Ärzte Zeitung online, 03.09.2018

Sex unter Drogen

Umfrage will Chemsex entschlüsseln

Mythos Sexualität: Mit einer anonymen Online-Umfrage möchten Forscher dem Phänomen Chemsex auf die Spur kommen. Die Ergebnisse sollen auch der Aids-Prävention zugutekommen.

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Lust wie im Rausch: Manche Chemsex-Süchtigen empfinden Sex ohne Drogen als geradezu langweilig.

© lanarusfoto / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

BERLIN/KÖLN. Eine Umfrage geht dem Phänomen Chemsex in Deutschland derzeit auf den Grund. Die Initiatoren wollen unter anderem herausfinden, wie verbreitet die Praktik hierzulande ist und aus welchen Gründen Menschen Drogen zum Sex nehmen. An der Umfrage sollen zunächst nur homo- und bisexuelle Männer teilnehmen.

Neben Alter, Anzahl der Sexualkontakten und Beziehungsstatus fragt die Untersuchung auch nach dem eigenen Empfinden als Homosexueller, um mögliche homophobe Stigmata zu identifizieren.

Die Forscher wollen erfahren, "in welchem Maße Sie psychotrope Substanzen konsumieren, wie Sie sich schützen, aber auch welche Risiken Sie bereit sind, einzugehen", so die Einleitung der Studie an die potenziellen Teilnehmer. Die Ergebnisse sollen auch für die Verbesserung von Präventions- und Hilfeangeboten zum Einsatz kommen und den öffentlichen Informationsbedarf zu Chemsex abschätzen.

Für Deutschland fehlen verlässliche Zahlen, so die Deutsche AIDS-Hilfe in einer Mitteilung zur anonymen Umfrage. Zu den Initiatoren gehören weiterhin das Deutsche Institut für Sucht- und Präventionsforschung an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, die Universität Duisburg-Essen und die LVR Klinik Essen.

Was ist Chemsex?

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Chemsex bezeichnet Sex unter dem Einfluss von synthetischen Drogen wie Crystal Meth, GHB/GBL oder Mephedron – Alkoholkonsum vor dem Sex ("Drunksex") wird deswegen nicht dazu gezählt. Die psychotropen Substanzen sollen das Erleben des Geschlechtsverkehrs verbessern, indem sie die Lust und Libido steigern, Hemmungen abbauen und die selbst empfundene Attraktivität erhöhen.

Oft werden die Drogen aber auch dazu verwendet, um mangelndes Selbstbewusstsein zu überspielen oder von empfundener Homophobie abzulenken, so eine Studie im BMJ.

Risiken von Chemsex sind die erhöhte Neigung unter dem Drogeneinfluss, ungeschützten Verkehr mit mehreren Partnern zu haben und das Drogenbesteck zu teilen. Die Praktik wird daher mit einem erhöhten Risiko für Geschlechtskrankheiten und Hepatitis-C in Verbindung gebracht. Auch die Gefahr einer – möglicherweise tödlichen – Überdosis wabert stets beim Chemsex mit.

Chemsex ist anscheinend am populärsten unter Schwulen und allgemein Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Hotspot der Szene ist wohl Großbritannien. (ajo)

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