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Nur Antibiotika reichen bei Bissverletzungen nicht

MÜNCHEN (cin). Bissverletzungen werden häufig unterschätzt. Denn Hunde reißen mit ihren Zähnen tiefe Taschen, die ohne Eröffnung einen Nährboden für Infektionen bilden. Hinter harmlos wirkenden Katzenbisswunden kann gar eine Knochenabsplitterung stecken. Antibiotika reichen in diesen Fällen nicht aus - da ist ein Chirurg gefragt.

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"Wurde ein Patient von einem Tier gebissen, muss als erstes überprüft werden, ob die Dermis noch intakt ist", erinnerte Privatdozent Michael Steen beim Chirurgen-Kongress in München. Ist die Wunde oberflächlich, reicht etwa eine Wundreinigung, bei Hämatomen zum Beispiel Kühlung oder auch Heparinsalbe.

Bei tiefen Bissverletzungen - also mit perforierter Dermis - reicht es auf keinen Fall, Patienten Antibiotika zu verordnen, betont der Chirurg von den BG-Kliniken Bergmannstrost in Halle. Der Wundkanal muss bis in die Tiefe verfolgt und revidiert werden. Dafür gibt es wichtige Gründe:

Hunde beißen zum Beispiel erst zu und reißen dann. Das kann zum einen zu großen Wunden führen. Zum anderen entstehen durch das Reißen teils große, tiefe und nicht sichtbare Taschen. Diese werden deshalb häufig nicht erkannt, so Steen. Auch wenn die Bisswunden gereinigt werden und ein Antibiotikum eingenommen wird, bleibt eine gefährliche Infektionsquelle in der Tiefe bestehen. Diese Patienten müssen auf jeden Fall chirurgisch versorgt und alle Taschen debridiert werden.

Noch heimtückischer sind Katzenbisse, warnt der Chirurg. Denn die Katze hat Zähne, mit denen sie tiefe Löcher macht - und sie beißt im Gegensatz zum Hund fest zu. Dabei können harmlos wirkende Wunden entstehen - mit schwer wiegenden Folgen für den Patienten. So können zum Beispiel Knochen abgesplittert sein, was ohne Eröffnung des Wundkanals verborgen bliebe. Zudem ist die Gefahr von Lokalinfektionen sehr groß. Fazit: Bei Katzenbissen sollte der Bisskanal eröffnet, das betroffene Gewebe entfernt und Knochen und Faszien kontrolliert werden.

Steens Tipp: Wenn sich Kollegen nicht sicher sind und größere Wunden oder Infekte vorliegen, sollten sie Patienten ins Krankenhaus einweisen. Antibiotika seien stets nur eine additive therapeutische Maßnahme.

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