Ärzte Zeitung, 14.12.2016

Krebstherapie

Stärke von Opioid ist nicht relevant

Die Therapie Krebskranker mit jeweils einem von vier verschiedenen starken Opioiden führte in einer Studie zu ähnlichen Ergebnissen in puncto Schmerzkontrolle, Ansprechraten und Hauptnebenwirkungen.

MAILAND. In der onkologischen Schmerztherapie spielen Opioide eine entscheidende Rolle. Dabei werden Morphine und Morphin-ähnliche Wirkstoffe, obwohl mit unterschiedlichen pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Eigenschaften ausgestattet, in den Leitlinien als gleichartig und gleichermaßen wirkungsvoll einsetzbar beschrieben.

Zweifel daran bleiben, insbesondere wenn die individuellen genetischen Merkmale der Patienten und unterschiedliche Schmerzarten in Betracht gezogen werden. In der multizentrischen, randomisierten, vierarmigen Phase IV-Studie wurden in 44 italienischen Zentren 520 Patienten im Verhältnis 1:1:1:1 auf orales Morphin, orales Oxycodon, transdermales Fentanyl oder transdermales Buprenorphin für 28 Tage (Einnahme nach Bedarf rund um die Uhr) randomisiert.

Klinisch und ethisch vertretbare Anpassungen erlaubt

Die initiale Dosis beruhte auf den Empfehlungen der European Association for Palliative Care. Während des Follow-up gab es an den Tagen 1, 3, 7, 14, 21 und 28 jeweils eine Visite. In dieser Zeit waren alle notwendigen klinisch und ethisch vertretbaren Anpassungen für eine bessere Schmerzkontrolle erlaubt (Ann Oncol. 2016, 27(6): 1107-1115).

Die Ärzte konnten die Dosis ändern, ein anderes Opioid oder weiteres adjuvantes Medikament hinzufügen oder das Opioid wechseln. Wenn sich die Therapie aufgrund fehlender Wirksamkeit oder starker Nebenwirkungen als vollkommen unzufriedenstellend herauskristallisierte, konnte sie abgebrochen werden.

Rückgang der Schmerzintensität

Zu Beginn wurden Daten zur Tumorerkrankung und Schmerzcharakteristik erfasst: die Lokalisation des Primärtumors, das Vorhandensein von Metastasen, frühere und weitere geplante Krebstherapien, Komorbiditäten und Karnofsky Performance Status sowie die durchschnittliche (API) und höchste Schmerzintensität (WPI) in den letzten 24 h, der Schmerztyp (nozizeptiv, neuropathisch, gemischt), das Vorkommen neuropathischer Schmerzen entsprechend dem DN4-Fragebogen und das Vorkommen von Durchbruchschmerzen entsprechend dem Davies-Algorithmus.

Bei jeder Follow-up-Visite wurden API und WPI, Veränderungen in der analgetischen Therapie (tägliche Dosis, Einnahmezeiten, Art und Dosis von zusätzlichen Opioiden oder adjuvanten Medikamenten), Wechsel des Opioids, Therapieunterbrechungen und Nebenwirkungen erfasst.

Innerhalb von vier Wochen gingen durchschnittliche (API) und höchste Schmerzintensität (WPI) zurück, wobei zwischen den Therapiearmen keine signifikanten Unterschiede festzustellen waren. Der Anteil an Nonrespondern reichte von 11,5 Prozent bei Morphin bis zu 14,4 Prozent bei Buprenorphin.

Ähnliche Toxizität in den vier Therapiegruppen

In allen vier Therapiearmen wurde während des Follow-up die Schmerztherapie angepasst: Erhöhung der täglichen Dosis um 32,7 Prozent bei Morphin bis 121,2 Prozent bei Fentanyl, adjuvante Medikamente in 68,9 Prozent der Fälle unter Morphin bis 81,6 Prozent unter Oxycodon, Opioidwechsel bei 22,1 Prozent in der Morphingruppe bis 12 Prozent in der Oxycodongruppe, Therapieabbrüche bei 27 Prozent unter Morphin bis 14,5 Prozent unter Fentanyl.

Die Toxizität war in den vier Therapiegruppen ähnlich, mit Ausnahme von Nebenwirkungen, die das Nervensystem betrafen; sie traten besonders unter einer Therapie mit Morphin auf. (kvk)

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