Forschung und Praxis, 06.05.2005

Neuer Ansatz für die antianginöse Therapie

Professor Georg Ertl: Frequenzsenkung mit dem neuen Wirkstoff Ivabradin bereitet keine hämodynamischen Probleme. Foto: sbra

"In der Kardiologie besteht Bedarf für ein Präparat, welches selektiv die Herzfrequenz senkt, ohne die unerwünschten Wirkungen von Betablockern auf Bronchien, Reizleitung und Hämodynamik zu haben", sagte der Kölner Kardiologe Professor Erland Erdmann. Ivabradin ist ein Kandidat, der diese Lücke schließen könnte.

Ivabradin hemmt die für die spontane Depolarisation im Sinusknoten zuständigen IF-Kanäle und bremst so die Herzfrequenz. In zwei Studien war seine antianginöse Wirksamkeit mindestens genausogut wie die der Vergleichssubstanzen Atenolol und Amlodipin.

Befürchtungen über eine schlechte Verträglichkeit der bradykardisierenden Substanz hätten sich nicht bestätigt, berichtete Professor Georg Ertl aus Würzburg. Hämodynamische Probleme, etwa ein exzessiver Herzfrequenzabfall oder eine ausgeprägt negativ inotrope Wirkung, gebe es bei Ivabradin nicht.

"Die Substanz hat auch keinen negativen Effekt auf die linksventrikuläre Auswurfleistung", so Ertl auf einer Veranstaltung des Unternehmens Servier, das für Ivabradin die europäische Zulassung noch in diesem Jahr erwartet.

Allerdings kann es zu reversiblen, visuellen Störungen kommen. Bei 15 bis 25 Prozent der Patienten treten Aufhellungen in begrenzten Arealen des Gesichtsfeldes auf, die kurz anhalten und vor allem durch starke Kontraste getriggert werden. Für die Patienten, die darüber berichten, scheint dieses Phänomen aber von untergeordneter Bedeutung zu sein: "Die Abbruchrate in den Zulassungsstudien lag unter ein Prozent", so Ertl. (gvg)

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