Direkt zum Inhaltsbereich

Tipps zur HIV-Diagnostik

Bei diesen Symptomen sollten Sie testen!

Wird HIV zu spät entdeckt, steigt bekanntlich das Risiko für Komplikationen und die Sterblichkeit. Doch wann sollte der Arzt an eine Infektion denken? Einige Tipps dazu.

Von Peter Stiefelhagen Veröffentlicht:
HIV-Test: Nach der Infektion vergehen vier bis sechs Wochen, bis ausreichend Antikörper gebildet sind, um die Erkrankung nachweisen zu können.

HIV-Test: Nach der Infektion vergehen vier bis sechs Wochen, bis ausreichend Antikörper gebildet sind, um die Erkrankung nachweisen zu können.

© jarun011 / stock.adobe.com

UNTERSCHLEIßHEIM. HIV ist heute bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie eine gut behandelbare Infektion, die nicht zum Tod führt. Trotzdem erkranken jährlich in Deutschland noch über 1000 Menschen an Aids beziehungsweise an einem schweren Immundefekt.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts leben etwa 100.000 Menschen in Deutschland mit HIV, wobei jährlich mit circa 3700 Neuinfektionen gerechnet werden muss. Bei rund 13.000 Menschen ist die Infektion nicht bekannt.

"Wenn HIV-Infektionen zu spät diagnostiziert werden, so führt dies zu tiefgreifenden Komplikationen und die Sterblichkeit steigt und auch die Behandlungskosten", betont Professor Matthias Stoll von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Dazu komme das Übertragungsrisiko, wenn der Patient nicht behandelt wird. "Deshalb ist es von großer Bedeutung, die Barrieren für HIV-Tests abzubauen", so Stoll beim Forum "Die Hausarztpraxis im Fokus", zu dem das Unternehmen MSD eingeladen hatte. Vor allem bei Frauen, älteren Menschen und schwulen Männern, die sich nicht als solche zu erkennen geben, besteht die Gefahr, dass HIV zu spät diagnostiziert wird.

Die drei P-Fragen

Deshalb sollte das Thema Sexualität in die Anamnese einbezogen werden. Dadurch können Personen identifiziert werden, bei denen ein HIV-Test angebracht ist.

Zur Risikostratifizierung empfehlen sich Fragen zu den drei Ps nämlich Partner, Praktiken und Prävention: Sind Sie sexuell aktiv? Haben Sie eher Sex mit Männern oder Frauen? Leben Sie in einer festen Beziehung? Hatten Sie im letzten Jahr Sex mit unterschiedlichen Partnerinnen oder Partnern? Welche Art von sexuellen Kontakten hatten Sie? Wie gut kennen Sie sich aus mit dem Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen? Wurden Sie schon einmal bezüglich einer sexuell übertragbaren Infektion untersucht oder behandelt? Wünschen Sie einen HIV-Test, weil Sie glauben, ein Risiko zu haben?

Es gibt eine Reihe von Symptomen und Erkrankungen, die auf eine mögliche HIV-Infektion hinweisen können und deshalb immer eine HIV-Testung erfordern. Dies sind:

  • Herpes zoster, Herpes simplex- Infektionen vor allem innerer Organe
  • Mononukleose-ähnliche Erkrankung
  • Zytomegalie-Virus-Infektion des Auges
  • rezidivierende Pneumonien, Pneumocystis-Pneumonie
  • Tuberkulose und andere Mykobakteriosen
  • Candidose (Mund, Ösophagus, Trachea, Bronchien, Vagina)
  • Kryptokokkose
  • andere sexuell übertragbare Infektionen (Syphilis, Gonorrhö, Hepatitis C)
  • Enzephalopathie, periphere Neuropathie
  • Malignome (Zervix- und Analkarzinom, Lymphome, Kaposi-Sarkom).

Aber auch ein unklarer Gewichtsverlust, chronische Diarrhö unklarer Genese, seborrhoische Dermatitis und eine länger als vier Wochen bestehende Leukozytopenie oder Thrombozytopenie sollten an eine HIV-Infektion denken lassen und Anlass für eine Testung sein. Die angegebenen Symptome sind unspezifisch: 80 Prozent der HIV-Infizierten klagen über Fieber, 68 Prozent über anhaltende Müdigkeit, 54 Prozent über Gelenkschmerzen oder Appetitlosigkeit und 51 Prozent über ein Exanthem.

Diagnostische Lücke beachten

Nach Infektion vergehen in der Regel vier bis sechs Wochen, bis ausreichend Antikörper gebildet sind, um die Erkrankung nachweisen zu können. Das Antigen p24 ist schon etwas früher nachweisbar. Heute werden standardmäßig Kombinationstests der 4. Generation eingesetzt, die sowohl auf p24 als auch auf Antikörper testen. "Sechs Wochen nach der Infektion schließt ein negatives Testergebnis eine HIV-Infektion sicher aus", so Stoll.

Liegt die Risikosituation kürzer zurück, sollte bei negativem Ergebnis eine Wiederholung des Tests sechs Wochen nach der vermeintlichen Infektion erfolgen. Ein positives Ergebnis ist sicher, wenn es mit dem Western-Blot-Test bestätigt wird.

Es ist von großer Bedeutung, die Barrieren für HIV-Tests abzubauen.

Professor Matthias Stoll Medizinische Hochschule Hannover

Lesen Sie dazu auch: Schutz vor Infektion: PrEP reduziert effektiv HIV-Neuinfektionen

Mehr zum Thema

Konkurrenz für Primärpraxen?

Reformpaket beschlossen: Apotheker rücken zu Hausärzten in zweiter Reihe auf

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Elternzeit, Krankheitsvertretung und Co.

Befristete Arbeitsverträge: Welche Fehler Sie vermeiden sollten

Ernährungsberatung

Schilddrüse: Vegane Ernährung verschärft Jodmangel

Übergriffiges Verhalten im Gesundheitswesen

Medizinstudentin zu sexueller Belästigung: „Ich möchte beim Ärztetag nicht mit ,Hase‘ angesprochen werden“

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte