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HIV-Koinfektionen

Hepatitis C lässt sich bei MSM eliminieren

Männer mit HIV- und HCV-Koinfektion, die Sex mit Männern haben, kann mit einer Kombination aus HCV-Medikamenten und Verhaltensintervention geholfen werden.

Veröffentlicht:

ZÜRICH. Weltweit nimmt die Zahl der HIV-positiven Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und sich zusätzlich mit Hepatitis C (HCV) anstecken, deutlich zu, teilt das Universitätsspital Zürich mit.

„Seit 2008 sehen wir in der Schweiz in dieser Risikogruppe einen fast zwanzigfachen Anstieg von neuen Hepatitis C-Infektionen“, wird Studienarzt Dr. Dominique Braun, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich, in der Mitteilung zitiert.

Die Beobachtung entstamme der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie, die seit 30 Jahren besteht und über Daten von mehr als 20.000 HIV-Infizierten verfügt. Aktuell werden dabei 10.000 Personen medizinisch betreut.

Von diesen Teilnehmern untersuchten Braun und Kollegen in einer ersten Phase alle 4000 HIV-infizierten MSM auf HCV. Dabei fanden sie 177 HCV-Infektionen. 31 Teilnehmer hatten sich im vergangenen Jahr neu infiziert, die übrigen litten an einer chronischen Hepatitis C.

Gutes Ansprechen

In der zweiten Phase der Studie sei allen Teilnehmern eine kostenlose Behandlung mit hochwirksamen Anti-Hepatitis-Präparaten angeboten worden.

„Zu der Zeit übernahmen die Krankenkassen die bis zu 80.000 Franken teure Therapie nur bei einem kleinen Teil der HCV-infizierten Personen in der Schweiz“, so Studienarzt Braun in der Mitteilung.

Insgesamt hätten sich 90 Prozent der Studienteilnehmer medikamentös behandeln lassen. Während zwölf Wochen nahmen sie täglich ein Präparat ein.

Bis auf einen hätten alle Teilnehmer von ihrer Hepatitis C-Infektion geheilt werden können. Die meisten Studienteilnehmer hätten zusätzlich an einer Verhaltensintervention teilgenommen, mit dem Ziel, ihr sexuelles Risikoverhalten zu reflektieren.

Die Verhaltensintervention wurde von einer Forschergruppe von der Universität Basel eigens für die Untersuchung entwickelt. In vier Sitzungen wurden die Teilnehmer mittels Videomaterial und Gesprächen darauf geschult, sexuell riskantes Verhalten zu reduzieren und damit das Risiko einer erneuten HCV-Infektion zu minimieren.

Halb so viele Neuinfektionen

Gleich im Anschluss an die Behandlungsphase hätten Braun und Kollegen den HCV-Test an derselben Personengruppe wie in der ersten Phase wiederholt. Dabei fanden sie der Mitteilung zufolge 92 Prozent weniger chronisch Infizierte, die Zahl der Neuinfektionen war halbiert.

„Wir haben mit unserer Studie demonstriert, dass man in einer Risikopopulation mit gezielten Maßnahmen Hepatitis C eliminieren kann“, wird Professor Jan Fehr in der Mitteilung zitiert, Oberarzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich und Leiter der Studie.

Die in der Analyse untersuchte Kombination von medikamentöser Therapie und Verhaltenstherapie werte er als geeignete Methode, um Hepatitis C bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben, bis zum Jahr 2030 zu eliminieren, was die WHO als Ziel vorgegeben hat.

„Die Studie hat zudem Modellcharakter; das grundlegende Prinzip, mit umfassender Diagnostik und angewandter Therapie die Übertragungskette zu unterbrechen, lässt sich auch auf andere Bevölkerungs- oder Patientengruppen übertragen.“

Beschleunigte Progression der Lebererkrankung

Wichtig für eine erfolgreiche Eradikation ist eine antiretrovirale Therapie und – unabhängig vom jeweiligen Grad der Leberfibrose – eine Therapie der HCV-Infektion bei jedem HIV/HCV-koinfizierten Patienten.

Das empfiehlt auch die aktuelle, bis Dezember 2022 gültige S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) als federführender Gesellschaft in Kooperation unter anderem mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte für die Versorgung HIV-Infizierter.

Denn bei HIV-positiven Patienten mit gleichzeitiger Hepatitis-C-VirusInfektion kommt es bei fortgeschrittenem Immundefekt und/oder einer unkontrollierten HIV-Vermehrung zu einer beschleunigten Progression der Lebererkrankung.

Nach den Empfehlungen der Leitlinie sollte nach der Diagnose einer akuten Hepatitis C zunächst eine Spontanheilung abgewartet werden. Wenn dann 24 Wochen nach der Erstdiagnose eine HCVVirämie nachweisbar sei, solle dem Patienten eine direkt antivirale Therapie (DAA, direct-acting antivirals) wie bei einer HCV-Monoinfektion angeboten werden.

Dabei richtet sich die Kombinationstherapie unter anderem nach dem HCV-Genotyp. (mmr)

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