillstand haben, hat das meist einen gravierenden Grund, zum Beispiel einen angeborenen Herzfehler. Bei alten Menschen kann jedoch schon eine einzige Extrasystole den Kreislauf-Stillstand verursachen. "Wenn dann sofort reanimiert wird, kann der Patient relativ schnell wieder rekompensieren", so Sefrin.

Doch gerade bei der so wichtigen raschen Ersthilfe für alte Menschen im Notfall hakt es. Selbst Nachbarn oder Angehörige, die unmittelbar Zeuge eines Notfalls geworden sind, leisten erfahrungsgemäß selten Erste Hilfe. Weit verbreitet sei nach wie vor die Einstellung: "Das ist nichts, was ich machen kann, das ist Sache des Rettungsdienstes", sagt Sefrin.

Er rät, die Patienten darauf hinzuweisen, dass jeder fähig ist, mit einfachen Mitteln und ohne Zusatzausrüstung etwas zu tun. Familienangehörigen, die etwa ihre Eltern betreuen und pflegen, sollte zu Erste-Hilfe-Kursen geraten werden. Denn: Danach wissen sie, was im Falle eines Falles getan werden muss - auch ohne perfekte Ersthelfer zu sein.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wer viel Wasser trinkt, beugt Harnwegsinfekten vor

Den Ratschlag, viel zu trinken, sollten sich Frauen nicht nur während eines Harnwegsinfektes zu Herzen nehmen. Auch wer danach reichlich Wasser trinkt, profitiert davon. mehr »

In der Praxis oftmals auch knifflige Fälle

Die Regeln, wie und wann ein Arzt einen Patienten krankschreiben darf, sind in der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie festgehalten. In der Praxis gibt es jedoch viele knifflige Fälle. mehr »

Handlungsbedarf bei Chronikerpauschale!

Die Chronikerzuschläge für Hausärzte bleiben eine der dringendsten Hausaufgaben für die Selbstverwaltung. Es wird Zeit, die alten bürokratischen Zöpfe abzuschneiden, meint unser Abrechnungsexperte. mehr »