Ärzte Zeitung, 07.12.2012

Ulkus vermeiden

Je straffer die Stützstrümpfe, desto besser

Bei abgeheilten venösen Beinulzera sind Stützstrümpfe ein notwendiges Übel, bestätigt eine Studie in Irland. Denn bei Strumpfträgern waren wiederkehrende Geschwüre deutlich seltener.

Von Elke Oberhofer

Je straffer die Stützstrümpfe, desto besser

Hilfreicher Alltagstrick für das Anlegen von Stützstrümpfen: Über eine Feinstrumpfhose lässt sich der Kompressionsstrumpf besonders leicht anziehen.

© Niehoff / imago

LIMERICK. Non-Compliance bei der Ulkusprophylaxe bleibt nicht ohne Folgen, betonen irische Forscher um Dr. Mary Clarke-Moloney von der Universitätsklinik in Limerick.

In ihrer Studie hatten sich elf von 100 Patienten mit venöser Insuffizienz geweigert, ihre Stützstrümpfe wie empfohlen anzulegen. Bei sieben der Strumpfverweigerer kam es binnen Jahresfrist zu neuen Geschwüren am Unterschenkel.

Im Vergleich mit den konsequenten Strumpfträgern war bei ihnen das Risiko sechsfach erhöht (International Wound Journal 2012; online 19. Oktober).

Kompressionsklasse 1 nützt wenig

Mit höherer Kompressionsklasse stieg in der Studie die Schutzwirkung. Einen geringen Nutzen hatten Strümpfe der Kompressionsklasse 1 mit einem Druck von 18 bis 21 mmHg, und zwar speziell bei Patienten mit sowohl oberflächlichen Krampfadern als auch mit tiefer Beinveneninsuffizienz.

Von den 13 Teilnehmern mit beiden Formen der Insuffizienz entwickelten vier ein Geschwür; alle vier hatten Klasse-1-Strümpfe verschrieben bekommen.

Insgesamt lag die Rezidivrate eines venösen Ulkus bei 16 Prozent innerhalb eines Jahres. Zehn der Rezidivpatienten hatten die lockerer sitzenden Klasse-1-Strümpfe getragen, sechs die stärker komprimierenden Klasse-2-Strümpfe mit einem Druck von 23 bis 32 mmHg.

Erfreulicherweise fühlten sich die Patienten durch das Tragen der Strümpfe nicht sonderlich eingeschränkt. Belegt wurde dies mit einer von 1 bis 10 reichenden visuellen Analogskala (1 steht für "schlecht", 10 für "ausgezeichnet").

Hohe Zufriedenheit

Die Teilnehmer beurteilten ihre persönlichen Erfahrungen mit den Strümpfen meist mit Werten über 7, was allgemein für gute Zufriedenheit spricht.

Tatsächlich war die Compliance bei den Strumpfträgern akzeptabel bis gut: Nach drei Monaten gaben 75 Prozent an, die Strümpfe täglich anzulegen und den ganzen Tag anzubehalten.

Dieser Anteil reduzierte sich nach einem Jahr zwar auf 65 Prozent. Aber, so betonen die Autoren, dabei habe man auch die Patienten berücksichtigt, die wegen eines offenen Beins akut keine Stützstrümpfe tragen konnten.

Man sollte Ulkuspatienten grundsätzlich die Kompressionsklasse verschreiben, die gerade noch tolerabel ist, betonen Clarke-Moloney und ihre Kollegen. Denn je stärker der Druck, desto geringer ist das Rezidiv-Risiko.

Quelle: www.springermedizin.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »