Ärzte Zeitung online, 11.04.2019

Tipps zur HIV-Diagnostik

Bei diesen Symptomen sollten Sie testen!

Wird HIV zu spät entdeckt, steigt bekanntlich das Risiko für Komplikationen und die Sterblichkeit. Doch wann sollte der Arzt an eine Infektion denken? Einige Tipps dazu.

Von Peter Stiefelhagen

070a0601_7283347-A.jpg

HIV-Test: Nach der Infektion vergehen vier bis sechs Wochen, bis ausreichend Antikörper gebildet sind, um die Erkrankung nachweisen zu können.

© jarun011 / stock.adobe.com

UNTERSCHLEIßHEIM. HIV ist heute bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie eine gut behandelbare Infektion, die nicht zum Tod führt. Trotzdem erkranken jährlich in Deutschland noch über 1000 Menschen an Aids beziehungsweise an einem schweren Immundefekt.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts leben etwa 100.000 Menschen in Deutschland mit HIV, wobei jährlich mit circa 3700 Neuinfektionen gerechnet werden muss. Bei rund 13.000 Menschen ist die Infektion nicht bekannt.

"Wenn HIV-Infektionen zu spät diagnostiziert werden, so führt dies zu tiefgreifenden Komplikationen und die Sterblichkeit steigt und auch die Behandlungskosten", betont Professor Matthias Stoll von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Dazu komme das Übertragungsrisiko, wenn der Patient nicht behandelt wird. "Deshalb ist es von großer Bedeutung, die Barrieren für HIV-Tests abzubauen", so Stoll beim Forum "Die Hausarztpraxis im Fokus", zu dem das Unternehmen MSD eingeladen hatte. Vor allem bei Frauen, älteren Menschen und schwulen Männern, die sich nicht als solche zu erkennen geben, besteht die Gefahr, dass HIV zu spät diagnostiziert wird.

Die drei P-Fragen

Deshalb sollte das Thema Sexualität in die Anamnese einbezogen werden. Dadurch können Personen identifiziert werden, bei denen ein HIV-Test angebracht ist.

Zur Risikostratifizierung empfehlen sich Fragen zu den drei Ps nämlich Partner, Praktiken und Prävention: Sind Sie sexuell aktiv? Haben Sie eher Sex mit Männern oder Frauen? Leben Sie in einer festen Beziehung? Hatten Sie im letzten Jahr Sex mit unterschiedlichen Partnerinnen oder Partnern? Welche Art von sexuellen Kontakten hatten Sie? Wie gut kennen Sie sich aus mit dem Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen? Wurden Sie schon einmal bezüglich einer sexuell übertragbaren Infektion untersucht oder behandelt? Wünschen Sie einen HIV-Test, weil Sie glauben, ein Risiko zu haben?

Es gibt eine Reihe von Symptomen und Erkrankungen, die auf eine mögliche HIV-Infektion hinweisen können und deshalb immer eine HIV-Testung erfordern. Dies sind:

  • Herpes zoster, Herpes simplex- Infektionen vor allem innerer Organe
  • Mononukleose-ähnliche Erkrankung
  • Zytomegalie-Virus-Infektion des Auges
  • rezidivierende Pneumonien, Pneumocystis-Pneumonie
  • Tuberkulose und andere Mykobakteriosen
  • Candidose (Mund, Ösophagus, Trachea, Bronchien, Vagina)
  • Kryptokokkose
  • andere sexuell übertragbare Infektionen (Syphilis, Gonorrhö, Hepatitis C)
  • Enzephalopathie, periphere Neuropathie
  • Malignome (Zervix- und Analkarzinom, Lymphome, Kaposi-Sarkom).

Aber auch ein unklarer Gewichtsverlust, chronische Diarrhö unklarer Genese, seborrhoische Dermatitis und eine länger als vier Wochen bestehende Leukozytopenie oder Thrombozytopenie sollten an eine HIV-Infektion denken lassen und Anlass für eine Testung sein. Die angegebenen Symptome sind unspezifisch: 80 Prozent der HIV-Infizierten klagen über Fieber, 68 Prozent über anhaltende Müdigkeit, 54 Prozent über Gelenkschmerzen oder Appetitlosigkeit und 51 Prozent über ein Exanthem.

Diagnostische Lücke beachten

Nach Infektion vergehen in der Regel vier bis sechs Wochen, bis ausreichend Antikörper gebildet sind, um die Erkrankung nachweisen zu können. Das Antigen p24 ist schon etwas früher nachweisbar. Heute werden standardmäßig Kombinationstests der 4. Generation eingesetzt, die sowohl auf p24 als auch auf Antikörper testen. "Sechs Wochen nach der Infektion schließt ein negatives Testergebnis eine HIV-Infektion sicher aus", so Stoll.

Liegt die Risikosituation kürzer zurück, sollte bei negativem Ergebnis eine Wiederholung des Tests sechs Wochen nach der vermeintlichen Infektion erfolgen. Ein positives Ergebnis ist sicher, wenn es mit dem Western-Blot-Test bestätigt wird.

Es ist von großer Bedeutung, die Barrieren für HIV-Tests abzubauen.

Professor Matthias Stoll Medizinische Hochschule Hannover

Lesen Sie dazu auch:
Schutz vor Infektion: PrEP reduziert effektiv HIV-Neuinfektionen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Warum haben immer mehr junge Menschen Darmkrebs?

In Deutschland steigt die Darmkrebshäufigkeit bei unter 50-Jährigen. Vermutungen gibt es, woran's liegt. Forscher suchen nach Risikofaktoren, um vorzubeugen. mehr »

Familienchaos befeuert kindliches Asthma

Depressionen, Streit und Chaos innerhalb der Familie lassen die Symptome asthmakranker Kinder eskalieren und mindern die Chancen für eine bedarfsgerechte Versorgung. Eine Studie hat die Zusammenhänge genauer erforscht. mehr »

Nur Amyloid geben – Das ist wohl zu kurz gedacht

Jahrelang stand Beta-Amyloid im Fokus von neuen Alzheimer-Therapien – bislang ohne Erfolg. Offenbar wurden andere Faktoren unterschätzt, vermutet Professorin Agnes Flöel von der Universitätsmedizin Greifswald. mehr »