Ärzte Zeitung, 08.07.2013

Kommentar

Feinstaub macht dicke Luft

Von Dagmar Kraus

Nach spätestens zwei Minuten ist Schluss. Länger kann der Durchschnittsmensch den Atem nicht anhalten. Doch was wir reflexhaft bis zu 20.000-mal am Tag in unsere Lungen saugen, ist vielerorts ein Gesundheitsrisiko.

Das bestätigen gerade wieder zwei Studien: Demnach erhöhen Feinstaub und andere Luftschadstoffe die Lungenkrebsinzidenz und begünstigen eine Herzinsuffizienz.

Besonders brisant: Die schädliche Wirkung war bereits bei Schadstoffkonzentrationen zu beobachten, die weit unter den von der EU definierten Grenzwerten lagen. Während die EU eine jahresdurchschnittliche Feinstaubkonzentration bis zu 25 Mikrogramm/m3 toleriert, stieg das Lungenkrebs- und Herzinsuffizienzrisiko schon ab 10 Mikrogramm/m3.

Angesichts der Tatsache, dass mehr als 80 Prozent der Bürger Europas einer Feinstaubbelastung über 10 Mikrogramm/m3 ausgesetzt sind, ist es höchste Zeit, die Zielwerte zu korrigieren. Zumal die EU das Jahr 2013 zum "Jahr der Luft" erklärt hat, mit dem Ziel, die Luftqualität zu verbessern.

Dabei fließen, laut Umweltkommissar Janez Potocnik, die aktuellen Daten als wesentlicher Impuls in die Überprüfung der Luftreinhaltepolitik ein.

Sollte das nicht nur heiße Luft sein, müsste für Feinstaub demnächst ein deutlich niedrigerer Grenzwert gelten, den die WHO übrigens schon seit 2005 in ihren Luftgüteleitlinien fordert.

Lesen Sie dazu auch:
Assoziation: Mehr Feinstaub - mehr Lungenkrebs

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Schmerzloses Impfen per Pflaster

Forscher arbeiten an Impfpflastern, mit denen sich Vakzinen schmerzfrei applizieren lassen, ganz ohne Nadel. Die Pflaster haben viele Vorteile und könnten für höhere Impfraten sorgen. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »

Hier tummeln sich die meisten Hausärzte

Die Arztdichte in einer Region ist relevant für die Entscheidung, wo Allgemeinmediziner sich niederlassen – gerade für junge Ärzte. Unsere Karte des Monats zeigt, wo die Konkurrenz zwischen Hausärzten am größten ist. mehr »