AIDS/HIV

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Modul: Kutane Alarmzeichen als Hinweise auf AIDS

Ärzte Zeitung, 01.12.2018

Studie ClinSurv

Infos zu 18 Jahren HIV-Behandlung

Seit Ende der 90er-Jahre hat die Adhärenz für die leitliniengemäße HIVTherapie zugenommen. Der Anteil derjenigen, die die Therapie innerhalb von sechs Monaten beginnen, lag 2015 bei 94 Prozent.

Von Peter Leiner

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Versorgung von Patienten mit einer HIV-Infektion stetig verbessert. Um den Verlauf in Deutschland zu analysieren und unter anderem mögliche Risikofaktoren für eine unzureichende Adhärenz bei der leitliniengerechten Therapie ausfindig zu machen, haben HIV-Therapeuten und Epidemiologen um Melanie Stecher von der Universitätsklinik Köln Daten der Studie "Klinische Surveillance der HIV-Erkrankung" (ClinSurv HIV) analysiert.

Dabei handelt es sich um eine multizentrische, prospektive Langzeitbeobachtungskohorte mit HIV-Positiven, die seit 1999 am Robert Koch-Institut in Berlin unternommen wird.

ART möglichst sofort beginnen

Deutschlandweit nehmen 15 universitäre Kliniken und niedergelassene Schwerpunktpraxen daran teil, die auf die Behandlung HIV-infizierter Patienten spezialisiert sind. Für die aktuelle Studie wurden Daten von 14 Universitätskliniken und spezialisierten Zentren ausgewertet. Derzeit sind mehr als 25.300 Datensätze in ClinSurv HIV verfügbar, von denen die Wissenschaftler mehr als 11.800 in der Studie berücksichtigten (Infection 2018, online 9. November).

Die Wissenschaftler prüften, wie gut die Adhärenz für die deutschösterreichischen Empfehlungen zum Beginn der antiretroviralen Therapie (ART) über die Jahre war. Die Studienpopulation bestand hauptsächlich aus Männern (79 Prozent) aus europäischen Ländern, die zum Zeitpunkt des ersten Arztbesuches im Zusammenhang mit der HIV-Infektion median 37 Jahre alt waren.

65 Prozent der Teilnehmer starteten die HIV-Therapie innerhalb von sechs Monaten, sieben Prozent innerhalb von einem Jahr und fünf Prozent innerhalb von 18 Monaten. Bei knapp 40 Prozent der Patienten bestand das Therapieregime aus nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI), Proteasehemmern (PI) und einem Booster, bei 36 Prozent aus NRTI und Nicht-NRTI sowie bei neun Prozent aus NRTI plus Integrasehemmer. Zwischen 1999 und Mitte 2016 starben sechs Prozent (n = 639) der Studienteilnehmer.

Lange währte in den vergangenen Jahren die Debatte, wann der günstigste Zeitpunkt für den Therapiebeginn ist. Die Ergebnisse der START-Studie (Strategic Timing of Antiretroviral Therapy) sprechen dafür, die HIV-Therapie sofort nach der Diagnose zu beginnen, unabhängig davon, wie hoch die Zahl der CD4-positiven Zellen im Blut ist. Möglicherweise sei damit die langanhaltende wissenschaftliche Debatte über den besten Zeitpunkt für den Therapiebeginn beendet, so die Wissenschaftler.

Die Auswertung der Daten der ClinSurv-Studie spiegelt wider, wie unterschiedlich die Entscheidung zum Therapiestart in den vergangenen Jahrzehnten getroffen wurde. Die Wahrscheinlichkeit für einen Therapiebeginn bei HIV-infizierten Personen war generell umso geringer, je höher die CD4-Zellzahl war. So war die Chance für die HIV-Therapie bei einer Zellzahl ≥500/μl um 63 Prozent geringer als bei einer Zellzahl < 200/μl.

Entsprechend den jeweils gültigen Leitlinien war die Wahrscheinlichkeit für einen frühen Therapiebeginn bei HIV-Diagnose in den Zeiträumen 2008–2014 (+ 29 Prozent) und 2015– 2016 (+ 44 Prozent) signifikant höher als bei Erstdiagnose vor 2001.

Frauen eher für Therapien bereit

Die Wissenschaftler untersuchten darüber hinaus, welche Faktoren eine schlechte bis fehlende Adhärenz begünstigten. Sie entdeckten zum Beispiel, dass der Therapiebeginn in den Beobachtungszeiträumen 2002– 2007 und 2008–2014 deutlich später lag als in jüngster Zeit (2015–2016). Auffallend war auch, dass Patienten im Alter zwischen 18 und 39 Jahren eher später mit der antiretroviralen Therapie begannen als die Älteren.

Nicht zuletzt Studienteilnehmer, die angaben, intravenös Drogen zu gebrauchen, und Patienten im klinischen CDC-Stadium A oder B – also noch ohne Aids-definierende Erkrankungen wie ToxoplasmoseEnzephalitis oder CMV-Retinitis – verzögerten den Beginn der HIV-Therapie. Dagegen starteten eher Frauen sowie HIV-Infizierte aus Asien, Australien und Neuseeland eine antiretrovirale Therapie, obwohl die jeweils gültigen Leitlinien für ihre individuelle Situation noch keine Empfehlung lieferten.

Nach Angaben von Stecher und ihren Kollegen nahm die Adhärenz seit 2008 konstant zu, und zwar von 55 Prozent auf 94 Prozent im Jahr 2015. Dies spiegele möglicherweise wider, dass die HIV-Infizierten inzwischen stärker gewillt seien, sich leitliniengemäß behandeln zu lassen. Offenbar hätten sie ein größeres Bewusstsein dafür entwickelt, dass Therapieleitlinien nützlich sind. Auch die verbesserte medikamentöse Therapie durch neue Integrase- und Proteasehemmer trage zu einer höheren Compliance nicht zuletzt unter HIV-Therapeuten bei.

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