Kardiologie

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Modul: Akute und chronische Herzinsuffizienz

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Ärzte Zeitung, 02.07.2010

Herzklopfen beim Siegesschuss setzt Koronarien zu

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KÖLN (pah). Als der Argentinier Esteban Cambiasso bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 den entscheidenden Elfmeter verschoss, brachte das nicht nur die deutsche Elf ins Halbfinale, sondern auch eine Reihe von Zuschauern ins Krankenhaus. Das legt eine Studie nahe, die während der Fußball-WM 2006 an der Uniklinik München entstand. Ihr Ergebnis: An Tagen, an denen die deutsche Mannschaft spielte, wurden deutlich mehr Menschen mit Herzproblemen eingeliefert als normal. "Damit ist bewiesen, dass psychischer Stress zum Infarkt führen kann", sagt der Kardiologe Herzspezialist Professor Erland Erdmann von der Uniklinik Köln.

Insgesamt war die Zahl der kardiovaskulären Ereignisse an den Spieltagen der deutschen Mannschaft 2,7 Mal höher als während der Kontrollperiode. Bei Männern stieg die Zahl um das 3,4-fache, bei Frauen um das 1,8-fache.

Je umkämpfter und enger die Spiele waren, desto höher war die Zahl der Herzpatienten. "Spitzenreiter" waren das Vorrundenspiel gegen die Polen, das die Deutschen mit einem Treffer in der letzten Minute gewannen, und die Partien gegen die Argentinier und Italiener. Das im Elfmeterschießen entschiedene Spiel gegen die Argentinier erzielte die höchsten Werte. Die souveränen Siege über Schweden im Achtelfinale und im Vorrundenspiel gegen Ecuador waren weniger gefährlich für Herzkranke. Beim Spiel um den dritten Platz war die Zahl der eingelieferten Patienten wieder auf Normalniveau.

Erdmann empfiehlt Patienten mit Herzleiden, vor dem Fußball-Gucken Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Statt fettiger Chips sollten sie während des Spiels lieber Obst essen und viel Wasser trinken. Rauchen ist tabu. Beim Alkohol drückt Erdmann ein Auge zu. Fünf Kölsch zu je 0,2 Liter lässt er gelten. Außerdem rät er, im Moment größter Anspannung aufzustehen und Kniebeugen zu machen. "So werden Stresshormone abgebaut", sagt Erdmann.

Kölner Kollegen vom Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie geben hingegen Entwarnung. Sie untersuchten alle kardiovaskulären Ereignisse, die während der Fußball-WM vor vier Jahren zu einer stationären Aufnahme führten. Ihr Ergebnis unterscheidet sich deutlich von der Münchener Untersuchung: "Es konnten keine erhöhten Werte für die Häufigkeit von kardiovaskulären Ereignissen an Spieltagen festgestellt werden."

Für die abweichenden Ergebnisse aus München haben die Forscher mehrere Erklärungen parat: In München wurden zwei Spiele ausgetragen, das könne zu "höherer innerer Beteiligung" geführt haben. Außerdem könne es sein, dass Münchener spannungsgeladene Verläufe nicht gewohnt seien - wegen der Dominanz des FC Bayern München.

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