Ärzte Zeitung, 14.03.2006

Ultrafiltration hat Vorteile bei schwerer Herzinsuffizienz

Bei dekompensierter Erkrankung wurde die Methode mit Diuretika-Infusionen verglichen / Maschine filtert Wasser und Salz aus dem Blut

ATLANTA (HR). Es geht bei dekompensierter Herzinsuffizienz sehr gut ohne ein Diuretikum. Das ist, auf den kürzesten Nenner gebracht, das überraschende Ergebnis einer Studie mit einer Maschine, die Wasser und Salz aus dem Blut filtert.

Die Studie heißt UNLOAD und ist am Sonntag beim Kongreß des American College of Cardiology in Atlanta erstmals vorgestellt worden. 200 Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz und damit einhergehender starker Flüssigkeitsansammlung im Gewebe haben sich an 28 Kliniken in den USA an der Studie beteiligt.

Sie bekamen per Zufallsauswahl entweder, wie üblich, intravenös ein Diuretikum, oder sie wurden über einen peripheren Venenzugang an ein Gerät angeschlossen, das dem Körper pro Stunde knapp einen halben Liter Salzwasser entziehen kann, ohne klinische negative Effekte auf die Nieren, den Herzschlag, den Blutdruck oder den Elektrolyt-Haushalt zu haben.

Für Dr. Maria Rosa Costanzo vom Edward-Herzinsuffizienz-Zentrum in Naperville bei Chicago, die UNLOAD in Atlanta vorgestellt hat, ist die neue Methode aber nicht nur eine Alternative zur gewohnten Diuretika-Behandlung, sondern sie bringt auch erhebliche Vorteile.

Durch die Ultrafiltration, wie das Verfahren genannt wird, verlieren die Patienten signifikant mehr Gewicht, sie brauchen für einen stabilen Blutdruck weniger Medikamente und vor allem: die Rehospitalisierungsrate ist geringer. Wenn aber doch einmal ein erneuter Klinikaufenthalt nötig ist, dann ist er kürzer als bei einer Diuretika-Therapie.

Die wichtigsten UNLOAD-Resultate in Zahlen: Nach 90 Tagen mußten 18 Prozent der Patienten, denen Salz und Wasser maschinell herausgefiltert worden waren, erneut in die Klinik. Bei der Diuretika-Kontrollgruppe jedoch lag der Prozentsatz bei 32 Prozent.

Ein Unterschied, der statistisch signifikant ist. Ebenfalls signifikant ist der Unterschied bei der Zahl der Krankenhaustage, die erneut nötig waren: 123 Tage bei den Patienten der Ultrafiltrationsgruppe, 330 Tage bei den Patienten der Kontrollgruppe. Die Zahl der ungeplanten Arztbesuche schließlich war mit 44 in der Diuretika-Gruppe mehr als doppelt so hoch als bei den anderen Patienten.

Ob das neue Verfahren noch weitere Vorteile hat, ist noch unklar. In der Ultrafiltrationsgruppe starben zwar zwei Patienten weniger als in der Diuretika-Gruppe, aber das kann Zufall sein. Für Aussagen zur Sterblichkeit war die Zahl der Patienten zu klein und die Studie zu kurz.

Studienleiterin Maria Rosa Costanzo ist aber auch so schon sicher: "Hier ist ein wichtiger Durchbruch in der Behandlung von Patienten mit schweren Flüssigkeitsansammlungen. Wir sind nun nicht mehr nur auf eine einzige Therapie angewiesen."

Das Gerät, um das es geht, heißt im übrigen AquadexTM FlexFlowTM, wird von einer Firma namens chf solutions® hergestellt und ist seit dreieinhalb Jahren in den USA auf dem Markt. Eine Behandlung damit kostet etwa 800 US-Dollar. Sie kann bis zu acht Stunden, manchmal auch länger dauern. In UNLOAD waren pro Patient eine Behandlung oder zwei Behandlungen nötig.

Topics
Schlagworte
Herzschwäche (698)
Atlanta / ACC (43)
Organisationen
ACC (280)
Krankheiten
Herzschwäche (1988)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Offenbar liegt‘s am Bauchspeck

Wer genetisch bedingt schon als Kind zu Übergewicht neigt, hat auch ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes. mehr »

Jahrhundert-Chance oder Anmaßung?

Darf der Mensch alles, was er kann? Wieder einmal stellt sich diese Frage, seit in den USA erfolgreich Embryonen-DNA verändert wurde. Zwei Redakteure der "Ärzte Zeitung" diskutieren das Für und Wider. mehr »

Ärzte in Barcelona haben schnell reagiert

Ärzte – vor allem Chirurgen – und Pflegefachkräfte in Barcelona und Tarragona standen nach den Terroranschlägen sofort parat. Zwölf Menschen kämpfen jedoch noch immer um ihr Leben. mehr »