Ärzte Zeitung online, 27.02.2014
 

Dick- und Enddarmkrebs

Wie sicher ist die lokale Exzision im Frühstadium?

Ein kolorektales Karzinom im Frühstadium wird nicht selten lokal exzidiert anstatt radikal reseziert. Mit Blick auf das 5-Jahres-Überleben ist das offenbar nicht immer von Vorteil.

LONDON. Dank technischen Fortschritts muss heute bei Dick- oder Enddarmkrebs nicht mehr grundsätzlich der betroffene Organabschnitt im Ganzen entfernt werden. Bei Tumoren, die im Stadium 0 oder 1 entdeckt werden, kann man das entartete Gewebe lokal exzidieren.

Ob die schonendere Methode mit der radikalen Operation in puncto 5-Jahres-Überleben mithalten kann, haben Chirurgen aus Großbritannien untersucht (Ann Surg 2013, online 23. August).

Die endoskopische und lokale Exzision eines Darmtumors ist im Vergleich zur radikalen Resektion für die Patienten weitaus weniger belastend und garantiert bei nah am Sphinkter wachsenden Rektumkarzinomen ein besseres funktionelles Ergebnis als die Resektion.

Die gleichen Überlebenschancen wie mit der radikalen Resektion lassen sich aber nur bei kolorektalem Carcinoma in situ und Rektumkarzinomen T1 erzielen, wie Aneel Bahngu vom Royal Marsden Hospital in London und seine Kollegen kürzlich berichtet haben.

Bei Kolonkarzinomen im Stadium T1/T2 und Rektumkarzinomen Stadium T2 muss für die geringere Invasivität des Eingriffs eine schlechtere krebsspezifische 5-Jahres-Überlebensrate in Kauf genommen werden.

Daten von 43.494 Patienten wurden ausgewertet

Die Wissenschaftler hatten die Daten von 43.494 Patienten, die zwischen 1998 und 2009 wegen eines Kolon- oder Rektumkarzinoms Stadium 0 (Carcinoma in situ; Tis) oder Stadium 1 (T1/2N0M0) operiert und in der SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results)-Datenbank gelistet worden waren, im Hinblick auf das krebsspezifische 5-Jahres-Überleben (CSS) sowie Gesamtüberleben (OS) ausgewertet.

An einem Kolonkarzinom waren 30.232 Patienten erkrankt und 13.262 Patienten an einem Rektumkarzinom. Nur 3553 Karzinome (8,21 Prozent) galten als Tis. Von den 39.941 Tumoren des Stadium 1 waren 20.480 T1- und 19.461 T2-Tumoren.

7378-mal wurde lokal exzidiert und 36.116-mal radikal reseziert, wobei der Anteil der lokalen Exzisionen mit 40,8 Prozent bei den Tis am höchsten und mit 4,3 Prozent bei den T2-Karzinomen am niedrigsten war.

Während bei kolorektalen Tis-Tumoren die Operationsmethode keinen Unterschied für das 5-Jahres-Überleben ergab (Kolon-Ca: HR 1,06, p = 0,814; Rektum-Ca: HR = 0,78, p = 0,494), fiel bei T1- und T2-Kolonkarzinom die CSS-Rate nach lokaler Exzision schlechter aus als nach Resektion (T1-Kolon-Ca: HR = 1,31, p = 0,020; T2-Kolon-Ca: HR = 2,41, p < 0,001). Das galt auch für T2-Rektumkarzinome (HR 1,71, p < 0,001).

Die Tendenz, die sich im Hinblick auf das 5-Jahres-Überleben abzeichnete, spiegelte sich auch im Gesamtüberleben wider. Bei T1-Rektumkarzinomen hingegen verschlechterte sich mit lokaler Exzision nur das Gesamtüberleben (HR 1,29, p < 0,001), beim CSS zeigten sich keine signifikanten Unterschiede (HR 1,16, p = 0,236).

Nivellierung bei neoadjuvanter Radiotherapie

Hatten sich Rektumkarzinom-Patienten einer neoadjuvanten Radiotherapie unterzogen, machte die Operationsmethode weder bei T1- noch bei T2-Tumoren einen Unterschied in Bezug auf das onkologische Outcome (T1: CSS adj. HR 1,21, p = 0,802; T2: CSS adj. HR 1,23, p = 0,701).

Die lokale Exzision sei bei kolorektalen Karzinomen im Stadium 0 eine gleichwertige Alternative zur Resektion, betonen die Studienautoren. Auch für die T1-Rektumkarzinome beurteilen Banghu und Kollegen diese Methode als sicher.

Unterlegen sei die sanftere Alternative jedoch bei T1- und T2-Kolonkarzinomen sowie T2-Rektumkarzinomen. Nun müssten genauere Selektionskriterien definiert werden, so die Forderung der Studienautoren, um besser beurteilen zu können, wer von dem technischen Fortschritt tatsächlich profitiert, auch im Hinblick auf das Überleben.

Vorteile erhoffen sich die Studienautoren etwa von einem besseren präoperativen Lymphknoten-Staging. (dk)

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