Ärzte Zeitung, 23.04.2004

Schluckstörungen nach Apoplexie - Training nützt

Aspirationsprophylaxe ist das A und O / Nahrung sollte dickflüssig sein / Oft hilft es, den Kopf nach vorn zu beugen

BERLIN (gvg). Um bei Schlaganfall-Patienten mit Schluckstörungen eine Aspirationspneumonie zu verhindern, sind sorgfältige Nahrungszubereitung und eine optimale Kopfposition beim Essen die wichtigsten Maßnahmen. Bei ausgeprägten Schluckstörungen sind spezielle Trainingsprogramme für Mund- und Zungenmuskeln oder den Schluckreflex nützlich.

"Schluckstörungen nach einem Schlaganfall sind ein sehr häufiges und für die Betroffenen oft besonders quälendes Problem", sagt Privatdozent Thomas Platz von der Abteilung für Neurologische Rehabilitation am Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin.

Etwa jeder zweite bis dritte Schlaganfallpatient ist davon betroffen, schätzen Neurologen. Zwar verschwänden Schluckbeschwerden meist rasch, so Platz im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Doch gebe es nicht wenige Patienten, bei denen das Problem hartnäckiger sei. Dies sei besonders bei Patienten der Fall, bei denen beide Großhirnhälften oder auch der Hirnstamm betroffen sind. Auch Patienten mit einem Reinfarkt seien besonders gefährdet.

Verschwinden die Schluckbeschwerden nach einem Schlaganfall nicht rasch wieder, dann ist besondere Sorgfalt bei der Nahrungszubereitung gefragt. Dadurch kann das Risiko von Aspirationspneumonien reduziert und eventuell eine durch die Haut geführte Magensonde (PEG) vermieden werden.

Die optimale Konsistenz der Nahrung muß individuell ermittelt werden, so Platz. Doch gelte die grobe Regel, daß Flüssiges eingedickt und Festes verflüssigt werden müsse. Ein etwas dickerer Brei schlucke sich für viele oft am leichtesten. Zur Eindickung eigneten sich Produkte wie Nestargel, Resource® ThickenUp, Quick und Dick und viele andere.

Wichtig ist auch die optimale Kopfposition. Platz: "Vielen Patienten hilft es, wenn der Kopf nach vorne gebeugt wird". Doch auch eine leichte Kopfdrehung kann schon Wunder wirken. Bei hartnäckigeren Beschwerden ist eine nasale Endoskopie indiziert, um zu klären, in welcher Höhe im Mund oder Rachen das Problem liegt.

Hilft das nicht, dann muß in speziellen Trainingsprogrammen das Schlucken gezielt geübt werden. Hapere es am Schluckreflex, dann könne zum Beispiel durch Stimulation des Rachens mit einem Eisstäbchen ein Reflex induziert und auch trainiert werden, wie Platz erläuterte. Bei Problemen mit der Willkürmuskulatur hilft ein Zungen- und Gesichtsmuskeltraining weiter.

Von heute auf morgen freilich wirken solche Maßnahmen nicht, so daß eine PEG zur Überbrückung häufig nötig wird, sagte Platz. Verglichen mit einer Aspirationspneumonie ist sie in jedem Fall das kleinere Übel.

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